Der Wert von Lebensversicherungen sinkt weiter.
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Der Wert von Lebensversicherungen sinkt weiter.

Altersvorsorge

Lebensversicherung sinkt im Wert: Experten geben Rat

  • vonTheresa Dräbing
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Altersvorsorge: Der Wert der Lebensversicherung sinkt. Mit dem Garantiezins geht es weiter bergab – das gleiche gilt für die Überschussbeteiligungen. 

  • Der Wert der Lebensversicherung sinkt weiter.
  • Die DAV empfiehlt, den Garantiezinssatz weiter abzusenken.
  • Vielen Anbietern droht im Hinblick auf die Altersvorsorge das Aus.

Frankfurt - Der Garantiezins für Kapitallebensversicherungen ist schon jetzt sehr niedrig. 0,9 Prozent beträgt er für Neuverträge seit 2017. Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) empfiehlt den Zinssatz weiter abzusenken – auf noch nie dagewesene 0,5 Prozent ab 2021. Eine Entscheidung darüber steht noch aus, gefällt wird sie im Bundesfinanzministerium. Dieses berücksichtigt dabei neben Empfehlungen der Finanzaufsicht Bafin die Berechnungen der DAV.

Die einst beliebteste Altersvorsorge der Deutschen würde damit endgültig unattraktiv. Hinzu kommt, dass Überschussbeteiligungen seit Jahren immer geringer ausfallen. Und auch das wird sich in naher Zukunft kaum ändern. Die FR beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.

Lebensversicherung: Wobei handelt es sich beim Garantiezins?

Der Garantiezins gibt an, wie hoch die Mindestverzinsung ist, die Versicherer ihren Kunden, abgesehen von möglichen Überschussbeteiligungen, am Ende der Laufzeit versprechen. Grundlage ist der Höchstrechnungszins, den die Bundesregierung festlegt und der häufig synonym mit dem Garantiezins verwendet wird. Versicherer können von der gesetzlichen Vorgabe nach oben hin abweichen, nur nicht nach unten. „Der Garantiezins bezieht sich allerdings nur auf den Sparanteil“, sagt Anne Hausdörfer, Expertin für das Thema Altersvorsorge bei der Stiftung Warentest. Konkret bedeutet das, dass Versicherte am Ende nicht immer mehr herausbekommen, als sie einbezahlt haben. Denn von der Verzinsung ausgenommen sind Abschluss- und Verwaltungskosten sowie der Beitrag für einen Todesfallschutz.

Lebensversicherung: Warum soll der Garantiezins weiter abgesenkt werden?

Der Staat will damit sicherstellen, dass Versicherer ihre garantierten Zusagen auch einhalten können. Denn das wird für die Unternehmen im aktuellen Niedrigzinsumfeld immer schwieriger. Insbesondere die höheren Garantien aus früheren Verträgen sind durch Kapitalerträge aus dem Zinsmarkt nicht mehr finanzierbar. Um die Garantien zu halten, müssen die Unternehmen draufzahlen. Laut DAV tun dies Versicherer bei rund 80 Prozent der bestehenden Policen. Zwar halten die Versicherer ihre Garantien damit weiter ein, dennoch hat das Folgen für die Kunden.

Um den Garantiezins sicherzustellen, knapsen die Unternehmen die sogenannte Zinszusatzreserve an. Geld aus erwirtschafteten Überschüssen, das ansonsten zusätzlich an die Versicherten ausgezahlt worden wäre. Diesen Sicherheitsanker vorzuhalten, sind sie seit 2011 gesetzlich verpflichtet. Die Zinsflaute an Kapitalmärkten werde sich laut DAV zudem eher noch verschärfen und damit die Schwierigkeiten der Versicherer, die einst versprochenen Garantien zu halten.

Lebensversicherung: Der Wert sinkt

Die Kündigung einer bestehenden Lebensversicherung sollte genau geprüft werden. Möglich ist auch ein Verkauf oder die Beitragsfreistellung des Vertrages. 

