Zukunftsmesse Me Convention

Lego - statt Machtspiele

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Nur Manager-Firlefanz? Ein Workshop zeigt, warum Mitarbeiter gemeinsam basteln sollten. FR-Autorin Nina Luttmer hat mitgespielt.

Ach, Du grüne Neune. Da muss man schon jedes Wochenende mit den Kindern Legosteine aufeinandertürmen und dann soll man das auch noch gemeinsam mit wildfremden Erwachsenen während der Arbeitszeit machen?“

Das sind meine Gedanken, als ich den Seminarraum auf dem Zukunftsfestival Me Convention in Frankfurt betrete, in dem gleich ein Workshop zu „Lego Serious Play“ beginnen wird. Aber ich bin auch neugierig. In den Gesichtern vieler anderer Teilnehmer liegt ebenfalls eine Mischung aus Skepsis und Vorfreude. Spielen während der Arbeitszeit – so schlecht ist das ja eigentlich auch nicht.

Lego Serious Play – vor vielen Jahren erdacht vom dänischen Spielzeughersteller Lego – ist eine besondere Art der moderierten Gruppenarbeit. Sie wird vor allem in Unternehmen eingesetzt. Kurz gesprochen, bauen die Teilnehmer alleine und gemeinsam mit den Legosteinen und sollen so neue Geschäftsstrategien entwickeln, Probleme im Team überwinden oder Krisensituationen in der Firma erkennen und beheben.

Steine entfalten ihre Magie

Aber kann das funktionieren? „Das ist doch nur so ein Management-Unsinn“, höre ich eine Besucherin der Me Convention vor dem Seminarraum sagen. Und irgendwie fürchte ich das auch.

Robert Rasmussen, der Lego Serious Play von Anfang an, seit den 90ern mitentwickelt hat, ist persönlich als Moderator für die Sitzung angereist. Nur 30 Prozent der Menschen seien wirklich engagiert im Job, erklärt Rasmussen. Die Führung eines Unternehmens könne das ändern. Heute will er uns zeigen, wie das gehen könnte. Also Ärmel hochgekrempelt. Jeder Teilnehmer, immer etwa zehn an einem Tisch, erhält eine Tüte mit verschiedenen Lego-Steinen und auch einem Legomännchen. Erste Aufgabe: Einen Turm nur aus gelben und grünen Steinen bauen, oben verziert mit einer rosa Plastikblume. Das bekomme selbst ich hin, obwohl ich weder eine begeisterte noch eine talentierte Spielerin bin.

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Tatsächlich merkt man: Alle haben Spaß. Eine leichte Aufgabe zu Beginn löst die Anspannung. „Sehen Sie, alle haben die gleichen Steine, alle die gleiche Aufgabe – aber jeder Turm sieht anders aus,“ sagt Rasmussen. Stimmt, keiner der etwa 70 Türme gleicht einem anderen. Genau so sei es in Unternehmen, so Rasmussen: Jedes Individuum sei anders und habe ein großes Potenzial. Das Problem sei nur: Bei normalen Büro-Meetings würden 20 Prozent der Anwesenden 80 Prozent der Redezeit vereinnahmen und meistens viel vom immer Selben erzählen. Alle anderen würden sich daher zurücklehnen und nicht mehr mitdenken: „Wir wollen aber keine Zurücklehn-Meetings, sondern Nachvornelehn-Meetings“, sagt er. Bei Lego Serious Play können und müssen alle mitmachen.

Nächste Aufgabe: Jeder soll ein Modell bauen, das zeige, was er an der Me Convention mag und was ihn dort motiviere. Ich nehme ein Männchen und verlängere es mit vielen bunten Steinen, auf seinen Kopf setze ich eine Blume - und bin sehr zufrieden mit meiner Leistung. Auch wenn ich später erkennen muss: Es sitzen wahre Baumeister an meinem Tisch, ihre Werke haben fast künstlerische Qualität. Anschließend soll jeder seinem Zehnerteam erklären, was er gebaut hat und warum. So kommen die Teilnehmer leicht miteinander ins Gespräch.

Mein Männchen steht für die bunte Menschenmischung auf der Konferenz – und den fehlenden Dresscode, was ich als häufiger Besucher von Bankenkonferenzen mit all den schwarzen Anzügen als positiv empfinde. Andere Teilnehmer schätzen die Networking-Möglichkeiten oder auch die interessanten Sprecher und Themen und haben das mit ihren Klötzen eindrücklich aufgebaut. Fragt man bei bestimmten Details des Modells nach, bekommt man mitunter erstaunliche Antworten: Viele Teilnehmer haben sich in den wenigen Minuten des Aufbaus viele Gedanken gemacht.

Wissen „entsperren“

„Mit den Händen etwas zu bauen, hilft dem Gedankenfluss“, sagt Rasmussen. Nur fünf bis zehn Prozent unseres Wissens seien uns überhaupt bewusst. Durch das Bauen sei man in der Lage, weiteres unterbewusstes Wissen zu „entsperren“. Mit den nächsten beiden Modellen sollen wir eine Geschichte über unseren Alptraum-Chef oder Horror-Kollegen erzählen sowie aus der Sicht eines Neunjährigen darlegen, wie eine gute Führung aussehen sollte – und uns danach am Tisch wieder darüber austauschen.

Tatsache ist: Es macht mir Spaß – und den anderen Teilnehmern offenbar auch. Und es fällt mir leichter als gedacht – trotz meiner Bauphobie. Dabei muss man bedenken, dass hier einander nicht bekannte Menschen zusammensitzen, die sich in diesen gemeinsamen 1,5 Stunden schon ganz gut kennenlernen – denn die Modelle und das, was die Anwesenden dazu erklären, sagen einiges über die Erbauer aus. Mit Teamkollegen könnte ein solches Seminar natürlich viel fruchtbarer sein und mehr berufliche Relevanz bekommen.

Fazit: Vielleicht ist Lego Serious Play ja doch nicht der Managementschrott, den ich anfangs befürchtet hatte. Ich kann mir vorstellen, dass es Teams wirklich weiterbringen kann.

Uns alle besticht Rasmussen am Ende unseres Seminars aber auch noch ein bisschen: Er schenkt uns die vielen bunten Steinchen.

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