Skandalbanker

Kweku Adoboli darf bleiben

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Ein britisches Gericht verhindert vorerst die Abschiebung des früheren UBS-Traders.

Der Kampf des früheren UBS-Traders Kweku Adoboli um seinen Verbleib in Großbritannien dauert an. In letzter Minute verhinderte am Montag das Londoner Oberverwaltungsgericht Upper Tribunals die Abschiebung des Ex-Bankers in sein Geburtsland Ghana. Einzelrichterin Nadine Finch erließ eine einstweilige Verfügung und ordnete eine Überprüfung des Falles durch das Innenministerium an. Da diese im Normalfall mehrere Monate dauert, dürfte der 38-Jährige Weihnachten auf der Insel feiern.

Im Kern geht es bei der Neu-Verhandlung um das Interesse der Öffentlichkeit an einem Mann, der als einer von ganz wenigen Bankern am Finanzzentrum City of London gerichtlich für Unregelmäßigkeiten im Dunstkreis des globalen Finanzcrashs verantwortlich gemacht wurde. Das Innenministerium wollte Adoboli am Dienstag nach Ghana ausfliegen. „Die Öffentlichkeit erwartet robustes Handeln gegen Ausländer, die unsere Gastfreundschaft missbrauchen“, argumentiert Innen-Staatssekretärin Caroline Nokes.

Adoboli ist Sohn eines früheren UN-Diplomaten und hat Ghana als Vierjähriger verlassen. Seit seinem 13. Lebensjahr wohnt er auf der Insel, absolvierte dort Schule und Universität, ehe er bei der Investmentbank der Schweizer UBS in London anheuerte. Den ihm zustehenden britischen Pass hat er nie beantragt. 2011 verursachte der Trader am Desk für börsennotierte Aktienbündel (ETFs) einen Verlust von 2,3 Milliarden Dollar und wurde wegen Missbrauchs seiner Vertrauensposition zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Dem britischen Gesetz zufolge erfordert das öffentliche Interesse die Abschiebung jeglicher Ausländer, die zu mehr als vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt werden. Als einzige Ausnahme werden „sehr überzeugende“ (very compelling) Umstände genannt. Genau diese seien in Adobolis Fall gegeben, argumentieren 132 Parlamentarier, darunter die früheren Labour-Vorsitzenden Harriet Harman und Edward Miliband: Adoboli habe seine Strafe verbüßt und vermittle durch seine Arbeit als Bankenkritiker wichtige Einblicke in gesellschaftlich schädliche Vorgänge in der Finanzindustrie. Deshalb liege sein Verbleib in dem Land, in dem er seit 26 Jahren mit großem Freundeskreis und schottischer Partnerin verwurzelt ist, im öffentlichen Interesse.

Adobolis lokale Abgeordnete Hannah Bardell von der schottischen Nationalpartei SNP hat im Unterhaus eine überparteiliche Koalition um sich geschart und beschuldigt Innenminister Sajid Javid eines „groben Verstoßes gegen ein faires Verfahren“. Adobolis Anwältin Jacqueline McKenzie verknüpft den Fall ihres Mandanten ausdrücklich mit der Politik einer „feindseligen Umgebung“, mit der die konservative Regierung unter Premierministerin Theresa May gegen Immigranten vorgeht. Javids Vorgängerin Amber Rudd stolperte über Details der sogenannten Windrush-Affäre: In den vergangenen Jahren zwang das Innenministerium unbescholtene Menschen mit Wurzeln in den früheren britischen Kolonien, aber Anspruch auf britische Staatsangehörigkeit zur Ausreise, weil sie keine ordnungsgemäßen Papiere vorweisen konnten.

Im Strafprozess gegen Adoboli wurde zweifelsfrei festgestellt: Zu keinem Zeitpunkt hatte der „rogue trader“ Geld in die eigene Tasche gewirtschaftet. Kollegen und Vorgesetzte stellten ihn als Einzeltäter dar. Hingegen sprachen die Aufsichtsbehörden FSA in England sowie die Schweizer Finanzaufsicht von „schwerwiegenden Mängeln“, „mangelhafter Überwachung“ und „unklaren Verantwortlichkeiten“ in der UBS-Abteilung Global Synthetic Equities (GSE), die für Adobolis Handelsraum zuständig war.

Seit seiner vorzeitigen Entlassung wegen guter Führung vor gut drei Jahren warnt Adoboli in Vorträgen und auf Seminaren vor Missständen in der Finanzbranche, die eine Wiederholung des globalen Crashs vor zehn Jahren möglich erscheinen lassen.

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