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Auf dem Bau werden oft Leiharbeiter eingesetzt. Diese werden in einigen Ländern genauso bezahlt wie Festangestellte, zeigt eine Studie.
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Auf dem Bau werden oft Leiharbeiter eingesetzt. Diese werden in einigen Ländern genauso bezahlt wie Festangestellte, zeigt eine Studie.

Länder im Vergleich

Wo Leiharbeiter mehr verdienen

  • VonEva Roth
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Eine Länderstudie zeigt: Eine gleiche Bezahlung wie bei Festangestellten ist machbar. Die deutschen Gewerkschaften denken um. Von Eva Roth

Leiharbeiter müssen nicht schlechter bezahlt werden als Festangestellte. Das zeigt eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung über die Gepflogenheiten in sieben europäischen Ländern, die am Donnerstag veröffentlicht wurde.

So sei in Frankreich der Grundsatz des "Equal Pay" gesetzlich vorgeschrieben: Leiharbeiter bekämen das gleiche Grundgehalt wie Festangestellte. Lediglich Zuschläge, die erfahrene Stammkräfte erhalten, bekämen sie oft nicht. Immerhin hätten Leihkräfte aber in der Regel Anspruch auf eine "Prekaritätsprämie" von zehn Prozent des Bruttolohns, heißt es in der Studie. Diese Prämie entfalle nur dann, wenn die Leihkräfte einen unbefristeten Job erhielten. Der Anteil der Leiharbeiter an den Beschäftigten sei in Frankreich mit 2,1 Prozent höher als in Deutschland - trotz der relativ guten Bezahlung.

Allerdings seien die Jobs auch in Frankreich unsicher: Meist hätten die Leute einen befristeten Vertrag, der an die Dauer des Einsatzes in einem Betrieb gebunden sei. Solche Verträge sind auch in Deutschland möglich.

In den Niederlanden gebe es einen Anspruch auf gleiche Bezahlung, wenn der Einsatz im Betrieb länger als sechs Monate dauere.

Auch in Deutschland müsse der Grundsatz "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" gesetzlich festgeschrieben werden, fordert Annelie Buntenbach, Mitglied im Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). Alle bisher möglichen Ausnahmen müssten gestrichen werden.

Hierzulande schreibt das Gesetz seit Januar 2004 Folgendes vor: Leiharbeiter haben Anspruch auf das gleiche Gehalt wie Stammkräfte - es sei denn, in einem Tarifvertrag ist etwas anderes geregelt. Die DGB-Gewerkschaften fanden diese Regelung 2004 akzeptabel und hofften, in der Zeitarbeitsbranche Fuß zu fassen und gute tarifliche Regeln hinzukriegen. Doch dann konnte der DGB nur sehr niedrige Löhne für Leiharbeiter durchsetzen - auch, weil die christlichen Gewerkschaften mit einem Billig-Tarif vorgeprescht waren.

Jetzt fordern die beiden größten deutschen Gewerkschaften ein Grundsatzdebatte über die künftige Strategie. Die Tarifverträge gehörten auf den Prüfstand, weil sie nicht in der Lage seien, die Zeitarbeit sinnvoll zu regulieren, sagte IG-Metall-Vize Detlef Wetzel am Mittwoch. "Ich sehe das genauso", erklärte Verdi-Chef Frank Bsirske am Donnerstag.

Zurzeit werde die Leiharbeit in Deutschland zur "systematischen Lohndrückerei" genutzt. Um Abhilfe zu schaffen, fordert Verdi eine gesetzliche Änderung und geht noch ein bisschen weiter als der DGB: Leihkräfte sollten "mindestens" so viel Geld erhalten wie das Stammpersonal.

Zudem denken Verdi und IG Metall darüber nach, in großen Tarifrunden Leiharbeit zum Thema zu machen. Verdi hat bereits in der letzten Tarifrunde für den öffentlichen Dienst der Bundesländer gefordert, dass in Landeseinrichtungen der Equal-Pay-Grundsatz gilt - doch die Arbeitgeber spielten nicht mit.

Ärger um Uniklinik Essen

Ein Anlass für die Forderung war das Uniklinikum Essen, das unter den Länder-Tarifvertrag fällt. Dort erhielten neu Eingestellte seit August 2006 fast nur noch Leiharbeiter-Verträge, sagte Personalratschefin Alexandra Willer der FR. Dies gelte etwa für Sozialarbeiter, Handwerker und Physiotherapeuten. Ausnahmen seien Ärzte und Pfleger.

Die Zeitarbeiter, die bei einer Tochterfirma der Uniklinik angestellt seien, verdienten netto 300 bis 450 Euro weniger im Monat und hätten sechs Tage weniger Urlaub als der Länder-Tarif vorsehe. In der Tarifrunde hätten die Bundesländer zugesichert, sich um den Fall zu kümmern, so Verdi. Doch bisher habe sich nichts geändert. Inzwischen sucht ein Schlichter eine Lösung.

Verdi will jedenfalls am Ball bleiben. Vorstellbar sei, auch in anderen großen Tarifrunden "Equal Pay" zu fordern, sagte eine Sprecherin. Möglich sei dies etwa im Einzelhandel, wo viele Menschen als Zeitarbeiter tätig seien. So arbeiteten bei Kaiser´s nach 20 Uhr fast nur noch Leihkräfte. Auch die IG Metall erwägt, in der nächsten Tarifrunde für die Metallindustrie eine Besserstellung für Leiharbeitern zu fordern. Eine Tarifregelung in dieser Branche hätte Signalwirkung auf andere Wirtschaftszweige.

Die Arbeitgeber halten davon allerdings gar nichts: Die Tarifparteien der Metall- und Elektroindustrie "sind für die Zeitarbeit nicht zuständig", sagte Karsten Tacke, Geschäftsführer von Gesamtmetall, der FR. Die Arbeitsbedingungen der Leihkräfte müssten Arbeitgeber und Gewerkschaften in der Zeitarbeitsbranche selbst regeln.

Auch die inhaltlichen Forderungen der IG Metall, also etwa Equal-Pay, wies Gesamtmetall scharf zurück: "Überhöhte Kosten machen den Einsatz der Zeitarbeit unattraktiv und verbauen Beschäftigungschancen", so Tacke. "Die Betriebe brauchen einen kostengünstigen Flexibilitätspuffer, der im Aufschwung neue Arbeitsplätze schafft und im Abschwung die Stammbelegschaften sichert."

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