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Lebensversicherungen waren lange eine gängige Form, um die Rente aufzubessern. Gilt dies auch heute noch? (Symbolbild)
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Lebensversicherungen waren lange eine gängige Form, um die Rente aufzubessern. Gilt dies auch heute noch? (Symbolbild)

Finanzen

Abschied vom Anlageliebling: Lohnt sich das Geld für eine Lebensversicherung?

  • vonMechthild Hennecke
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Lebensversicherungen waren lange die gängigste Methode, um für das Alter vorzusorgen und die Rente aufzustocken. Aber lohnen sie noch immer? Ein Überblick.

  • Lebensversicherungen gehören zu den beliebtesten Anlageprodukten für die Altersvorsorge.
  • Viele nutzen die Versicherungen, um die gesetzliche Rente aufzubessern.
  • Wann sich das Geld für eine Lebensversicherung lohnt und wann nicht.

Frankfurt – Um die Rente aufzubessern, waren Lebensversicherungen viele Jahrzehnte lang eine vielfach empfohlene Anlageform. Die garantierten Zinsen, die auf sie gezahlt wurden, lagen häufig bei bis zu vier Prozent. Wer jung eine Versicherung abschloss, konnte mit einem ordentlichen Aufschlag bei der Altersversorgung rechnen. Diese Zeiten sind vorbei. Stiftung Warentest rät inzwischen sogar von Lebensversicherungen für die reine Geldanlage ab. Es gibt aber immer noch Gründe, die für die Versicherung sprechen. Die FR gibt einen Überblick.

Lohnt sich das Geld für Lebensversicherung: Verbraucherzentrale klärt auf

Kapitallebensversicherung: Kapital aufbauen und Angehörige absichern sind die beiden Hauptgründe für den Abschluss einer Kapitallebensversicherung. Deshalb bestehen Kapitallebensversicherungen aus zwei Verträgen: einer Risiko-Lebensversicherung zur Absicherung der Angehörigen und einem Sparplan mit einer langen Laufzeit. Die Auszahlung am Ende der Laufzeit setzt sich aus einer Garantiesumme und einer nicht garantierten Überschussbeteiligung zusammen – abzüglich der Kosten. Die Auszahlung kann als einmalige Summe oder als Rente erfolgen. „Der garantierte Zinssatz für neu abgeschlossene Verträge liegt aktuell bei 0,9 Prozent und gilt für die gesamte Laufzeit des Versicherungsvertrages“, informiert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

„Die Kapitallebensversicherung ist nur noch ganz selten sinnvoll“, erklärt die Verbraucherzentrale und nennt mehrere Gründe: Anders als früher können die Beiträge nicht mehr von der Steuer abgesetzt werden und bei Verträgen, die ab dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden, gibt es am Ende der Laufzeit keine steuerfreie Auszahlung mehr. Hinzu kommen die geringen Gewinnaussichten aufgrund der niedrigen Zinsen.

JahrBestehende Lebensversicherungsverträge in Deutschland
201591,0 Millionen
201689,2 Millionen
201788,0 Millionen
201887,7 Millionen
201987,1 Millionen
Quelle: GDV

Geld für Hinterbliebene: Risiko-Lebensversicherungen besser nicht mit Altersvorsorge koppeln

Hinterbliebenenschutz: Lange Zeit war der Schutz der Angehörigen ein Hauptargument für die Kapitallebensversicherung. Verbraucherschützer:innen empfehlen dafür eine separate Risiko-Lebensversicherung. „Diese ist besonders wichtig für Familien, falls es dort einen Hauptverdiener gibt oder für Familien, die von beiden Gehältern abhängig sind“, sagt Max Schmutzer, Finanzexperte bei Stiftung Warentest. Durch so eine Versicherung erhalte die Familie Geld, wenn der Versicherungsnehmer stirbt. Mit dem Einzelabschluss der Versicherung seien Familien flexibler – „deshalb sollte man sie besser nicht mit der Altersvorsorge verbinden.“

Versteckte Kosten

Die Versicherungen erheben eine ganze Reihe Kosten: Dazu gehören Abschlussprovisionen, Kosten für die Antragsprüfung, Gebühren für die Ausfertigung der Unterlagen, Werbeaufwendungen und Verwaltungskosten. Diese zahlen die Kund:innen über Anteile ihrer Beiträge.

