+
Die Experten erwarten in Mietshäusern mit Gaszentralheizungen ein Plus von fünf Prozent, bei der Fernwärme sechs Prozent mehr und bei Immobilien mit Wärmepumpen einen Aufschlag von durchschnittlich drei Prozent.

Heizkosten steigen

Kuschelig warm hat seinen Preis

  • schließen

Für 2019 müssen viele Verbraucher höhere Heizkosten einkalkulieren. Entspannung ist allerdings in Sicht.

Mieter müssen sich noch etwas gedulden, bis es gute Nachrichten gibt. Für die Heizsaison 2020/2021 sieht es bei den Kosten für kuschelige Wärme in der Wohnung und für warmes Wasser günstig aus. Für 2019 muss noch einmal vielfach mit Aufschlägen gerechnet werden. Sie werden sich vermutlich zwischen drei und sechs Prozent bewegen. Das geht aus dem Heizspiegel hervor, den die gemeinnützige Beratungsgesellschaft CO2online am Mittwoch vorgelegt hat. Hauptgrund dafür sind schlicht die in diesem Kalenderjahr etwas niedrigeren Temperaturen im Vergleich zum Hitzerekordjahr 2018.

Die Autoren gehen davon aus, dass die Kosten in Häusern, wo im Keller eine Ölheizung wummert, einigermaßen stabil sein werden. Sofern sich in den letzten zwei Monaten des Jahres nichts Dramatisches mehr bei den Rohölpreisen tut und es keine gravierenden Kälteeinbrüche gibt. Dieses Jahr lagen die Notierungen für Heizöl bislang deutlich niedriger als 2018, das kann den höheren Wärmebedarf kompensieren. Die Experten erwarten aber in Mietshäusern mit Gaszentralheizungen ein Plus von fünf Prozent, bei der Fernwärme sechs Prozent mehr und bei Immobilien mit Wärmepumpen einen Aufschlag von durchschnittlich drei Prozent. Die verschiedenen Werte haben mit der unterschiedlichen Effizienz der Heizungen zu tun.

Besonders vertrackt ist die Preisentwicklung beim Erdgas, dem wichtigsten Brennstoff für die Wärmeerzeugung. Nachdem er Ende vorigen Jahres und Anfang dieses Jahres extrem teuer war, brachen die Notierungen im späten Frühjahr und im Sommer ein. Sie lagen zum Teil um gut ein Drittel unter den Werten von Januar. Nach den Daten des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle lag der durchschnittliche Großhandelspreis für importiertes Gas für die ersten acht Monate um rund acht Prozent niedriger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres – vor allem randvolle Gasspeicher haben die Preise gedrückt.

Diese Entwicklung hat sich seither zwar fortgesetzt. Aber das schlägt aktuell noch nicht bei den privaten Haushalten durch. Dabei kommt zum Tragen, dass die Gaspreise während der Heizperiode zu Beginn des Jahres (Januar bis April) noch hoch waren. Aber auch die Beschaffungsstrategien der Versorgungsunternehmen spielen eine Rolle. Es handelt sich um eine Mischung aus länger- und kurzfristigeren Lieferkontrakten. Dadurch entstehen Verzögerungseffekte.

So ist denn auch für Valerian Vogel vom Vergleichsportal Verivox klar: „Das Preisniveau in dieser Heizperiode wird hoch bleiben“. Bisher seien keine Preisänderungen bei Gasgrundversorgern bekannt. Sie haben bis Mitte November Zeit neue Tarife zum neuen Jahr bekannt zu geben. Vogel wundert das nicht: „Unserer Erfahrung nach dauert es über ein Jahr, bis sich gesunkene Großhandelspreise deutlich auf das Preisniveau für private Verbraucher auswirken.“ Günstigere Konditionen fürs Erdgas seien frühestens für die nächste Heizperiode 2020/2021 zu erwarten.

Wie sich die Lage in den nächsten anderthalb Jahren bei Heizöl entwickeln wird, ist indes nur sehr schwer vorhersehbar. Geopolitik und globale konjunkturelle Entwicklungen spielen eine Rolle. Die Internationale Energieagentur erwartet für 2020 aber eher ein Überangebot, was die Notierungen drücken würde.

