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Schwarzer Tag für Börsenhändler und Anleger: Die Aktienmärkte rauschen in den Keller.

Finanzmärkte

Kursrutsch an der Börse

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Der Deutsche Leitindex fällt wegen des Coronavirus unter die Marke von 12 000 Punkten.

Für die Börse war es eine Woche zum Vergessen, die schlechteste seit der Finanzkrise 2008. Mehr als zehn Prozent hat der Dax innerhalb weniger Tage an Wert verloren, am Freitag drohte mit einem Minus von fünf Prozent zeitweise der Absturz ins Bodenlose. Erst gegen Mittag fingen sich die Kurse und erholten sich etwas.

Die Sorge, dass der Kampf gegen das Coronavirus die Weltwirtschaft bremsen wird, lastet massiv auf den Märkten. Dort hat man die Epidemie lange für ein regionales Problem Chinas gehalten. Während in Asien schon im Januar die Kurse rutschten, bewegten sie sich in Europa und vor allem den USA noch auf Rekordhöhen. Die Wende kam vor gut einer Woche, als von Todesfällen in Südkorea und dem Iran berichtet wurde. Als dann am Wochenende die Fallzahlen in Italien stiegen und die Regierung mehrere Orte abriegelte, war klar: Die Epidemie wird auch Europa treffen.

Für die Börse begann ein steiler Abstieg. Der Dax rutschte von knapp 13 800 zeitweise auf 11 800 Punkte und machte damit die Gewinne des vergangenen halben Jahres innerhalb einer Woche zunichte. Nach den gängigen Maßstäben gilt das noch als Korrektur des Höhenflugs, man kann es aber auch Salami-Crash nennen: Sieben Tage in Folge ist jedes Mal ein ordentliches Stück Börsenwert verschwunden. Allein die Aktien der 30 Dax-Unternehmen sind insgesamt rund 200 Milliarden Euro weniger wert als beim Rekord vor gut einer Woche. An den Weltbörsen insgesamt geht es um rund drei Billionen Euro.

Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, fürchtet nun „negative Eigendynamik innerhalb des Finanzsystems“ – Panik an den Märkten. Denn die gängigen ökonomischen Daten böten kaum Orientierung, wenn jeden Tag die Stilllegung von Fabriken oder die Unterbrechung von Transporten wegen einer Pandemie droht. So könne es bei den Kurskorrekturen zu Übertreibungen kommen. Nach Einschätzung von Stefan Große, Analyst bei der NordLB, ist es bereits so weit: Die Entwicklung sei zwar schwer vorauszusagen, „die aktuelle Panik an den Märkten ist aber übertrieben“.

Doch sie wird nicht so schnell verschwinden. „Die neue Woche dürfte kaum entspannter verlaufen“, sagt Hans-Jörg Naumer, Chefvolkswirt bei Allianz Global Investors. Er erwartet auch von den anstehenden Konjunkturdaten vor allem Schwächesignale. „Bleibt das Schielen auf die Geldpolitik von Federal Reserve Bank und EZB“, sagt Naumer.

Tatsächlich richten sich die Anleger bereits darauf ein, dass die Notenbanken wieder das Krisenwerkzeug auspacken, um die Konjunktur zu stützen. Naumer erwartet in den USA weitere Zinssenkungen in diesem Jahr. Nach mehreren Erhöhungen hat die Fed wegen der Konjunkturabschwächung bereits 2019 wieder auf eine lockerere Geldpolitik umgeschaltet. Mit Leitzinsen von 1,5 bis 1,75 Prozent gibt es aber noch Luft nach unten. Die EZB hat weniger Spielraum: Ihr Leitzins liegt seit Jahren bei Null. Dennoch betont auch die EZB stets, dass sie im Krisenfall handlungsfähig sei. Nach der Ratssitzung am 12. März könnte die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde konkreter werden.

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