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Die Gründer und ihr Sion. 

Elektromobilität

Letzte Chance für Sono Motors

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Der Überlebenskampf des Elektroauto-Start-ups Sono geht in die Verlängerung. Bis20. Januar müssen weitere Millionen Euro her. Sonst ist unwiderruflich Schluss.

Es war ein Achtungserfolg. Zusagen über 32,5 Millionen Euro hat Sono Motors bis Silvester innerhalb eines Monats einsammeln können. 50 Millionen Euro hätte die Crowdfunding-Kampagne aber bringen müssen, um das Jungunternehmer über eine erste Finanzierungslücke zu hieven. Begraben haben Laurin Hahn und Jona Christians ihre Hoffnung dennoch nicht. „Die wohl bedeutendsten 30 Tage in der Geschichte von Sono Motors liegen hinter uns, doch noch sehr viel wichtiger sind die 20 Tage, die jetzt direkt vor uns liegen“, erklärt das Gründerduo in einem Newsletter an Unterstützer. Die sich aus dem Kreis von Kunden rekrutierenden Geldgeber sind soeben online befragt worden, ob sie einer Verlängerung der Kampagne zustimmen. Weil gut 93 Prozent dafür waren, wird nun bis 20. Januar weitergesammelt.

Nachdem sich die Gründer des erst 2016 in München gegründeten Start-ups für ein mit Solarzellen bestücktes Elektroauto mit Investoren zerstritten haben, ist die Geldnot kurzfristig groß. Für einen auf Herbst 2021 verschobenen Produktionsstart des Modells namens Sion sind insgesamt 255 Millionen Euro nötig, die jetzt angepeilten 50 Millionen Euro also nur ein erster Schritt, um überhaupt weitermachen zu können.

Zumindest für diese Summe sind die Väter des Sion aber optimistisch. Sie appellieren an Sion-Käufer, den Kaufpreis von 25 500 Euro komplett im Voraus zu bezahlen. Tut das auch nur jeder fünfte der gut 10 000 Vorbesteller, wäre das Geld in der Kasse.

Seit Verlängerung der Kampagne im Internet sind die Zusagen um gut eine auf nun über 33,5 Millionen Euro gestiegen. Das macht sie nach Sono-Angaben schon jetzt zur europaweit größten ihrer Art. Zudem hat das Jungunternehmen noch ein zweites Eisen im Feuer. Zugleich wurde nämlich ein Kleininvestorenprogramm aufgelegt, über das ebenfalls Geld eingesammelt wird. Durch die Finanzaufsicht Bafin genehmigt wurde das erst Mitte Dezember. Auch um diesen zweiten Finanzierungsweg zeitlich Spielraum zur Entfaltung zu gewähren, wurde die Crowdfunding-Kampagne verlängert, erklärt eine Sono-Sprecherin.

Eingeworben haben die Münchner bislang Darlehen mit fünf Jahren Laufzeit über gut 1,2 Millionen Euro. Verzinst werden sie mit sechs Prozent, was in allgemeinen Nullzinszeiten einiges über das Risikopotenzial sagt. „Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen“, warnt Sono ehrlicherweise. Um Kunden in der aktuell prekären Lage zu Investoren zu machen, haben Hahn und Christians zudem ihre Gewinnbezugsrechte an einen Pool abgetreten, der einmal an jetzige Unterstützer ausschütten könnte, sollte Sono Motors zur Erfolgsgeschichte werden.

Hahn und Christians verstehen sich als Visionäre, die den Klimawandel bekämpfen und den Autoverkehr reduzieren wollen. Der Sion ist nicht nur ein Elektrofahrzeug, das sich mittels in die Karosserie integrierter Solarzellen auf der Straße selbst auflädt. Der Wagen ist per vorinstallierter App auch auf Carsharing ausgelegt. Zudem kann er Strom nicht nur laden sondern auch wieder abgeben, was ihn zu einem Teil intelligenter Energienetze machen soll. Solchen Ökogedanken haben sich auch die Sono-Kunden verschrieben, was ihr jetziges Engagement erklärt, das weit über das üblicher Autokäufer hinausgeht.

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