+
Ex-Minister und Manager Werner Müller gestorben.

Wirtschaftsminister unter Schröder

Der letzte „Ruhrbaron“ Werner Müller ist tot

  • schließen

Er war Wirtschaftsminister unter Gerhard Schröder und lange Jahre Chef der RAG: Werner Müller ist mit 73 Jahren gestorben.

Berlin - Er war Gerhard Schröders wirtschaftlicher Trumpf. Als der sozialdemokratische Kanzler nach eineinhalb Jahrzehnten die Ära Kohl beendete, zog er ihn aus dem Ärmel. Für viele überraschend wurde der Energie-Manager Werner Müller 1998 parteiloser Wirtschaftsminister. Bei den NRW-Energie-Giganten Veba und RWE hatte Müller Karriere gemacht. Seine Voraussetzungen waren aus akademischer Sicht vielfältig. So hatte Müller scheinbar wenig zueinander passende Fächer wie Volkswirtschaftslehre, Philosophie und Sprachwissenschaften studiert, in letzterem Fach war er auch promoviert.

Schröder hatte ihn als Seiteneinsteiger geholt und damit sein Wahlkampfversprechen erfüllt, den Posten des Wirtschaftsministers mit einem Manager zu besetzen. Der Alt-Kanzler würdigte ihn als „großen Wirtschaftslenker“. Müller habe die Spielregeln sowohl der Wirtschaft als auch der Politik aus eigener Anschauung beherrscht. „Dadurch konnte er Menschen überzeugen und aus Kontrahenten Partner machen.“

Müller verhandelte Atomkonsens

Eine wichtige Rolle kam Müller beim Atomkonsens der rot-grünen Regierung zu: Er verhandelte dessen Eckpunkte mit der Industrie. Dabei geriet er immer wieder in Konflikt mit dem damaligen Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne). In Müllers Amtszeit fiel auch die Streichung des Rabattgesetzes und der Zugabeverordnung, die seit den 1930er Jahren in Kraft waren. Mit der Streichung entfielen Beschränkungen für Preisnachlässe und für weitere Vergünstigungen von Einzelhändlern für die Kunden. Als Parteilosem fehlte Müller der „Stallgeruch“, den viele seiner SPD-Kollegen mit ins Kabinett brachten, sagen Wegbegleiter. Gegenüber Kanzler Schröder galt er als loyal. Müller hatte ihm schon in dessen Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident beratend zur Seite gestanden.

Bei der Wiederwahl der rot-grünen Koalition 2002 wurde Müller durch den SPD-Mann Wolfgang Clement als „Superminister“ abgelöst. Den Essener zog es zurück in die Wirtschaft.

„Unschätzbare Verdienste um den deutschen Bergbau“

Im Jahr 2003 wurde Müller als Nachfolger von Karl Starzacher Vorstandschef der Ruhrkohle AG (RAG). Müller baute den verstaubten Konzern rasch um und gestaltete so das sozialverträgliche Ende der Steinkohleförderung im Ruhrgebiet und an der Saar maßgeblich mit. Bis zum letzten Fördertag wurde kein Bergmann entlassen. Bei der Schließung der letzten deutschen Zeche Prosper-Haniel in Bottrop war er im Dezember 2018 noch dabei. Müller habe „unschätzbare Verdienste um den deutschen Bergbau und die Bergleute, die ihm persönlich immer besonders am Herzen lagen“, sagte der aktuelle RAG-Vorstandschef Peter Schrimpf.

Aus den Teilen der RAG, die nicht zum Bergbau gehörten, formte Müller den Chemiekonzern Evonik, bei dem er Vorstandsvorsitzender und später Aufsichtsratschef wurde. Unter anderem mit den Evonik-Dividenden finanziert die RAG-Stiftung die dauerhaften Lasten des Bergbaus, etwa das Abpumpen von Grubenwasser.

Unermüdliches Engagement

Sein unermüdliches Engagement für den deutschen Bergbau und die Bergleute brachte Müller, der auch Mitglied des Aufsichtsrates des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund war, den Ruf ein, der letzte „Ruhr-Baron“ zu sein. Aus dem Vorstand der RAG-Stiftung zog sich der Katholik im vergangenen Jahr zurück.

Werner Müller starb in der Nacht zum Dienstag nach schwerer Krankheit im Alter von 73 Jahren in seiner Geburtsstadt Essen, wie die RAG-Stiftung mitteilte. Er hinterlässt seine Frau und zwei Kinder.

Auch interessant

Evonik trennt sich von Plexiglas

Evonik stellt Zusatzstoffe für unzählige Alltagsgegenstände her. Von einem Namen trennt sich der Essener Konzern jetzt.

Abschied von der Kohle

Mit dem Jahr 2018 endet der Abbau und damit eine Ära der deutschen Industriegeschichte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare