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Das US-Unternehmen Bird vermietet seine Roller zum Beispiel auch in Paris und will nach Deutschland expandieren, sobald die hiesige Rechtslage es zulässt.

Rent an e-Scooter

Mit dem Leih-Scooter auf die letzte Meile

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In den USA sind Elektro-Tretroller ein Hype, in Deutschland sind sie noch illegal. Das wird sich bald ändern. Zahlreiche Anbieter stehen in den Startlöchern.

Sie wären das richtige Fahrzeug für die Shoppingtour zwischen den Jahren. Denn sie sind schnell und agil, und einen Parkplatz braucht man auch nicht zu suchen. Wer die neue Form der Elektromobilität ausprobieren will, muss sich aber erst einmal nach Los Angeles, San Francisco oder Lissabon bemühen. Denn hierzulande werden Elektro-Tretroller frühestens zu Ostern durch die Innenstädte surren.

Elektro-Kleinstfahrzeuge, so die offizielle Bezeichnung, sind in Deutschland noch illegal. Das Bundesverkehrsministerium hat das Regelwerk für die Vehikel lange verschleppt und sich mit vielen Feinheiten der Zulassungsverordnung schwergetan. Die Fans der Vehikel kritisieren übermäßige Bürokratie, Skeptiker pochen auf Verkehrssicherheit. Bereits im Sommer wurde ein Entwurf für die Bestimmungen vorgelegt, derzeit geht es noch um Details. Vermutlich im Frühjahr soll das Paragrafenwerk in Kraft treten.

„Wenn die Roller in Deutschland genehmigt sind, werden wir sehr schnell präsent sein“, sagte ein Sprecher von Mytaxi dieser Zeitung. Das Unternehmen betreibt hauptsächlich eine Smartphone-App, um Taxis zu bestellen. Doch Ende November startete die Tochter des Daimler-Konzerns das Rollersharing unter der Marke Hive in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon. Und die Stuttgarter sind mit ihrer Idee für eine neue Mobilitätsform keineswegs allein. Voi, Tier, Wind, Lime und Bird heißen die Start-up-Firmen, die auf den Tretroller mit Hilfsmotor setzen. Wobei die beiden letzteren aus den USA kommen und besonders in Kalifornien schon sehr rege sind.

Die Bird-Manager jedenfalls wollen möglichst schnell den Sprung nach Europa schaffen, sie haben vor einigen Tagen in London 50 Scooter bereitgestellt, obwohl die Kleinstfahrzeuge auch dort noch illegal sind. Sie dürfen nur auf einem rund zwei Kilometer langen Privatweg genutzt werden. Im bayerischen Bamberg hat Bird in Kooperation mit den örtlichen Stadtwerken und mit einer Sondergenehmigung am zweiten Advent eine Art Feldversuch gestartet, der zunächst auf den zentralen E.T.A.-Hoffmann-Platz beschränkt war. Geplant ist, die Nutzung mit 100 Exemplaren der Zweiräder auf das gesamte Stadtgebiet auszudehnen.

Die elektrischen Leih-Scooter sind der neueste Mobilitäts-Hype, nachdem die Leihfahrräder ihre Zukunft schon hinter sich haben: So plötzlich diese in deutschen Metropolen auftauchten, so schnell sind sie vielerorts wieder verschwunden. Die Start-ups aus China, Singapur und den USA hatten teilweise Probleme, die Flut der Räder im Stadtgebiet unter Kontrolle zu halten, gerieten finanziell in Schieflage und gingen sogar in die Insolvenz.

Nun scharren die Rollervermieter mit den Füßen. Lime und Bird aus den USA haben bereits den Status von sogenannten Einhörnern erreicht. Das sind Start-ups, die nach Einschätzung der Investoren mehr als eine Milliarde US-Dollar wert sind. Die schwedische Voi, sowie Wind und Tier (beide aus Berlin) haben bei Investoren jeweils Beträge eingesammelt, die deutlich über der Grenze von 20 Millionen Euro liegen. Das Geld wird gebraucht, um Roller anzuschaffen und sich dann Marktanteile in den Städten zu sichern – wenn die Bestimmungen für die neue Fahrzeug-Kategorie beschlossen sind.

Und es stehen weitere Anbieter in den Startlöchern: Mobike etwa, Marktführer bei den Leihrädern. Der Autobauer Ford hat sich das Scooter-Start-up Spin gekauft. Der US-Fahrdienst-Vermittler Uber will mit seiner Tochter Jump mitmischen, während die Motorradsparte von BMW in die Produktion einer Art Premiumroller für verschiedene Märkte im Ausland eingestiegen ist. Es kursieren Vermutungen, dass Daimler und BMW ihre gemeinsamen Aktivitäten beim Carsharing (Car2Go/Drive Now) um die Elektrovehikel ergänzen wollen.

Experten erwarten einen harten Konkurrenzkampf unter den Anbietern. Die Erfahrungen mit den Leihrädern haben gezeigt, dass sich die Sharingkonzepte nur rentieren, wenn man viele Kunden und eine hohe Nutzungsfrequenz in jeder Stadt erzielt – genau daran sind Fahrradverleiher gescheitert. Besonders die Kosten für die Instandhaltung der Räder und für ihre Verteilung in der Stadt sind hoch. Das dürfte bei den Scootern nicht anders sein. Schließlich müssen außerdem deren Batterien regelmäßig geladen werden. In Bamberg sollen sie dafür jeden Abend eingesammelt werden.

Das Geschäft mit den E-Scootern sei aber anders als das mit den Velos strukturiert, erklärt der Mytaxi-Sprecher. Erstens sei der Fahrspaß höher und zweitens sei die Zielgruppe eine andere. Die modernen Tretroller kommen auch für Anzugträger infrage, da man auf der Fahrt ob des E-Antriebs nicht ins Schwitzen gerät. Zudem seien die Fahrzeuge speziell für die sogenannte letzte Meile, für Strecken zwischen 1000 und 2000 Metern, gedacht. Vom Bahnhof zum Büro. Mittags vom Büro zum Lunchtermin. Oder abends zur After-Work-Bar.

Für die Fahrten wird ein Grundpreis von einem Euro verlangt, hinzu kommen 15 Cent pro Minute. Die Scooter können überall in der Stadt abgestellt werden. Sie werden über eine Smartphone-App gebucht. Sie dürfen maximal 20 Stundenkilometer schnell sein. Sie sollen über Radwege rollen – was von deutschen Fahrradverbänden bereits heftig kritisiert wird. Falls Radwege nicht vorhanden sind, müssen sie auf die Autofahrbahn. Gehwege sollen tabu sein. Nutzer müssen mindestens 18 Jahre alt sein und zumindest einen Mofa-Führerschein haben. Die Roller sollen mit einer Bremse mit Vorder- und Rücklicht sowie einem Versicherungskennzeichen ausgestattet werden.

Kaufen kann man die Tretroller in Deutschland auch jetzt schon – damit aber eben noch nicht auf öffentlichem Grund unterwegs sein. Die Vehikel kosten zwischen 400 und 2500 Euro.

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