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Seit Frühjahr 2018 kann man die Räder an 40 Stationen im Kölner Stadtgebiet leihen.

Lastenräder

Lastenräder: Sechs Getränkekisten oder zwei Kinder transportieren

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Der Kölner Lastenfahrrad-Verleih „Donk-EE“ ist ausgezeichnet worden. Für viele Nutzer ersetzen Cargo-Bikes das Auto in der Stadt.

Sie sind flink, brauchen wenig Platz auf der Straße und sind umweltfreundlich, wenn sie mit reiner Muskelkraft oder Ökostrom betrieben werden: Lastenfahrräder, auf neudeutsch Cargo-Bikes genannt. Bis zu einem Fünftel des innerstädtischen Warenverkehrs könnten laut Bundesverkehrsministerium in Zukunft damit bewältigt werden. Doch das ist noch Zukunftsmusik. Ein Modell zur Popularisierung des Velo-Transports ist das Kölner E-Lastenrad-Sharing-System „Donk-EE“, das jetzt im Rahmen des Bundespreises Ecodesign ausgezeichnet wurde.

Die Räder haben eine geräumige Transportkiste vorne und einen E-Motor hinten, die Batterie sitzt in der Mitte. Das Logo des Unternehmens, ein grüner Esel, prangt auf der weißen Box, in der man zum Beispiel sechs Getränkekisten unterbringen kann – oder zwei Kinder. Die Gesamt-Zuladung beträgt 100 Kilogramm.

Donk-EE sei eine „signifikante Verbesserung der bestehenden Lastenrad- und E-Bike-Verleihsysteme“, begründete Günter Horntrich, Jurymitglied beim Bundespreis und emeritierter Professor für Design und Ökologie, die Auszeichnung. Die in Deutschland gefertigten Räder seien hochwertig und stellten durchaus eine Alternative zum eigenen Auto in der Stadt dar – durch ihren hohen Nutzungsgrad, die Aufladung mit Ökostrom und den Buchungsservice via App. Es handele sich um ein „sehr gutes Beispiel für das Prinzip ‚Nutzen statt Besitzen’“, sagte er. Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt loben den Designpreis seit 2012 jährlich aus. Damit werden Produkte, Dienstleistungen und Konzepte prämiert, die dazu beitragen, das Leben ihrer Nutzer ökologisch zu gestalten.

Das Kölner Unternehmen „Green Moves Rheinland“ bezeichnet sein Donk-EE als europaweit größtes Sharing-System für Elektro-Lastenräder in einer Stadt. Die Velos stehen seit Frühjahr 2018 an 40 Stationen in der Stadt zur Ausleihe bereit, sie haben vollgeladen eine Reichweite von 75 Kilometern. Eine Umfrage unter den Nutzern ergab, dass in Köln jede dritte Ausleihe eine Autofahrt ersetzt hat. Das Angebot bringe „die Verkehrswende in die Stadt“, sagte Oliver Hummel, Geschäftsführer des Unternehmens, das eine Tochter des Öko-Energieversorgers Naturstrom ist.

Andere Anbieter zeigen, dass Cargo-Bikes in Innenstadtbereichen sogar Kleintransporter im Dauerbetrieb ersetzen können. So liefert der Paketdienst UPS innerhalb der Münchner Umweltzone inzwischen zwei Drittel seiner Sendungen per Lastenfahrrad aus. Auch der Autokonzern VW will in diesem Geschäft mitmischen. Er hat ein Cargobike entwickelt, das helfen soll, „die urbane Mobilität zu verändern und die Emissionen dabei signifikant zu reduzieren“, so der Projektleiter Thomas Ludewig bei VW Nutzfahrzeuge.

Es sei „erstaunlich, wie stark die Branche wächst“, kommentiert Logistik-Professor Ralf Bogdanski aus Nürnberg. Die Firmen kämen fast wie Pilze aus dem Boden, „und das ist sehr, sehr positiv“. Es fehlten in den Städten allerdings noch Lagerflächen, um Pakete vom LKW auf das Lasten-Velo umladen zu können, außerdem breitere Radwege, damit normale Radfahrer und Lastenfahrer sich nicht in die Quere kommen.

In den anderen Kategorien des Ecodesign-Preises wurden weitere elf Produkte und Konzepte ausgezeichnet, darunter ein voll recycelbares Wärmedämm-Verbundsystem, ein Komposter für Stadtwohnungen und das Schiff „SeeElefant“, das Kunststoffmüll aus dem Meer aufnimmt und ihn sortenrein zur Weiterverarbeitung trennt.

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