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Der Jahresüberschuss brach für Kuka im vergangenen Jahr von 81 auf 17 Millionen Euro ein

Robotik

Kuka auf Sparkurs

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Der Augsburger Roboterbauer zieht maue Bilanz für 2018. Der Interimschef verteidigt chinesischen Eigner.

Es ist ein Eiertanz, den Peter Mohnen als Interimschef des Augsburger Roboterbauers Kuka vorführt. Eine Stunde lang referiert er über die schlechte Bilanz 2018 und ein Aus für 350 Stellen am Augsburger Firmensitz, ohne das Wort Midea in den Mund zu nehmen. Midea ist der chinesische Hausgerätekonzern, der die Schwaben 2016 trotz politischer Einwände übernommen und bis 2023 Garantien für Stellen und Standorte gegeben hat. Trotzdem wird nun abgebaut. Ein Verstoß gegen die Investorenvereinbarung sei das nicht, findet Mohnen. Die betreffe nur das Verhältnis zwischen Management und Eignern. Zum Stellenabbau aufgefordert hätten diese aber nicht.

Kuka steht diesbezüglich unter Beobachtung. Denn Chinesen kaufen in Deutschland munter Firmen ein. Die Bundesregierung hat nicht zuletzt wegen der Erfahrungen mit Kuka ihre Einspruchsmöglichkeiten gegen Übernahmen speziell aus China ausgeweitet. Wie Midea mit der Augsburger Industrieperle umgeht, ist deshalb wegweisend.

Die bisherige Bilanz macht skeptisch: Ende 2018 musste Konzernchef Till Reuter gehen, der die Übernahme durch Midea stets verteidigt hatte. Ende des Monats ereilt dieses Schicksal auch Kuka-Manager Siegfried Schwung. Er gilt als Architekt der auf dem Papier großzügigen Vereinbarung mit Midea. Bis Jahresende wird fast jede zehnte der knapp 4000 Stellen in Augsburg gestrichen, betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen. Offen lässt Mohnen auch, ob weiter Abbaurunden folgen. Auch andere Autozulieferer streichen hierzulande derzeit Stellen, weil die Branchenkonjunktur lahmt.

Kuka hat aber zudem bereits 400 von 500 Leiharbeiterjobs gestrichen, ohne dass das bislang öffentlich geworden wäre. Die restlichen 100 Leiharbeiter „haben eine kurze Perspektive“, sagt Mohnen. In den USA hat Kuka im vergangenen Jahr 500 von 2500 Jobs abgebaut, was bislang ebenfalls unbekannt war. Inzwischen sei wieder aufgebaut worden, sagt Mohnen. Zahlen bleibt er schuldig. Das gilt auch für Arbeitsplätze, die 2018 in China vorangebracht werden.

Denn im Land der Kuka-Eigner eröffnen die Augsburger zwei neue Produktionsstätten, auch Teile der Forschung und Entwicklung wanderten dorthin. Den damit verbundenen Personalumfang nennt Mohnen nicht. „Wir verlagern nicht mehr Knowhow nach China als andere deutsche Unternehmen auch“, sagt er. Die Chinesen würden sich wie jeder andere Investor verhalten. Er habe vom Aufsichtsrat lediglich den Auftrag erhalten, Kuka wieder in die Spur zu bringen – ohne detaillierte Anweisungen dafür.

Entscheidungen für Kuka treffe nur der Vorstand in Augsburg, betont der Interimschef. Ob ihn die Chinesen zum dauerhaften Kuka-Boss küren, sei nicht wichtig. Das sehen Betriebsräte und die IG Metall anders: Sie halten Mohnen für den richtigen Mann, um vertrauensbildende Maßnahmen voranzubringen, die in der aktuellen Lage für Kuka wichtig seien. Das zeigt auch die Bilanz: 2018 brachte nach zwei Prognosekorrekturen nicht nur sieben Prozent weniger Umsatz auf 3,2 Milliarden Euro. Auch die Auftragseingänge schrumpften um knapp neun Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Unterm Strich fiel der Jahresüberschusses von 81 auf knapp 17 Millionen Euro. Eigentlich aber sollte es aufwärts gehen. Nun wird eisern gespart.

„Für unsere Beschäftigten wird das hart“, räumt Mohnen ein. Sie wollen zumindest betriebsbedingte Kündigungen verhindern. Schnell wieder aufwärts geht es in keinem Fall. Für 2019 plant Kuka mit stagnierenden Umsätzen und einer von 3 auf 3,5 Prozent steigenden operativen Gewinnmarge ohne Kosten für den Stellenabbau. Weltweit arbeiten für Kuka gut 14 000 Beschäftigte. Die Prognose sei vorbehaltlich eines harten Brexits oder eskalierender Handelskriege, betont Mohnen. Bis 2021 will er 300 Millionen Euro sparen. Ein Drittel soll 2019 und der Jobabbau in Augsburg bringen. Woher der Rest kommt, lässt Mohnen offen.

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