Crowdsourcing

Laxe Regeln für Schwarminvestments

  • Wolf Brandes
    vonWolf Brandes
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Unternehmen, die Geld über Online-Plattformen einsammeln, unterliegen weniger strengen Informationspflichten. Wer überlegt, mittels einer Crowdsourcing-Plattform in eine Firma zu investieren, geht deshalb höhere Risiken ein.

Wer von einer Bank Geld will, muss meist die Hosen runterlassen. Aus gutem Grund: Die Bank will das Geld wiedersehen und obendrein Zinsen bekommen. Ohne umfassende Informationen geht deshalb nichts. Auch bei Investments in Fonds gibt es umfassende Informationen. Ein Verkaufsprospekt ist zwar schwere Kost, aber informiert weitgehend.

Nun soll es neue Regeln für die Vermittlung von Krediten und Investitionen geben. Es geht um Darlehen, die im Internet vermittelt werden – Crowdinvesting genannt. Im geplanten Kleinanlegerschutzgesetz heißt das Schwarmfinanzierung, was das Thema auch nicht klar definiert.

Praktisch sind Crowdinvestment-Plattformen – also die Kreditvermittler – am ehesten wie ein Ebay für Geldanlagen zu verstehen. Es wird zwar nichts versteigert, aber die Betreiber vermitteln Beteiligungen zwischen Unternehmen und Investoren. Ein gewerbliches Geschäft mit teils erheblichen Provisionen. Meist ist die Rede davon, dass junge und innovative Firmen mit Geld versorgt werden sollen, die wohl bei Banken nichts kriegen.

Die Plattformen sind in mancher Hinsicht aufgemacht wie Ebay. Es gibt Hinweise wie „5 Tage, 3 Stunden, 51 Minuten und 5 Sekunden“ bis zum nächsten Investment. Suggeriert wird: Wer jetzt nicht zuschlägt, ist nicht dabei. Mit vernünftiger Geldanlage hat das nichts zu tun.

Die Angebote sind kunterbunt: Von Darlehen für Buden, die Kräutermischungen herstellen wollen, bis hin zu Firmen, die E-Bikes vertreiben möchten, ist alles dabei. Kraut und Rüben. Das sagt nichts über die Qualität. Nur: Beim Gemüse ist eher als beim Nachrangdarlehen ohne Prospekt zu erkennen, ob es taugt. Bei der Schwarmfinanzierung trägt der Investor meist ein höheres Risiko als eine Bank mit einem herkömmlichen Darlehen. Das Geld kann komplett verloren gehen. Ein Prospekt würde helfen, solche Risiken zu erkennen.

Die gute Nachricht: Grundsätzlich sind bei Crowdinvestments nur Anlagen unter 1000 Euro von der Prospektpflicht ausgenommen. So sieht es das neue Kleinanlegerschutzgesetz wohl vor. Wer 1000 Euro in einem Kräuterladen versenkt, der ruiniert damit nicht seine Altersvorsorge. Viele „Investoren“ sind ohnehin nur mit Beträgen von 50 oder 100 Euro unterwegs. Das hat mehr mit einem digitalen Klingelbeutel zu tun – man könnte das Geld gleich verschenken. Dann hieße das Crowdfunding, zu Deutsch: „Schwarmspende“.

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