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Die Sprachreform beseitigt keine Ungleichheiten, sondern verstärkt Gräben.
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Die Sprachreform beseitigt keine Ungleichheiten, sondern verstärkt Gräben.

Sprachreform

Liberté, Égalité – Europa ade?

Frankreich plant die Abschaffung des Deutsch-Unterrichts. Nicht nur kulturell ist das schlimm, die Auswirkungen auf die Wirtschaft in und für ganz Europa wären verheerend.

Von Evelyne Freitag

Deutsch ist eine Sprache der Eliten. Meint die französische Bildungsministerin und kürzt nicht nur das Deutschangebot an den Schulen, sondern schafft die bilingualen Klassen gleich ganz ab. Das Reformvorhaben stößt in Frankreich derzeit auf lauten Protest: Bestürzte Diplomaten, entsetzte Sprachlehrer und aufgebrachte Eltern beklagen den Niedergang der deutsch-französischen Freundschaft. Das kulturelle Malheur ist schlimm genug. Bei aller Entrüstung fällt aber eines oft unter den Tisch: Die verheerenden Auswirkungen auf die Wirtschaft in und für ganz Europa.

Schon heute kämpft die deutsche Wirtschaft mit dem Fachkräftemangel. Das Signal aus Paris ist fatal: Wenn nicht einmal mehr die Nachbarn Deutsch lernen und lieber auf Spanisch und Englisch setzen, wo soll der Talentaustausch dann herkommen?

Die Sprachreform beseitigt keine Ungleichheiten, sondern verstärkt Gräben. Den französischen Kindern bleibt keine Elitesprache erspart – man verwehrt ihnen die Chance auf Europa, und zwar gerade den Mittelstandskindern. Denn an Privatschulen wird man auch weiterhin Deutsch lernen. So wird aus Furcht vor Eliten die Chancengleichheit gleich mit abgeschafft.

Und um diese Wenigen wird man sich später erst recht bemühen. Denn der deutsch-französischen Partnerschaft kommt eine besondere Rolle zu: Deutschland und Frankreich sind der Motor Europas. Die beiden Industrienationen sind wichtige Handelspartner und in vielen Branchen findet man im Nachbarn den jeweils größten Markt in Europa.

Wirtschaftsachse Berlin-Paris ist in Gefahr

Wie soll das gehen, wenn man sich geographisch nah bleibt, sich kulturell und wirtschaftlich wunderbar ergänzt, sich aber nicht mehr miteinander verständigen kann? Die Wirtschaftsachse Berlin-Paris ist in Gefahr. Gerade jetzt, wo es in der Eurokrise klare Führung und Zusammenhalt braucht, ist die Sprachreform ein weiteres Hindernis für die Stärkung Europas. Denn nur wer früh und intensiv zu lernen beginnt, hat eine Chance, die Sprache und Denkweise des Anderen gut genug zu kennen, um den Schritt über die Grenze zu wagen.

Wenn Europa zusammenwachsen soll, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, müssen wir die nachbarschaftlichen Beziehungen pflegen. Von Anfang an. Dafür ist Sprache die wesentliche Voraussetzung.

Die Autorin ist Finanzchefin für den deutschsprachigen Markt des US-Konzerns Goodyear Dunlop. Die Französin arbeitet bereits seit 25 Jahren für internationale Konzerne in Deutschland.

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