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Das Kundenproblem der Fintechs

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Digitale Vermögensverwalter suchen nach Wegen, die breite Masse anzusprechen.

Neue Technologien verändern die Finanzbranche – auch vor der Vermögensverwaltung machen sie nicht Halt. Neben den klassischen Vermögensverwaltern haben sich inzwischen junge Unternehmen etabliert, die mit sogenannten Robo-Advisorn Finanzprodukte anbieten. Deren Kunden klicken sich online durch einen Fragekatalog und erhalten automatisch einen Anlagevorschlag. Bislang galt für die junge Branche: Alles muss einfacher werden, es muss so leicht wie möglich sein, ein Produkt zu kaufen.

„Das Angebot ist immer nischiger geworden“, sagte Oliver Vins, Chief Product Officer des Fintech Moneyfarm, am Dienstagabend auf der Konferenz „Fintech Revolution“ in Frankfurt. Moneyfarm erreicht etwa 37 000 Kunden aus dem Vereinigten Königreich, Italien und Deutschland und betreut rund 700 Millionen Euro.

Plattformen inzwischen „super einfach“

Die Plattformen der digitalen Vermögensverwalter sind inzwischen „super einfach“, wie Vins sagte. Dennoch stehen Fintechs vor großen Herausforderungen: „Wir haben es noch nicht geschafft unsere Produkte an eine breitere Masse zu bringen“, so Vins. Bislang bedient die Branche vor allem Kunden, die finanziell gebildet und interessiert sind. Aber was ist mit jenen, die wenig über Geld und Anlagestrategien wissen? „Das ist das Kundenproblem, das wir lösen müssen“, sagte Vins. Menschen, die ihre eigenen finanziellen Bedürfnisse und Ziele nicht kennen würden, böten die Robo-Advisor verschiedener Fintechs bislang keine Antwort.

Oliver Vins , Produktchef von Moneyfarm, will Vermögensverwaltung emotionaler machen.

Die Branche reagiert mit einer breiteren Produktpalette und einer besseren Kundenberatung auf das Problem. „Das ist eine Kombination, die wir überall sehen“, so Vins. Er forderte von Moneyfarm und seinen Konkurrenten aber mehr: Zum Beispiel endlich konsequent auf „mobile only“ – also Vermögensverwaltung per Smartphone – zu setzen. „Das ist total überfällig.“

Emotionalisierung der Produkte überfällig

Überfällig sei auch eine Emotionalisierung der Produkte: Viele seien nämlich zu nüchtern und sehr rational. Wolle man aber neue Kundengruppen erschließen, so müsse man auf Emotionen setzen, sagte Vins. Eine Möglichkeit dazu sei Gamification – also die Verbindung klassischer Vermögensverwaltung mit spielerischen Elementen. „Es geht nicht mehr nur um Einfachheit“, sagte Vins.

Seit seiner Gründung im Jahr 2011 hat Moneyfarm rund 70 Millionen Euro an Investitionen gesammelt. Im vergangenen Jahr hatte Moneyfarm den Konkurrenten Vaamo übernommen, den Oliver Vins mitgegründet hatte. Seither ist er Chief Product Officer des britischen Fintech. Das Ziel von Moneyfarm sei es, in weitere europäische Länder zu expandieren, sagte Vins. Man wolle die Vermögensverwaltung standardisieren, gleichzeitig aber auch regionale Unterschiede der Märkte achten.

Im Sommer brachte Moneyfarm mit der Allianz einen Robo-Advisor auf den deutschen Markt. Neben Fonds der Allianz nutzt der Robo-Advisor Fonds von Drittanbietern und ETFs. Die Partnerschaft mit der Allianz, die gleichzeitig auch Investor ist, sei „ein Spagat, den wir gehen müssen“, sagte Vins. Schließlich könne Moneyfarm Allianz-Fonds zu niedrigen Preisen nutzen, wolle aber auch unabhängig sein. „Das ist uns wichtig.“

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