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Expertin für Kampagnen: Christiane Benner.
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Expertin für Kampagnen: Christiane Benner.

Gewerkschaften

Kulturrevolution bei IG Metall

  • Thorsten Knuf
    VonThorsten Knuf
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Christiane Benner ist neue Vize-Chefin der größten Einzelgewerkschaft der IG Metall. Es ist das erste Mal, dass es eine Frau in die Führungsspitze der Organisation schafft.

Bei Diskussionen und Kundgebungen der IG Metall geht es mitunter recht rustikal zu. So war es schon immer in der Arbeiterbewegung: Wer gehört werden will, muss manchmal Krach machen. Und wer Solidarität leben möchte, muss sicherstellen, dass die Gruppe bei Laune bleibt. In den Fabriken und in der Gewerkschaft dominieren die Männer, auch das dürfte eine Rolle spielen. Fast 2,3 Millionen Mitglieder hat die Organisation. Nicht einmal ein Fünftel davon sind Frauen.

So gesehen steht die größte Einzelgewerkschaft der Welt nun vor einer Kulturrevolution: Beim Kongress in Frankfurt am Main ist am Dienstag erstmals eine Frau in die engste Führungsspitze der IG Metall gewählt worden. Es handelt sich um die 47-jährige Christiane Benner. Sie ist nun die Zweite Vorsitzende der Gewerkschaft. Den Posten hatte bisher Jörg Hofmann (59) inne, den die Delegierten gestern zum Ersten Vorsitzenden wählten und der auf Detlef Wetzel (62) folgt.

Bei der IG Metall war es bislang üblich, dass der Vize den Posten des Chefs übernimmt, wenn dessen Mandat abläuft. Vier Jahre dauert jetzt die Amtszeit des neuen Führungsduos Hofmann/Benner. Bleibt die Gewerkschaft der Tradition treu, dürfte ab 2019 zum ersten Mal in der Geschichte der Metallgewerkschaft eine Frau ganz oben stehen. Und diese Geschichte ist lang: Sie geht zurück bis ins Jahr 1891. Damals war Deutschland noch ein Kaiserreich, Kanzler Otto von Bismarck war gerade zurückgetreten, und das Staatsoberhaupt hieß Wilhelm II.

Christiane Benner war bisher schon Mitglied des IG Metall-Vorstands, sie verantwortete dort die Zielgruppen-Arbeit für Angestellte, Frauen, Jugend, Migranten sowie die Kampagnen der Organisation. Mitglied der Gewerkschaft ist sie seit fast 30 Jahren: Nach dem Abitur absolvierte die gebürtige Aachenerin zunächst eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin in einem großen Maschinenbau-Unternehmen, engagierte sich im Betriebsrat und arbeitete mehrere Jahre im Vertrieb. Später studierte sie Soziologie und trat nach dem Diplom dauerhaft in den Dienst der IG Metall. Benner ist verheiratet und hat ein SPD-Parteibuch.

Benner und Hofmann gehen mit einem großen Vertrauensvorschuss in ihre Amtszeit. Bei der Wahl auf dem Gewerkschaftstag in Frankfurt erhielten beide am Dienstag mehr als 90 Prozent der Stimmen. Hofmann wird heute als neuer Erster Vorsitzender vor den Delegierten ein Grundsatzreferat halten und skizzieren, wie die neue Führung den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen gedenkt.

IG Metall ist gut aufgestellt

Grundsätzlich steht die IG Metall so gut da wie schon lange nicht mehr. Seit Jahren steigen die Mitgliederzahlen, die Kasse ist prall gefüllt. Aber die Arbeitswelt verändert sich in einem atemberaubenden Tempo: Die Digitalisierung erreicht die hintersten Nischen der Produktion. Nationale Grenzen spielen bei der Wertschöpfung nur noch eine untergeordnete Rolle, das Normal-Arbeitsverhältnis erodiert.

Und dann ist da noch der Volkswagen-Skandal um manipulierte Abgastests: In keinem anderen Industrie-Unternehmen ist die IG Metall so mächtig wie bei dem Wolfsburger Autokonzern. Also ist sie jetzt auch mitverantwortlich dafür, dass die Aufklärung des Skandals und der Neustart gelingen. Gut für Benner: Als neuer Gewerkschaftschef wird voraussichtlich Jörg Hofmann in den VW-Aufsichtsrat einziehen, auch wenn sich die IG Metall diesbezüglich noch bedeckt hält. Diesen Ärger hat sie also nicht.

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