Wenn dir das Leben Zitrone gibt, mach‘ Limo draus.
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Wenn dir das Leben Zitrone gibt, mach‘ Limo draus.

Ernährung

Keine echte Limo? Behörden fordern mehr Zucker in der Limonade von Lemonaid

  • Daniel Baumann
    vonDaniel Baumann
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Der Hamburger Getränkehersteller hat Ärger mit den Behörden. Ihre Limonaden drohen aus dem Vertrieb genommen zu werden.

  • Zum wiederholten Mal hat der Getränkehersteller Lemonaid Probleme mit den Behörden.
  • Ihre Limonaden sollen zu wenig Zucker enthalten und damit nicht den gesetzlichen Anforderungen gerecht werden.
  • Das Hamburger Unternehmen wehrt sich gegen die absurden Forderungen mit beißender Kritik - auch an Julia Klöckner.

Wenn Dir das Leben Zitronen schenkt, mach Limonade draus. Und wenn Du wegen der Limonade Ärger hast, mach Werbung draus. So wie die Hamburger Getränkemarke Lemonaid. Das 2009 gegründete Sozialunternehmen verkauft Bio- und Fairtradegetränke und fördert mit den Erlösen soziale Projekte in den Anbauländern.

Lemonaid macht Werbung aus Kritik der Behörden: „Amtlich unterzuckert“

Nun allerdings kommen die Behörden Lemonaid schon zum zweiten Mal in die Quere, weil sie der Auffassung sind, dass in einer Limonade des Unternehmens zu wenig – ja richtig: zu wenig, nicht etwa zu viel – Zucker enthalten sei. Es ist ein Irrsinn besonderer Güte, auf den die Hamburger mit scharfer Kritik reagieren - und mit bissigen Sprüchen zu ihrem Produkt: „Zu gesund für den Bund“, „Amtlich unterzuckert“ oder „Zuckergehalt: gesetzesniedrig“.

In Deutschland legt die Lebensmittelbuchkommission fest, welche Kriterien ein Lebensmittel erfüllen muss, damit es als Limonade, Bratwurst oder Marmelade gilt. Demnach soll Limonade mindestens sieben Gramm Zucker pro 100 Milliliter Flüssigkeit enthalten. Die Maracuja-Limonade von Lemonaid liegt mit 5,6 Gramm deutlich darunter.

Ernährungsministerin Julia Klöckner im Zwiespalt: Eigentlich will sie weniger Zucker in Getränken

Das müsste Bundesernährungsministerin Julia Klöckner eigentlich freuen. Die CDU-Politikerin gibt seit Jahren vor, sich für weniger Zucker in Getränken und Lebensmitteln einzusetzen. Nun sieht sie sich mit der absurden Situation konfrontiert, dass eine gesetzlich verankerte Kommission ihre Ziele torpediert.

Lemonaid jedenfalls hat vom Amt für Verbraucherschutz der Stadt Bonn Post bekommen, in der das Unternehmen unter Verweis auf die Richtlinien aufgefordert wird, „ab sofort nur Produkte in den Verkehr zu bringen, die den rechtlichen Anforderungen entsprechen“. Ansonsten müsse sich das Unternehmen auf „weitergehende behördliche Maßnahmen“ einstellen. Denselben Streit hatte das Unternehmen Anfang 2019 bereits mit den Hamburger Behörden. Dort hatte man schließlich ein Einsehen und setzt sich seither sogar für eine Änderung der Regeln ein.

„Denk mal“: Lemonaid stellt Statue aus Zucker vor Ernährungsministerium auf

Der Bundesernährungsministerin haben die Lemonaid-Macher kürzlich einen Besuch abgestattet. Vor dem Ministerium stellten sie eine Statue von Julia Klöckner auf - aus Zucker. Auf dem Sockel ein Schild mit deutlicher Botschaft: „Denk mal“.

Das scheint gewirkt zu haben: Das Ministerium hat die Lebensmittelbuchkommission aufgefordert, die „Leitsätze für Erfrischungsgetränke“ zügig zu überprüfen. Ob das unabhängige Gremium aus Verbraucherschützern, Wissenschaftlern, Aufsehern und Lebensmittelherstellern ein Einsehen hat? (Von Daniel Baumann)

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