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Lidl streicht Bauern-Soli wieder

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Von: Anne Grüneberg

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Landwirt:innen fordern einen Bonus für eine bessere Tierhaltung.
Landwirt:innen fordern einen Bonus für eine bessere Tierhaltung. © AFP

Ein Euro pro Kilogramm Schweinefleisch verlangte der Discounter mehr. Die Verbraucher:innen und die Konkurrenz zogen da nicht mit.

Ein Versuch der Annäherung zwischen Lebensmitteleinzelhandel und Landwirt:innen ist gescheitert: Erst im Dezember hatte der Discounter Lidl den Preis für Schweinefleisch aus deutscher Produktion pauschal um einen Euro pro Kilogramm angehoben, um die schwer unter Druck stehenden deutschen Schweinehalter:innen zu unterstützen. Doch nach nicht einmal zwei Monaten hat Lidl die Aktion nun wieder eingestellt. Der Grund: Der Discounter war mit den neuen Preisen nicht wettbewerbsfähig. Große Konkurrenten hatten die Preise auf dem alten Niveau belassen.

„Die Entwicklung der vergangenen Wochen hat gezeigt, dass der Markt unserem Preissignal nicht gefolgt ist“, teilte Lidl mit. „Dadurch ist uns ein erheblicher Wettbewerbsnachteil entstanden.“ Für Lidl sei es nicht möglich, die Preise dauerhaft und allein auf diesem höheren Niveau zu halten.

„Offenbar sind die Verbraucher nicht bereit, mehr Geld für deutsche Tierhaltung auszugeben“, kommentiert Dirk Andresen. Er ist Schweinebauer in Schleswig-Holstein und Sprecher des Bündnisses Land schafft Verbindung, das Ende vergangenen Jahres mit großen Bauern-Protestaktionen aufgefallen war. Die Landwirt:innen wollten durch ihre Aktionen auf die Dumpingpreise und die Marktmacht der großen Lebensmittelketten aufmerksam machen. Dabei wurden auch Zentrallager von Aldi und Lidl blockiert.

Vor allem Schweinezüchter:innen stehen derzeit wegen der extrem niedrigen Preise unter Druck. Laut der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft liegt der empfohlene Preis für ein Schlachtschwein derzeit bei 1,19 Euro pro Kilogramm. „Dafür kann kein Landwirt kostendeckend Schweine produzieren. Die Bauern legen derzeit bei jedem Tier drauf“, sagt Tim Koch, Marktexperte für Fleischwirtschaft. Noch im März hatte der Preis für ein Kilo Schlachtschwein bei zwei Euro gelegen.

Der niedrige Preis ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. „Zum einen haben viele Drittländer den Import von deutschem Schweinefleisch gestoppt, als im Spätsommer hierzulande die Afrikanische Schweinepest aufgetreten ist. Vor allem China importiert sonst große Mengen Schweinefleisch aus Deutschland“, erklärt Koch. Außerdem sei auch hier Corona ein Faktor. Denn durch den Lockdown falle viel Außer-Haus-Geschäft weg. „Vor allem auf dem Weihnachtsmarkt oder im Fußballstadion gehört sonst für viele eine Bratwurst dazu“, so Koch. Außerdem habe es durch die Corona-Sicherheitsmaßnahmen und die Ausbrüche in vielen Schlachthöfen weniger Kapazitäten gegeben. „Das hat zu einer rückläufigen Nachfrage nach Schlachtschweinen und damit zu Preisdruck geführt.“

Bei den niedrigen Preisen und den hohen Auflagen in Deutschland lohne sich die Tierhaltung für viele deutsche Landwirt:innen nicht mehr, sagt Bündnis-Sprecher Andresen und führt ein Beispiel aus der Sauenhaltung an. So müssten die Sauenstände in Deutschland wegen der hiesigen Gesetze fast doppelt so groß sein wie im Nachbarland Dänemark. Das dadurch ein Kostennachteil entsteht, läge auf der Hand. „Wenn man eine Tierhaltung in Deutschland will, dann muss man auch dafür bezahlen“, fasst er zusammen. Die bäuerlichen Betriebe müssten deshalb zusammen mit dem Lebensmitteleinzelhandel neue Ideen und Strategien entwickeln.

Der Bauernverband hat bereits einen sogenannten Deutschland-Bonus vorgeschlagen, der „fest vereinbart wird und bei dem die hohen heimischen Produktionsstandards sichtbar und honoriert werden“, erklärt Verbands-Generalsekretär Bernhard Krüsken. Gespräche mit allen Beteiligten dazu liefen bereits. Kurzfristige Aktionen wie die von Lidl brächten nichts. Stattdessen braucht es laut Krüsken „langfristige, belastbare Vereinbarungen mit dem Lebensmittelhandel“.

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