Die Höhe der Kosten variiert zwischen den Unternehmen. Sie stehen in den Unterlagen, zum Beispiel im Produktinformationsblatt. „Zur Not: schriftlich nachfragen“, empfiehlt die Verbraucherzentrale. Ein Provisionsdeckel ist derzeit im politischen Gespräch. (hen)

Die fondsgebundene Lebensversicherung: Bei dieser Variante wird der Sparanteil des Versicherungsbeitrags in einem oder mehreren Investmentfonds angelegt, die die Kundin oder der Kunde oftmals selbst auswählen kann. „Daraus entstehen Chancen, aber auch Risiken“, erklärt der GDV. Es gibt eine Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten bei dieser Variante. „Vor dem Abschluss einer solchen Versicherung sollten die Kunden sich gründlich Gedanken machen“, rät Schmutzer: Wie viel Geld wollen sie in ein risikoreiches Produkt investieren? Wie viel Zeit haben sie, um mögliche Kursverluste auszusitzen? Und wäre ein Fondssparplan bei einer Bank nicht die bessere Variante? Oftmals finden sich auch Mischformen zwischen klassischen und fondsgebundenen Lebensversicherungen, sogenannte Hybridprodukte. Diese haben ein geringeres Risiko, aber auch geringere Ertragschancen.

Keine staatliche Rente: Wie Selbständige für das Alter vorsorgen können

Geförderte Lebensversicherungen: Eine Lebensversicherung kann sinnvoll sein, wenn die Beiträge nicht allein gezahlt werden, wie bei der betrieblichen Altersvorsorge. „Wenn der Arbeitgeber einen größeren Teil zur Sparsumme hinzuschießt, kann das trotzdem attraktiv sein, obwohl die Versicherung an sich keine hohen Zinsen abwirft“, sagt Schmutzer. In solchen Konstellationen lohne sich der Abschluss auch noch im Alter von 40 oder 50 Jahren. Außerdem gibt es Riester-geförderte Rentenversicherungen. „Diese sind für Menschen mit Kindern interessant.“ Der Staat beteiligt sich mit einer Summe für jedes Kind am Sparprozess. Bei Kindern, die 2008 und später geboren wurden, sind es 300 Euro im Jahr.

Absicherung von Selbstständigen: Wer keine staatliche Rente erhält, muss fürs Alter vorsorgen. „Der Vorteil von einer Lebensversicherung, die ich in eine Rente umwandeln lasse, ist, dass sie immer zahlt, auch wenn ich sehr alt werde“, sagt Schmutzer. Wer zur Altersabsicherung lediglich Geld anspare, wisse nicht, für welchen Zeitraum die Summe reichen muss. „Vielleicht rechne ich bis 80 Jahre und werde aber doch 90. Dann habe ich am Ende kein Geld mehr über.“ Eine Rentenversicherung zahlt dagegen monatlich bis zum Todestag.

Versicherungen: Ausstieg oder Vertragswechsel meist nicht zum Vorteil der Kund:innen

Vorzeitige Auflösung des Vertrags: Verträge älteren Datums haben oft hohe Garantiezinsen. Den Versicherern fällt es schwer, diese zu bedienen. Deshalb wurden Kund:innen eine Zeit lang angeschrieben und ihnen wurde vorgeschlagen, ihren Vertrag vorzeitig aufzulösen. „Gern empfehlen sie einen Umstieg von einer alten klassischen Police in eine neue Police“, sagt Schmutzer. Das wisse Stiftung Warentest aus zahlreichen Zuschriften von Verbraucher:innen. Meistens sei ein Ausstieg oder ein Vertragswechsel aber nicht zum Vorteil der Kund:innen. Gerade bei älteren Verträgen sei es meist sinnvoll, bis zum Ende durchzuhalten.

Wer überlegt, aus seinem Vertrag auszusteigen, weil die erwarteten Überschüsse nicht mehr realistisch sind, sollte sich vorher gut informieren. „Kunden, die ihren Vertrag zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen haben, können prüfen, ob sie ihren Vertrag wegen fehlerhafter Widerspruchsbelehrungen rückabwickeln können, wenn sie mit der Verzinsung ihrer Beiträge nicht zufrieden sind“, heißt es bei Stiftung Warentest.

Eine Alternative zur Kündigung ist der Verkauf der Police. Policenhändler werben damit, dass sie mehr zahlen als den Rückkaufswert. Doch auf dem Markt tummeln sich viele dubiose Anbieter, warnt Stiftung Warentest. In einigen Fällen lohne es sich aber aufgrund der geringen Rendite nicht mehr, eine Kapitallebensversicherung fortzuführen. Der Rechner von test.de kann den Kund:innen dabei helfen, die Restlaufzeitrendite ihres Vertrags zu ermitteln. (Mechthild Hennecke)

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