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Milchproduzent Deutsches Milchkontor (DMK).

Neuer Lebensmittelskandal

Verseuchte Milch

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    Daniel Baumann
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Erneut werden Lebensmittel zurückgerufen. Kontrolleure fordern mehr Personal.

Angesichts der jüngsten Probleme mit verseuchten Lebensmitteln fordern die Lebensmittelkontrolleure, endlich das Personal bei den Überwachungsbehörden aufzustocken. „Wir benötigen dringend mehr Personal“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure, Maik Maschke, am Freitag der Frankfurter Rundschau.

Diese Forderung ist keineswegs neu. Bereits 2013 wurde im Zuge des Pferdefleischskandals für die Öffentlichkeit sichtbar, dass die Aufseherinnen und Aufseher chronisch überlastet sind und viele wichtige Aufgaben nicht wahrnehmen können. Seither hat sich am Personalmangel kaum etwas geändert.

„Wir konnten 2018 nur 42 Prozent der notwendigen Kontrollen machen“, sagte Maschke unter Verweis auf einen Bericht des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Grundsätzlich seien die Kontrolleure schon froh, wenn Stellen von Kollegen, die altersbedingt aus dem Dienst ausscheiden, wiederbesetzt würden. Für die Stellenbesetzung sind die Bundesländer zuständig.

Milch: Gefahr von Durchfallerkrankungen

Nach dem Skandal beim hessischen Wursthersteller Wilke wurden am Freitag erneut Lebensmittel zurückgerufen. Diesmal betrifft es die Milch. Wegen der Gefahr von Durchfallerkrankungen nehmen das Deutsche Milchkontor und Fude+Serrahn eines ihrer Produkte vom Markt. Der Rückruf betreffe den Artikel „Frische Fettarme Milch 1,5% Fett“ im Ein-Liter-Pack, der unter verschiedenen Marken unter anderem an Metro, Aldi, Edeka, Rewe, Netto, Real und Lidl geliefert worden sei. Betroffen sind Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdaten zwischen dem 10. und 20. Oktober liegen, wobei sich die genauen Daten je nach Abnehmer unterscheiden.

Bei Routinekontrollen sei „bei einzelnen Artikeln“ eine Belastung mit Aeromonas hydrophila/caviae festgestellt worden, teilten die beiden Unternehmen mit. Dies könne „zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie Durchfall führen“. Die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bremen, Sonja Pannenbecker, warnte vor dem Verzehr der Milch: „Verbraucherinnen und Verbraucher sollten diese auf keinen Fall trinken und können die gekauften Verpackungen im Laden zurückgeben.“

Dreck, Schimmel, feuchte Wände - so wurde die Wurst bei Wilke produziert

Dreck, Schimmel, feuchte Wände - so wurde die Wurst bei Wilke produziert
 © privat/nh
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Dreck, Schimmel, feuchte Wände - so wurde die Wurst bei Wilke produziert
 © privat/nh

DMK-Sprecher Oliver Bartelt warnte vor einer Überbewertung. Für den Verbraucher sei wichtig zu wissen, dass es sich nur um einzelne Chargen handele. Die genaue Menge der betroffenen Milch konnte er zunächst nicht beziffern.

Milch verseucht: „Die Leute sind verängstigt“

Bei der hessischen Lebensmittelüberwachung, die gerade erst eine Hotline wegen der Wilke-Wurstprodukte geschaltet hatte, erkundigten sich Verbraucherinnen und Verbraucher am Freitag auch sofort nach der Milch. „Die Leute sind verängstigt“, berichtete Daniela Weis von der Task-Force Lebensmittelsicherheit beim Regierungspräsidium Darmstadt. Gerade schwangere Frauen sagten: „Ich weiß gar nicht mehr, was ich noch essen soll.“

Lesen Sie auch: Hochgefährliche neue Art von Listerien entdeckt

Der Rückruf der Milch wurde von Nordrhein-Westfalen organisiert, dem Sitzland des Herstellers. Hessen bemühte sich weiter um Aufklärung im Zusammenhang mit Listerien, die in Wilke-Wurst enthalten waren. Das Robert-Koch-Institut in Berlin berichtete der FR am Freitag, ohne den Namen Wilke zu nennen, dass drei Todesfälle auf Listeriose zurückzuführen seien, deren Erreger eine hohe Übereinstimmung mit den Listerien eines großen Wurstherstellers aufwiesen. Die Menschen hätten aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt gestammt. 

mit dpa

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