Der Online-Rechner des Bundes der Versicherten hilft bei der Entscheidung.

Welche Folgen hätten eine Absenkung des Garantiezinses konkret für Versicherte?

Wie viel Geld Versicherte mit einem niedrigen Garantiezins am Ende herausbekommen, macht die Stiftung Warentest anhand einer Beispielrechnung deutlich: Eine Modellkundin, die 30 Jahre lang jährlich 1200 Euro in einen Vertrag einzahlt – bei einem Garantiezins von 0,9 Prozent – bekäme unter 20 untersuchten Produkten im Alter bestenfalls eine garantierte Monatsrente von 124 Euro, im schlechtesten Fall wären es 96 Euro – also weniger als eingezahlt. „Je nachdem wie hoch die Kosten der Produkte sind, kann es sein, dass der Versicherte sehr alt werden muss, um die eingezahlten Beiträge herauszubekommen“, so Hausdörfer. Sinkt der Garantiezins auf 0,5 Prozent, würde dies noch schwerer werden.

Wert der Lebensversicherung sinkt: Wen würde eine Absenkung betreffen?

Der geringere Zinssatz gilt nur für Verträge, die nach der gesetzlichen Änderung abgeschlossen werden. Für Besitzer von lukrativen Altverträgen mit einem Garantiezins von bis zu vier Prozent ändert sich in diesem Punkt nichts. Allerdings sollten Kunden wachsam sein: So hat die Stiftung Warentest in der Vergangenheit auf Fälle aufmerksam gemacht, in dem der Versicherer Debeka Altverträge, die dynamische Beitragserhöhungen enthielten, mit geringeren Zinssätzen ausstatten wollte. Prüfen sollten Versicherte hier die Vertragsbedingungen.

Hinzu kommt, dass längst nicht mehr alle Versicherer klassische Garantieprodukte anbieten. Laut einer Untersuchung der Ratingagentur Assekurata vertreiben von 47 befragten Unternehmen inzwischen nur noch 24 eine klassische private Rentenversicherung mit lebenslangem Garantiezins. Die Konzerne setzen stattdessen auf Verträge mit modifizierten Garantien, für die sie weniger Kapital vorhalten müssen. Kunden können bei solchen Verträgen entweder komplett auf eine Garantie verzichten oder einen deutlich reduzierten Garantiezins wählen. Dabei gilt in der Regel: Je geringer die Garantie, desto höher die Renditechance.

Von einer Absenkung des Garantiezinses könnten aber auch Riester-Sparer betroffen sein. So hat die DAV auch hier eine Empfehlung abgegeben, den Höchstrechnungszins anzupassen.

Lebensversicherung vor dem Aus: Was raten Experten den Versicherten?

Wer vor Jahren einen Vertrag abgeschlossen hat, kann sich in der Regel beruhigt zurücklehnen. Zwar sind auch Kunden mit Altverträgen von der immer kleiner ausfallenden Überschussbeteiligung betroffen, der damals garantierte Zinssatz muss aber auch heute noch eingehalten werden. Und da der auch in anderen sicheren Anlageformen heute so nicht mehr zu bekommen ist, sollten Versicherte die Verträge unbedingt weiterführen.

Auch bei weniger attraktiven Verträgen, die erst kürzlich abgeschlossen wurden, beispielsweise mit einem Zinssatz von 0,9 Prozent, raten Experten von einer Kündigung ab. „Es profitieren nur die Kunden von den vollen Schlussüberschüssen, die ihren Vertrag durchhalten“, so Peter Schwark vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die Kosten senken können Versicherte aber beispielsweise, wenn Beiträge jährlich statt monatlich geleistet werden.

Neuabschlüsse von Lebensversicherungen sollte man sich hingegen gut überlegen, meint Warentesterin Hausdörfer. Sicher sei: Mit einem noch niedrigerem Garantiezins, wird unterm Strich wenig rauskommen.

Neben der Kündigung kann man die Lebensversicherung auch verkaufen. Das bringt Vorteile mit sich.

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