Schick und sehr teuer: Ein Lamborghini Sian. Foto: Imago Images
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Schick und sehr teuer: Ein Lamborghini Sian. Foto: Imago Images

Betrug in Coronazeiten

Lamborghini auf Staatskosten

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    vonThomas Magenheim-Hörmann
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Kriminelle entdecken die Corona-Krise als Chance für sich.

Während viele Firmen hierzulande schwer mit der Pandemie zu kämpfen haben, entdecken Kriminelle sie als neues Geschäftsmodell. „Täter haben neue Betrugsmaschen in der realen und analogen Welt entwickelt, um Geld zu ergaunern“, sagt Bayerns CSU-Justizminister Georg Eisenreich zum kriminellen Geschehen der vergangenen Monate. Sie dürften bundesweit recht einheitlich sein und reichen von Betrug mit Corona-Soforthilfe über Fakeshops im Internet, die angeblich Schutzmasken oder Desinfektionsmittel anbieten, bis zu „falschen“ Mitarbeitern von Gesundheitsämtern, die sich Zugang zu Wohnungen erschleichen. Per Email wird auch gedroht Familienmitglieder mit dem Coronavirus anzustecken, um Geld zu erpressen. Insgesamt 771 Corona-Verfahren laufen derzeit allein in Bayern.

Das spricht für einige Dynamik. Anfang Mai hatten Recherchen von NDR und WDR ergeben, dass bundesweit rund 530 Ermittlungsverfahren wegen Corona-Kriminalität laufen. Einen Monat später ist allein Bayern deutlich über diese Dimension hinaus. Die Täter machen vor Landesgrenzen auch keinen Halt.

So sitzt in München ein 30-jähriger in Untersuchungshaft, der dutzende Corona-Soforthilfeanträge in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und vermutlich weiteren Bundesländern über eine insgesamt zweistellige Millionensumme gestellt hat. „Das ist der krasseste Fall, den wir kennen“, sagt Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl. Beim Verdächtigen, der mit falschen Identitäten sowie sechs Bankkonten operiert habe und letztlich in Niedersachsen verhaftet wurde, handle es sich um einen mehrfach vorbestraften Berufskriminellen. In seiner Wohnung seien stapelweise Corona-Selbsthilfeanträge und Handelsregisterauszüge sichergestellt worden.

Auch erfolglose Unternehmer springen aber gesetzeswidrig auf den Corona-Zug auf. So gibt es Fälle, wo für schon 2019 in Insolvenz gegangene Firmen staatliche Corona-Hilfen beantragt wurden. Die Münchner Staatsanwaltschaft, die Corona-Delikte mittlerweile in Fallgruppen gliedert, nennt diese Tätergruppe die Mitnehmer. „20 000 Euro Soforthilfe sind sofort nach Eingang für einen geleasten Lamborghini verwendet worden“, schildert Bäumler-Hösl ein Beispiel. Andere Fälle, in denen erschwindelte Corona-Soforthilfe auf virtuellen Konten in Gibraltar verschwunden sind, deuten auf organisierte Kriminalität.

Klassische Betrüger wiederum würden vorgaukeln, nicht existierende Schutzausrüstung gegen Vorkasse liefern zu können, erklärt die Ermittlerin. Wenn dabei Ärzte oder Apotheker zu Opfern werden, gehen die Schadenssummen in Dimensionen von bis zu 240 000 Euro. Per Internet bieten Fakeshops, die es gar nicht gibt, auf Ebene von Endkunden Schutzmasken oder Desinfektionsmittel an, die nach Bezahlung nicht geliefert werden. Über solche Online-Kontakte kämen Fakeshop-Betreiber bisweilen auch an Kreditkarten- oder Kontoinformationen, die sie dann für weitere Betrügereien ausnutzen.

Zudem würden bekannte Betrugsmaschen an die Coronazeit angepasst, erklärt Bäumler-Hösl. Statt „falschen“ Polizisten erschleichen sich dann „falsche“ Mitarbeiter von Gesundheitsämtern mit dem Vorwand Coronatests durchzuführen immer wieder Zutritt zu Wohnungen. Andere Täter würden behaupten, dass ein Angehöriger mit dem Coronavirus infiziert sei und dringend Geld für seine Behandlung benötige.

Trotz der Vielzahl der Fälle ist die bislang ermittelte Schadenssumme zumindest in Bayern mit 1,7 Millionen Euro relativ gering. Auch aus anderen Bundesländern wurden schon Millionenschäden durch Corona-Straftaten gemeldet. In Bayern wurden solche im Umfang weiterer 2,2 Millionen Euro im Vorfeld verhindert, ohne dass ein Schaden entstanden sei, betont Eisenreich. „Die Justiz ist auch im Homeoffice aktiv, es gibt keine goldenen Zeiten für Straftäter“, versichert der leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft München 1, Hans Kornprobst.

Auch die Drogenkriminalität habe sich der Lage angepasst. Weil wegen Ausgangsbeschränkungen der Straßenverkauf nicht mehr lief, hätten Dealer auf Versand per Post umgestellt.

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