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In Corona-Zeiten als Krisenwährung gesucht: Gold.

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Letzte Zuflucht Gold

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Erhöhte Nachfrage und die Sorge vor Inflation treibt den Goldpreis in die Höhe.

Anfang der vergangenen Woche, standen sie in langen Schlangen vor den Filialen der Goldhändler, um sich noch schnell eine Münze oder einen Barren zu sichern. Das Warten hat sich für die Privatanleger bislang gelohnt. Die Feinunze (31,1 Gramm) kostete am Freitagnachmittag mit rund 1470 etwa 100 Euro mehr als Mitte März. Analysten erwarten weitere Aufschläge.

Nun wird das Edelmetall doch wieder seinem Ruf als Krisenwährung gerecht. Dabei sah es in den vergangenen vier Wochen streckenweise überhaupt nicht danach aus. Der Goldpreis legte eine nie gekannte Berg- und Talfahrt hin, die auch viele Finanzprofis überraschte. Als sich die Meldungen und die Mutmaßungen über die Verbreitung des Corona-Virus und die ökonomischen Folgen häuften, ging es mit den Notierungen – wie zu erwarten war – deutlich nach oben. Zwischenzeitlich wurde eine Notierung von gut 1540 Euro pro Feinunze erreicht.

Es folgte ein steiler Absturz in die Region von 1350 Euro. Die allgemeine Verunsicherung an den Börsen war so groß, dass Anleger alles verkauften, was zu Geld zu machen war. Die Investoren pumpten Liquidität in ihre Depots, um für eine ökonomischen Katastrophe gewappnet zu sein. Deshalb wurden auch viele Goldbestände aufgelöst. Doch dann intervenierten die großen Notenbanken. Zuerst die Fed in den USA und dann die Europäische Zentralbank (EZB) für den Euroraum. Die Notenbänker öffneten die geldpolitischen Schleusen, versprachen, für Liquidität in praktisch unbegrenzter Dimension zu sorgen – koste es, was es wolle. Das sorgte für wachsende Nachfrage nach dem gelblich-schimmernden Edelmetall.

Doch inzwischen haben Goldproduzenten wegen der Corona-Krise Probleme, Münzen und Barren herzustellen und zu transportieren. Die südafrikanische Rand Refinery, einer der wichtigsten Produzenten – sie prägt die Krugerrand-Münzen - hat die regelmäßigen Transporte nach London komplett eingestellt. Das Gold muss aber physisch geliefert werden, zuletzt wurden Terminverträge für April in großer Zahl abgeschlossen. Die Engpässe treiben die Kurse in die Höhe.

Am Donnerstag kamen noch die aktuellen Zahlen der Erstanträge für Arbeitslosengeld in den USA dazu. Knapp 3,3 Millionen Frauen und Männer meldeten sich binnen einer Woche. Das war weit mehr als Beobachter erwartet hatten. Die Rekordzahl werde die Nachfrage nach Gold weiter befeuern, sagte der Edelmetall-Experte Gnanasekar Thiagarajan der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Viele Finanzprofis seien überdies der Ansicht, dass weitere staatliche Programme zur Stimulierung der Wirtschaft bald kommen würden. Was die Furcht vor einer steigenden Inflation schürt. Da ist es naheliegend, in Gold zu investieren. In der abgelaufenen Woche wurde ein Plus von mehr als acht Prozent erreicht. Das hat es seit 2008 nicht mehr gegeben.

Für die Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs ist klar, dass es weiter nach oben geht. Als Faktoren für steigende Notierungen wird Naheliegendes erwähnt: Eine massive Steigerung der Staatsverschuldung in vielen Ländern. Auch die Europäische Währungsunion sehen sie in Gefahr. Sie könnte daran zerbrechen, dass es für schwer angeschlagene Staaten wie Italien oder Spanien immer teurer wird, frisches Geld an den Finanzmärkten zu leihen – auch weil Spekulanten gegen diese Staaten wetten.

Die Weigerung von Deutschland und anderen Nordländern der Euro-Zone gemeinsame Staatsanleihen – Corona-Bonds – zu platzieren, könnten diese Mutmaßungen zusätzlich anheizen. Und dann noch die steigende Inflationsgefahr. Gold kann in einer derart komplexen Situation für Investoren dann auch die Aufgabe übernehmen, sich gegen eine starke Abwertung des Euro abzusichern.

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