Abzocke im Internet

Leichtgläubig investiert

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Das Bundeskriminalamt und die Finanzaufsicht warnen Anleger vor betrügerischen Online-Plattformen.

Ein Blick auf das Online-Konto macht deutlich: Das Investment läuft. Richtig gut sogar, der eingesetzte Betrag hat sich binnen kürzester Zeit verdoppelt. Toll also, dass der freundliche Berater der Internet-Handelsplattform den Kleinanleger noch einmal persönlich anruft und dazu rät, noch mehr Geld einzusetzen und so die Gewinnchancen weiter zu erhöhen. Dumm nur, dass das Ganze ein riesengroßer Betrug ist. Den der Anleger meist er dann bemerkt, wenn es zu spät ist und er schon richtig viel Geld verbrannt hat.

Das Bundeskriminalamt (BKA) und die Finanzaufsicht Bafin haben Anfang Dezember mit einer Pressemitteilung eindringlich vor Abzocke bei Geldanlagen im Internet gewarnt. Und auch die Verbraucherschützer schlagen Alarm. „Die Beschwerden von Kleinanlegern über Online-Handelsportale nehmen seit einiger Zeit dramatisch zu“, sagt Wolf Brandes, Teamleiter Grauer Kapitalmarkt bei der Verbraucherzentrale Hessen. Seinem Team seien Fälle bekannt, bei denen einzelne Anleger bis zu 70.000 Euro verloren hätten; insgesamt geht es wohl um Betrug im dreistelligen Millionenbereich, genaue Zahlen gibt es nicht.

Momentan konzentrieren sich die Kriminellen vor allem auf zwei Anlageklassen: sogenannte finanzielle Differenzkontrakte (CFD) und das Forex-Trading. Zuvor waren auch sogenannte binäre Optionen ein beliebtes Angebot der Betrüger, der Vertrieb an Kleinanleger ist allerdings inzwischen offiziell verboten. Bei CFD spekulieren Anleger auf die Kursentwicklung eines bestimmten Basiswertes, etwa einer Aktie oder Kryptowährung. Beim Forex-Trading setzen sie auf Veränderungen von Wechselkursen. Beides sind hochspekulative Geschäfte – wer es sich nicht leisten kann, das eingesetzte Geld zu verlieren, sollte davon ohnehin die Finger lassen. Bei CFD gibt es deswegen auch bereits Beschränkungen der Finanzaufsicht für Kleinanleger.

Bei den oftmals betrügerischen Online-Tradern stehen die Gewinnchancen allerdings nicht nur schlecht, sondern bei null. Sobald sich Anleger bei einem der Portale – die sie häufig auch über Facebook finden – registriert haben, werden sie von vermeintlich professionellen Anlageberatern angerufen. „Die Kunden werden dann ganz langsam gewonnen. Erst sollen sie nur kleine Beträge investieren. Dann werden die Anrufe häufiger, die Anleger werden überredet, immer mehr Geld einzusetzen“, weiß Brandes. Die Internetseiten der Betrüger wirken auf den ersten Blick sehr seriös.

„Besonders dreist ist, dass der Anleger den Stand seines Anlagekontos vermeintlich online einsehen kann. Dort werden ihm mithilfe der Betrugssoftware der Handelsplattform Kontobewegungen und hohe Gewinne angezeigt“, schrieben BKA und Bafin in ihrer Warnung. Fakt sei allerdings, dass das eingezahlte Geld nie wirklich investiert werde. „Die komplette Handelsplattform einschließlich des vermeintlichen Kundenkontos ist ein Fake“, so die Behörden.

Versuchen die Anleger etwa, sich ihr Geld auszahlen zu lassen oder ihr Konto zu schließen, sind die Kundenberater oftmals nicht mehr erreichbar oder vertrösten die Anleger. „Das ist sozusagen der graue Kapitalmarkt 2.0. Hier geht es nicht mehr um Investitionen in Sachwerte wie Container oder Windanlagen, sondern um total abstrakte Produkte. Es ist sehr schwer, hier die halbwegs seriösen Anbieter von den Betrügern zu unterscheiden“, sagt Brandes.

Für geprellte Anleger ist es quasi unmöglich, ihr Geld zurückzubekommen. Dies wird nach Einzahlung umgehend ins Ausland verschoben, wo die Betreiber der Seiten sitzen, ebenso wie die Call Center – kaum erreichbar für deutsche Polizei oder Justiz. Bafin und BKA fordern Anleger daher dazu auf, sich vor der Geldanlage genau über Anbieter und deren Firmensitz zu informieren, unaufgeforderte Anrufe im Zusammenhang mit Anlageangeboten abzuweisen und bei Verdacht – oder aber wenn man Betrugsopfer wurde – die Polizei zu kontaktieren. Brandes geht sogar weiter: Deutsche Banken böten Online Trading an. „Von anderen Anbietern sollte man dringend die Finger lassen.“

BKA und Bafin weisen außerdem darauf hin, dass wer einmal Opfer wurde, ganz oben auf der Liste von Betrügern stünde. Diese würden nämlich die Kontaktdaten gutgläubiger Bürger oft an andere Kriminelle weiterverkaufen. Und: „Vorsicht bei Hilfsangeboten! Häufig geben sich Betrüger, die Ihre Kundendaten erworben haben, als ,Samariter’ aus , die Sie dabei unterstützen wollen, Ihr verlorenes Geld zurückzuholen“, warnen die Behörden.

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