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Menschen, die auf künstliche Beatmung angewiesen sind, gehören ins Krankenhaus - Intensivpflege in den eigenen vier Wänden soll nach dem Gesetzentwurf wieder die Ausnahme werden.

Gesundheitspolitik

Künstliche Beatmung: Bessere Versorgung von Patienten

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Die SPD unterstützt den Vorstoß von Gesundheitsminister Spahn. Krankenkassenverband begrüßt die Beseitigung von Fehlanreizen.

Die Pläne von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für eine Reform der Versorgung von Patienten, die künstlich beatmet werden müssen, ist beim Koalitionspartner SPD und bei den gesetzlichen Krankenkassen auf Zustimmung gestoßen. Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Karl Lauterbach sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): „Nach diversen Skandalen in den vergangenen Jahren besteht dringender Handlungsbedarf. Es darf nicht sein, dass zulasten von Beatmungspatienten exorbitante Gewinne gemacht werden.“ Der Gesetzentwurf von Spahn gehe daher „in die richtige Richtung“. Details werde man nun in der Koalition klären.

Der stellvertretende Chef des Spitzenverbandes der Krankenkassen, Gernot Kiefer, sagte dem RND: „Kaum jemand ist so sehr auf die Hilfe Dritter angewiesen wie Beatmungspatienten. Beatmungspatienten schneller und öfter wieder zum selbstständigen Atmen zu bringen, muss ein zentrales Anliegen von allen Beteiligten in der Versorgungskette sein. Hier Fehlanreize zu beseitigen, ist dringend notwendig.“ Man werde sich in den kommenden Wochen den Gesetzentwurf genau anschauen und prüfen, ob der Verband im Laufe des parlamentarischen Verfahrens noch Hinweise zu inhaltlichen Änderungen geben werde.

Gefälschte Abrechnungen

Der Gesetzentwurf von Spahn sieht vor, dass die Intensivpflege mit Beatmung in den eigenen vier Wänden nur noch die absolute Ausnahme sein darf. Allein bei Kindern bleibt sie die Regel. Für sogenannte Beatmungs-WGs sollen die Qualitätsanforderungen massiv steigen. Krankenhäuser sollen die Beatmungsentwöhnung besser bezahlt bekommen. Damit reagiert Spahn unter anderem auf die stark gestiegene Zahl von Beatmungspatienten, die ambulant versorgt werden. In den vergangenen Jahren waren mehrfach Fälle aufgedeckt worden, bei denen Patienten mangelhaft betreut und Abrechnungen gefälscht wurden.

Das Geschäft mit der Intensivpflege ist sehr lukrativ. Für die Versorgung eines Beatmungspatienten zu Hause erhalten die Anbieter pro Monat bis zu 25.000 Euro. Das hat zu besonderen Geschäftsideen geführt: In sogenannten Pflege-WGs werden mehrere Patienten gleichzeitig untergebracht und oftmals von schlecht qualifizierten, aber preiswerten Mitarbeitern betreut. An einer Verbesserung des Gesundheitszustandes haben diese Pflegedienste kein Interesse. Dabei betonen die zuständigen medizinischen Fachgesellschaften, dass bis zu 70 Prozent der Betroffenen von der künstlichen Beatmung entwöhnt werden könnten.

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