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Solidarität zwischen den Werken: Opel-Beschäftigte aus Kaiserslautern protestieren in Eisenach.

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Lärm bei Opel ist einkalkuliert

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Eigentümer des Autobauers erwartet keine rasche Lösung im Streit mit der Belegschaft.

Carlos Tavares hat Erfahrung beim Sanieren. „Seien Sie nicht überrascht, das wird noch etwas Lärm machen“, sagte der PSA-Chef am Dienstag in Rueil-Malmaison. In dem Ort in der Nähe von Paris hatten sich die Aktionäre des französischen Autobauers versammelt, darunter die Peugeot-Familie, der chinesische Partner Dongfeng und die französische Regierung, die alle je 12,9 Prozent der Anteile halten. 

Gemeint hat Tavares die sich hinziehenden Verhandlungen mit Opel. Sie würden noch „einige Wochen“ dauern, meinte der von Renault gekommene portugiesischstämmige Konzernchef, der bei PSA – Peugeot, Citroën, DS – schon tausende von Jobs abgebaut hat. „Seien Sie nicht erstaunt“, fügte er an. „Das ist Teil dessen, was man machen muss, um dieses Unternehmen wieder auf die Schienen zu bringen.“ Was er mit „das“ meinte, brauchte er gar nicht erst zu sagen: Konflikte, Spannungen, harte Gespräche, Gewerkschaftsproteste, schmerzvolle Ankündigungen in einzelnen Werken. 

Tavares beruhigt PSA-Anteilseigner

Aber Tavares beruhigte die Anteilseigner von PSA: In Großbritannien, Polen, Spanien, Ungarn und Österreich habe er auch schon Vereinbarungen mit den Sozialpartnern erzielt. In den meisten Fällen waren damit Lohnsenkungen verbunden. Das sagte Tavares allerdings nicht laut.

Auf der Aktionärsversammlung war eher von einer Lohnerhöhung die Rede – für Tavares. Für die Übernahme von Opel erhält er rückwirkend eine Prämie von einer Million Euro. Seine Gesamteinkünfte für das Jahr belaufen sich damit auf 6,7 Millionen Euro. Der Vertreter der französischen Gewerkschaft CGT, Julien Wostyn, erklärte außerhalb der Aktionärsversammlung, Tavares verdiene damit rund 18.000 Euro pro Tag. Etwa gleich viel beziehe zum Beispiel ein Arbeiter im PSA-Werk Mülhausen – in einem ganzen Jahr. „Und all das, damit er Opel saniert. Das ist eine richtige Abwrackprämie. Wir waren in den Fabriken noch nie so wenig zahlreich, und wir haben noch nie so viel gearbeitet wie heute.“

Mit den Arbeitern in Deutschland ist die CGT solidarisch. Aber am Tag der Aktionärsversammlung verhallten ihre Stellungnahmen ungehört. Tavares freute sich, dass der Konzernumsatz von PSA dank der Übernahme von Opel um 4,8 auf nun 18,2 Milliarden gestiegen sei. Er zeigte sich stolz, dass PSA im ersten Quartal – auch dank Opel – 1,05 Millionen Fahrzeuge abgesetzt habe und bis Ende Jahr erstmals die Schwelle von vier Millionen verkauften Autos knacken könnte. 

Opel-Verkäufe weiter rückläufig

Bei der deutschen Marke sind die Verkäufe allerdings weiter rückläufig: In den ersten drei Monaten dieses Jahres verkauften Opel und Vauxhall 275.000 Autos, 40.000 weniger als vor Jahresfrist unter dem damaligen Besitzer General Motors (315.000). Zudem warten bei den Händlern und den Herstellern 219.000 Autos der deutschen und britischen Marken auf Käufer. Tavares meinte, dass die Fixkosten bei Opel schon um 17 Prozent gesunken seien. Insofern sei er von der Übernahme „überhaupt nicht enttäuscht“.

Enttäuscht und frustriert sind hingegen die Opel-Beschäftigten. Sie haben am Dienstag gegen die Pläne ihres neuen Eigentümers protestiert. Thüringes Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) nahmen am Nachmittag in Eisenach an einem Protestmarsch mit 1400 Opelanern teil, wie ein IG-Metall-Sprecher sagte. Sie forderten, dass PSA ausreichend in das Eisenacher Werk investiert, um die Arbeitsplätze zu erhalten.

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