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Die Mietpreise in Genossenschaftswohnungen liegen häufig unter denen des Mietspiegels.
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Die Mietpreise in Genossenschaftswohnungen liegen häufig unter denen des Mietspiegels.

Genossenschaftswohnungen

Lebenslang günstig mieten

  • VonMechthild Henneke
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Fünf Millionen Menschen leben in Deutschland in Genossenschaftswohnungen. In Zeiten von Wohnungsnot und explodierenden Mietkosten gewinnen die Genossenschaften noch zusätzlich an Bedeutung.

Genossen sind keineswegs nur Menschen mit SPD-Parteibuch. Der weitaus größere Teil von ihnen ist Mitglied einer Genossenschaft. In Deutschland sind das knapp 23 Millionen Menschen. Sie sind Mitglieder von Volks- und Raiffeisenbanken, ländlichen Genossenschaften – oder Wohnungsbaugenossenschaften.

Auf dem Wohnungsmarkt spielen diese eine stille und dennoch bedeutende Rolle: Rund fünf Millionen Menschen leben gegenwärtig in Deutschland in Genossenschaftswohnungen – viele von ihnen seit Generationen. Und in Zeiten von Wohnungsnot und explodierenden Mietkosten gewinnen die Genossenschaften noch zusätzlich an Bedeutung: Ihre Mitglieder können lebenslang zu günstigen Preisen mieten. 

Einen wichtigen Teil des Bestands von Genossenschaftswohnungen stellen Wohnanlagen vom Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts dar. Doch bei den meisten der zurzeit existierenden rund 2000 Genossenschaften wird auch neu gebaut. Rund vier Milliarden Euro investieren Genossenschaften jährlich in Neubau, Instandhaltung und Modernisierung, berichtet die Marketinginitiative der Wohnungsbaugenossenschaften in Deutschland. Die meisten Genossenschaftswohnungen gibt es – prozentual betrachtet – in Leipzig (15,9 Prozent). Es folgen Dresden (14,7 Prozent), Hamburg (14.1 Prozent) und Berlin (11,5 Prozent).

Mitgliedschaft: Um eine Genossenschaftswohnung zu beziehen, muss man Mitglied einer Genossenschaft werden. Dafür muss der Genosse oder die zukünftige Genossin einen oder mehrere Anteile kaufen. Der Preis für sie fällt – je nach Genossenschaft – unterschiedlich aus: von rund 100 Euro bis zu vierstelligen Summen. Außerdem wird meist ein sogenanntes Eintrittsgeld erhoben, das in der Regel zwischen 50 und 100 Euro liegt. Manche Wohnungsbaugenossenschaften verknüpfen die Zahl der zu erwerbenden Anteile mit der Wohnungsgröße – je größer die Wohnung desto mehr Anteile. 

Um Mitglied zu werden, muss man sich häufig persönlich vorstellen. Eine Aufnahme ist aber nicht in jedem Fall möglich. Viele Genossenschaften haben alle verfügbaren Wohnungen vermietet und führen schon Listen von Mitgliedern, die auf eine Wohnung aus dem Bestand warten. Diesen Überhang wollen die Genossenschaften vermeiden. Viele Genossenschaften nehmen deshalb entweder keine neuen Mitglieder auf und nur solche, die sofort eine leerstehende Wohnung beziehen.

Vorteile: Genossen sind Miteigentümer der Wohnungen, sie gelten nicht als klassische Mieter. Viele Genossenschaften sprechen deshalb auch nicht von Miete sondern von „Nutzungsentgelt“. Die Bewohner entsenden Vertreter in eine Vertreterversammlung. Diese tagt mindestens einmal jährlich und wählt die Mitglieder des Aufsichtsrats. Sie nimmt auch den Bericht des Vorstands und des Aufsichtsrats entgegen. 

Lebenslanges Wohnrecht: Genossen genießen lebenslanges Wohnrecht in ihren Wohnungen. Ihnen droht weder eine Eigenbedarfskündigung noch der Verkauf ihres Hauses. Sollte die angemietete Wohnung zu klein werden, weil ein Paar zum Beispiel Kinder bekommt – oder möchte jemand aus einer größeren in eine kleinere Wohnung umziehen, besteht die Möglichkeit des Wohnungstauschs. Genossenschaften versuchen, ihren Mitgliedern eine andere Wohnung aus dem Bestand zu vermitteln. 

Nicht möglich ist es aber, einer Genossenschaft beizutreten und die Wohnung fremd zu vermieten. Genossenschaften verfolgen den Gedanken der Selbsthilfe. Als Anlageobjekte eignen sich die Wohnungen nicht. Eltern können aber als Bevollmächtigte Genossenschaftsanteile für Kinder erwerben. Die Anteile können auch vererbt werden – an Verwandte oder andere Personen.

Mietpreise: Die Mietpreise in Genossenschaftswohnungen liegen häufig unter denen des Mietspiegels. Laut der Marketinginitiative Wohnungsgenossenschaft beträgt die Kaltmiete in Genossenschaftswohnungen im Bundesdurchschnitt 5,27 Euro, während sie allgemein bei 7,69 Euro liegt (Stand: Herbst 2017).

Soziale Angebote: Viele Genossenschaften machen ihren Mitgliedern übers Wohnen hinaus soziale Angebote. Sie bieten Hilfe für ältere Mitbewohner an, zum Beispiel Concierge-Dienstleistungen. Die Concierges erledigen Einkäufe oder helfen bei Behördengängen. Auch Seniorentreffs gehören häufig zum Angebot. Manche Genossenschaften bieten Ferienreisen für Kinder an. 

Sparen: Manche Genossenschaften bieten auch Spareinrichtungen an. Klassische Sparkonten, Festzinssparen oder Ratensparverträge verschaffen den Baugenossenschaften billiges Geld, mit dem sie den Bestand erhalten oder neue Wohnungen bauen können. Die Genossen haben im Gegenzug meist eine sichere Geldanlage und einen guten Zinssatz.

Darüberhinaus ist bereits der Genossenschaftsanteil eine Geldanlage. Die meisten Wohnungsbaugenossenschaften wirtschaften erfolgreich und zahlen ihren Genossen rund vier Prozent Dividende jährlich. Verlässt man die Wohnungsgenossenschaft erhält man seine Anteile zurück.

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