Sicher ist hingegen, dass Wärmepumpen sowohl bei den Kosten als auch beim CO2-Ausstoß vielfach die günstigste Variante sind: Laut Heizspiegel fielen 2018 bei dieser Wärmequelle für eine 70 Quadratmeter große Standardwohnung durchschnittlich 685 Euro Heizkosten an. In einem Haus mit Erdgas-Zentralheizung waren es 700 Euro. 845 Euro mussten Mieter zahlen, wenn die Wärme von einer Ölheizung erzeugt wurde. Dabei entstehen knapp 320 Gramm CO2 pro Kilowattstunde – das ist fast doppelt so viel wie bei Wärmepumpen.

Diese werden mit elektrischer Energie betrieben und mittlerweile in jedem vierten Neubau installiert. Effiziente Geräte können eine Kilowattstunde Strom in 3,5 Kilowattstunden Wärme umwandeln. Allerdings sind sie in der Anschaffung erheblich teurer als Gasbrenner.

Bei all diesen Werten muss bedacht werden, dass die absoluten Kosten je nach Gebäude weit auseinander liegen können. Der wichtigste Faktor dabei ist das, was Tanja Loitz von CO2online den „Sanierungsstand des Hauses“ nennt. Gemeint ist, ob Fassaden und Dächer gedämmt, Fenster mehrfach verglast sind. „In einem energetisch schlechten Haus sind die Heizkosten im Schnitt mehr als doppelt so hoch wie in einem energetisch guten Haus“, so Loitz. Bei den CO2-Emissionen sind die Unterschiede häufig sogar noch größer. Sie können pro Jahr nach Berechnungen von CO2online für die 70-Quadratmeter-Wohnung die Menge an Kohlendioxid ausmachen, die 200 Bäume absorbieren.

Doch was können Mieter tun? Lukas Siebenkotten, Präsident des Mieterbundes, empfiehlt durch cleveres Heizen das eigene Sparpotenzial zu nutzen. Mit einem kostenlosen Heizkostenrechner auf www.heizspiegel.de können Mieter und Eigentümer herausfinden, wie jede einzelne Wohnung und wie das gesamte Haus bei Heizkosten und Energieverbrauch abschneidet. Dort gibt es viele Tipps zum Senken der Ausgaben für die Raumwärme und für heißes Wasser. Der Heizkostenspiegel wird im Auftrag des Bundesumweltministeriums und in Kooperation mit dem Mieterbund und dem Verband kommunaler Unternehmen erstellt.

Energiebilanz

Der Energieverbrauch in Deutschland wird in diesem Jahr nach vorläufigen Berechnungen um rund zwei Prozent auf 437 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten zurückgehen. Da der Verbrauch von Kohlen in den ersten neun Monaten besonders stark rückläufig war, sei auch von einem merklichen Rückgang der CO2-Emissionen auszugehen, teilte die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen in Berlin mit.

Ursache für die Entwicklung seien eine höhere Energieeffizienz, Veränderungen im Energiemix und konjunkturell bedingte Rückgänge in besonders energieintensiven Industriezweigen. Andere Einflüsse steigerten den Verbrauch, zum Beispiel kühleres Wetter, eine größere Bevölkerung und eine höhere Wirtschaftsleistung. Ohne Einfluss der Witterung hätte der Verbrauchsrückgang sogar drei Prozent betragen.

Besonders stark rückläufig waren in den ersten neun Monaten der Verbrauch von Steinkohle mit minus 18,4 Prozent und von Braunkohle mit minus 21,7 Prozent. Im Gegenzug legten die erneuerbaren Energien um vier Prozent zu, auch wegen vieler windreicher Tage. Der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten deutschen Energieverbrauch erhöhte sich damit von 13,9 auf 14,8 Prozent.

Die beiden wichtigsten Energieträger Öl und Gas legten um 1,9 und 3,9 Prozent zu. Der Gasverbrauch stieg nicht nur wegen eines hohen Heizbedarfs im kühlen Frühjahr, sondern vor allem wegen des gestiegenen Einsatzes von Erdgas in Kraftwerken. (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare