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Die Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt am Main.
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Die Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt am Main.

Deutsche Bank

Ein Kurswechsel, mal wieder

  • Nina Luttmer
    VonNina Luttmer
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Die Deutsche Bank präsentiert ihre nächste neue Strategie. Die zielt vor allem auf Personalabbau.

Hätte man es nicht besser gewusst, man hätte denken können, Anshu Jain und Jürgen Fitschen hätten am Sonntagabend einen lustigen und langen Abend mit Freunden verbracht. Fitschen trat am Montag kreidebleich vor Journalisten aufs Podium, sein Kollege Jain wirkte während der zwei Stunden dauernden Pressekonferenz in der Zentrale der Bank in Frankfurt mitunter so, als würden ihm vor Müdigkeit gleich die Augen zufallen. Erstaunlich ist das nicht: Die beiden Co-Chefs der Deutschen Bank haben beruflich betrachtet wilde Wochen hinter sich.

Neben der Tatsache, dass die Bank ihre zahlreichen Skandale aufarbeiten muss – erst vergangene Woche wurde das Institut zu einer Strafzahlung von 2,5 Milliarden Dollar wegen der Manipulation des Referenzzinsatzes Libor verurteilt – feilte das Management über Monate hinweg an einer neuen Strategie. Mal wieder, muss man sagen, denn Strategiewechsel hat Deutschlands größte Bank in ihrer jüngeren Geschichte schon viele verkündet. Am Montag nun erläuterte die Konzernspitze die Details der am späten Freitagabend beschlossenen Neuausrichtung. Die allerdings die Investoren wenig überzeugten: Deutsche-Bank-Aktien verloren am Montag bis zu 5,7 Prozent.

Im Zentrum stehen Kosteneinsparungen, die bis 2020 jährlich 3,5 Milliarden Euro ausmachen sollen. Denn: Die Deutsche Bank hat ein Kosten- und Renditeproblem. Im ersten Quartal musste sie 84 Cent aufwenden, um einen Euro zu verdienen. Diese Quote soll nun mittelfristig auf 65 Cent fallen. Zudem lag die Eigenkapitalrendite nach Steuern bei mickrigen 3,1 Prozent – dort peilt die Bank nun auf mittlere Sicht zehn Prozent an, was weniger ist als die 12 Prozent, die noch vor zwei Jahren als Ziel ausgegeben worden waren. Man ist bescheidener geworden in den Frankfurter Zwillingstürmen.

Erreicht werden sollen die Ziele unter anderem durch Personalabbau. Das Bankmanagement wollte am Montag allerdings nicht sagen, wie viele der mehr als 98 000 weltweit Beschäftigten dies treffen wird. Die Filialen in Deutschland werden aber vermutlich einen personellen Kahlschlag erleben. Bis zu 200 der insgesamt noch 700 Filialen sollen bis 2017 geschlossen werden. Viele Kunden werden sich also auf längere Wege einstellen müssen. Die Bank will dafür stark in die Digitalisierung investieren. „Wir werden ein kleines, aber feines Privatkundengeschäft haben, das auf Wachstum ausgerichtet ist“, sagte Bankchef Fitschen.

Die erst seit 2008 schrittweise erworbene Postbank wird verkauft. Zunächst sollen die letzten anderen Aktionäre der Postbank mittels eines Squeeze-Outs aus der Bank herausgedrängt werden – allerdings handelt es sich dabei vermutlich in vielen Fällen um Spekulanten, die gerade darauf gehofft hatten. Anschließend will die Deutsche Bank die Postbank von 2016 an schrittweise zurück an die Börse bringen.

Am Montag erläuterte das Management die Gründe für die Entscheidung. Zum einen war die Bank 2008 davon ausgegangen, dass sie die üppigen Kundeneinlagen der Postbank zur Refinanzierung ihrer anderen Geschäfte, etwa im Investmentbanking, nutzen kann. Dem aber schob die Finanzaufsicht einen Riegel vor. Zum anderen, so Jain und Fitschen, habe sich gezeigt, dass die Bedürfnisse von Postbank- und Deutsche-Bank-Kunden doch sehr unterschiedlich seien – eine Tatsache, die allerdings immer schon ziemlich offensichtlich war. Entscheidend aber ist, dass die Postbank vor allem durch ihr Baufinanzierungsgeschäft die Bilanz der Deutschen Bank aufbläht. Das belastet die Verschuldungsquote, also das Verhältnis von Bilanzsumme zu Eigenkapital.

Die Aufseher fordern momentan eine Quote von drei Prozent. Die Deutsche Bank will nun mittelfristig sogar mehr als fünf Prozent erreichen – behielte sie die Postbank im Konzern bräuchte sie dafür drei Milliarden Euro zusätzliches Eigenkapital, so Finanzvorstand Stefan Krause.

Hier zeigt sich eine Absurdität der Regulierung. Eine Bank verkauft Teile ihres – im Gegensatz zum Investmentbanking relativ stabilen – Privatkundengeschäfts, um die neue Verschuldungsquote zu erreichen. Die allerdings sagt nichts über die Risiken aus, die eine Bank in ihrer Bilanz fährt. Zwei Banken können die gleiche Quote aufweisen – die eine aber hat ihre Bilanz vollgestopft mit, vermutlich in guten Zeiten auch noch renditeträchtigen, hochriskanten Werten, die andere mit konservativen und daher vermutlich weniger gewinnbringenden Anlagen.

Die Deutsche Bank verkündete am Montag zwar auch, dass sie ihr Investmentbanking deutlich schrumpfen und neu ausrichten will. Dennoch ist klar: Sie wird vor allem eine Investmentbank sein.

Zudem zieht sich die Bank auch aus einigen Auslandsmärkten zurück. Derzeit hat sie Standorte in 70 Ländern, künftig sollen es 60 bis 63 sein. Fitschen wies Gerüchte, die Bank wolle sich aus Deutschland zurückziehen, vehement zurück. „Die Deutsche Bank hat eine starke Verwurzelung in Deutschland. Das wird auch so bleiben. Nichts wäre dümmer, als sich hier zurückzuziehen.“

Den beiden Chefs der Deutschen Bank blieb am Montag freilich erneut nicht die Frage erspart, warum sie angesichts der zahlreichen Skandale der Bank und der nun anstehenden Neuausrichtung nicht durch ihren Rücktritt auch einen personellen Neuanfang der Bank ermöglichen. Jain erklärte zwar, dass er als ehemaliger Chef des Investmentbankings natürlich Verantwortung für das Fehlverhalten seiner Mitarbeiter empfinde. Bezogen auf beide Chefs sagte er aber auch: „Am ehesten werden wir unser Verantwortung gerecht, indem wir die Bank stärker und stabiler machen.“ Und Fitschen fügte hinzu: „Wir führen die Bank mit unveränderter Freude und Begeisterung.“ Zu diesem Zeitpunkt war übrigens auch etwas Farbe in sein Gesicht zurückgekehrt.

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