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Wollen den Ruf ihres Hauses verbessern: Die Chefs der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen (l.) und Anshu Jain.
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Wollen den Ruf ihres Hauses verbessern: Die Chefs der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen (l.) und Anshu Jain.

Deutsche Bank

Lächeln, beteuern, schwören

  • Nina Luttmer
    VonNina Luttmer
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Die Chefs der Deutschen Bank versuchen verzweifelt, den Anlegern den Kulturwandel des Instituts zu verkaufen. Man setzte sich intensiv mit Wertefragen auseinander und lasse die Finger von anrüchigen Geschäften, beteuert Jürgen Fitschen.

Der Hype ist wieder einmal groß. Schon um halb zehn drängeln sich gut drei Dutzend Fotografen und Kameramänner um das leere Podium – jeder will den besten Platz für eine gute Aufnahme haben. Weitere rund 100 Journalisten suchen nach Plätzen im Raum, in dem auf Flachbildschirmen Werbung für die größte deutsche Bank läuft. Um punkt zehn treten die beiden Vorstandschefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, auf das Podest und lächeln wie Promis auf dem roten Teppich ins Blitzlichtgewitter.

Die Bilanz-Pressekonferenz der Deutschen Bank in Frankfurt ist jedes Jahr ein großes Spektakel. Normalerweise findet sie im riesigen Hermann-Josef-Abs-Saal statt, der der Veranstaltung einen noch pompöseren Anstrich gibt. Doch der Saal wird renoviert, dieses Jahr hat die Bank in kleinere Räumlichkeiten in ihrer Zentrale geladen.

Ihre Zahlen für das Jahr 2013 hatte das Institut überraschend schon vergangene Woche bekannt gegeben. Am Mittwoch interessieren sie die Journalisten daher nur noch am Rande. Vielmehr beobachten die Reporter mit Argusaugen, wie der siebenköpfige Vorstand auf dem Podium rüberkommt. Wie ist die Stimmung im Führungsgremium? Und vor allem: Wie fest sitzt Anshu Jain noch im Chefsattel?

Seit Monaten in den Negativschlagzeilen

Seit Monaten kommt das Institut nicht aus den Negativschlagzeilen. Zins- und Devisenmanipulationen, Hypothekenbetrug – die Liste der bewiesenen oder von der Aufsicht untersuchten Vergehen ist lang, die Bank hat schon mehrere Milliardenstrafen gezahlt, weitere Verfahren und Bußgeld werden in diesem Jahr vermutlich folgen. Die meisten der zweifelhaften Geschäfte wurden im Investmentbanking getätigt, das Jain bis Mitte 2012 leitete. Und doch führt er weiterhin gemeinsam mit Fitschen die Bank.

Ob er nicht Verantwortung übernehmen müsse für das, was in seinem Bereich passiert sei, fragt ein Journalist. „Ich übernehme die volle Verantwortung“, entgegnet Jain, wie immer auf Englisch. Nur wie er persönliche Konsequenzen zieht, das verrät er nicht. Statt dessen erklärt er, dass nicht nur im Investmentbanking der Deutschen Bank Fehler gemacht worden seien, sondern in allen Geldhäusern.

Wer das Investmentbanking erfolgreich führen wolle, brauche erfahrene Leute wie ihn. Und diese Leuten arbeiteten nun einmal fast alle in Banken, die ähnliche Exzesse im Investmentbanking erlebt hätten. Quintessenz seiner Aussagen ist also, dass die Bank – verzichtet sie auf ihn – eben jemanden anderen nehmen muss, der nicht weniger belastet ist. Werbung in eigener Sache sieht anders aus.

Auch auf die Frage, ob er der richtige Mann sei, um den von der Bank ausgelobten Kulturwandel – weg vom alleinigen Ziel der Gewinnmaximierung, hin zu einem verantwortungsvolleren Geschäftsgebaren – umzusetzen, reagiert Jain selbstbewusst: „Es gibt in der Wahrnehmung der Kunden und Mitarbeiter keinen Zweifel daran, dass ich die richtige Person dafür bin. Ich habe mich mit Leib und Seele dem Kulturwandel verschrieben.“

Die Details zu diesem Kulturwandel trägt aber Fitschen vor, Jain ist mehr für die harten Fakten, die Zahlen, zuständig. „Wir sind uns bewusst. dass wir eine Bringschuld haben“, so Fitschen. „Einige sagen, dass wir uns nur ein Mäntelchen umhängen, darunter aber dieselben Kleider tragen.“ Das stimme nicht. Er erklärt, dass die Mitarbeiter an „Kulturworkshops“ teilnähmen und Wertefragen in der ganzen Bank diskutiert würden; er versichert, dass moralisch fragwürdige Geschäfte anders als früher nicht mehr getätigt würden; er schwört, dass die Bank sich besser um ihre Kunden kümmere; dass sie Vergütungssysteme verbessert und Kontrollen verschärft habe. „So werden wir verhindern können, dass sich ähnliches wiederholt wie wir das erlebt haben.“

Vieles, was Fitschen und Jain sagen, kann als Kritik an ihrem Vorgänger Josef Ackermann und dessem zweifelhaften Vermächtnis aufgefasst werden. Etwa wenn sie sagen, dass es eine Silomentalität in der Bank gab – jeder Bereich also nur an sich selbst dachte. Oder wenn sie erklären, dass die Bank zu groß gewesen sei, sich zu wenig um ihre Kunden geschert und in vielen Bereichen zudem ineffizient gearbeitet habe.

Insgesamt zweieinhalb Stunden stellen sich die Vorstände den Fragen der Journalisten. Einige Manager gesellen sich danach zu ihnen ans Buffet. Auch Anshu Jain. Das muss man ihm lassen: Ein Feigling ist er definitiv nicht. Anders als andere Manager, die in der Kritik stehen, meidet er Reporter nicht. Doch irgendwann hat auch er genug, schnappt sich seinen kleinen schwarzen Rucksack, den er stets dabei hat, und verschwindet – diesmal ganz ohne Blitzlichtgewitter.

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