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Noch 2019 kämpft der Inselstaat Fidschi mit den Schäden, die der Zyklon „Winston“ 2016 verursacht hat.

Folgen der Klimakrise

Kritisch verschuldet

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Umweltkatastrophen infolge der Klimakrise lassen die Schulden vieler armer Länder steigen. Die Industriestaaten müssen helfen. Die Analyse.

Als der Zyklon „Winston“ 2016 den Inselstaat Fidschi verwüstete, entstanden Schäden in Höhe von 26 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. In Deutschland entspräche das der kaum vorstellbaren Schadenssumme von 900 Milliarden Euro. Solche Katastrophen könnten infolge des Klimawandels häufiger vorkommen, und das brächte nicht nur viel menschliches Leid, es droht auch die ökonomische Entwicklung der betroffenen Länder zu untergraben.

Fidschi ist kein Einzelfall. Auf die Zusammenhänge haben das Hilfswerk Misereor und das Entschuldungsbündnis „erlassjahr.de“ jetzt hingewiesen. Sie zeigen in ihrem „Schuldenreport 2020“: Der Klimawandel und seine Folgen verstärken die Schuldenkrise in vielen armen Ländern, es trifft besonders die kleinen Inselstaaten im Pazifik und in der Karibik sowie die Staaten der Sahelzone in Afrika.

Die Daten zur Verschuldungssituation weltweit sind bereits heute dramatisch. Laut dem Report gelten 124 von 154 untersuchten Staaten als „kritisch verschuldet“, und in über 60 Prozent dieser Länder hat sich die Situation in den letzten Jahren weiter verschlechtert. Derzeit haben 19 dieser Staaten ihre Zahlungen an ihre ausländischen Gläubiger komplett oder teilweise eingestellt. Bisher waren meist kleinere Staaten wie Eritrea, Somalia oder Sudan betroffen, als neues Warnzeichen gilt, dass mit Argentinien nun auch das erste wirtschaftliche Schwergewicht seine Zahlungen teilweise eingestellt hat.

Warum die Klimakrise die Situation verschlechtert, ist leicht nachvollziehbar: Wetterextreme wie Dürren, Überflutungen und Wirbelstürme, treten häufiger auf oder werden intensiver, was sich heute bereits statistisch nachweisen lässt. Tritt eine solche Naturkatastrophe in einem hoch verschuldeten Land auf, fehlt durch den erdrückenden Schuldendienst Geld, um schnell und effektiv helfen zu können. Länder wie das afrikanische Mosambik, das im März 2019 von Zyklon „Idai“ heimgesucht wurde, sahen sich sogar gezwungen, neue Kredite aufzunehmen, um die Katastrophenhilfe und Wiederaufbau finanzieren zu können. Das kann sie in eine Schuldenfalle treiben, aus der sie aus eigener Kraft nicht mehr herauskommen.

Das Problem ist nicht neu. Auf den UN-Klimaverhandlungen wird seit Jahren unter dem Stichwort „Loss and Damage“ darüber verhandelt, wie arme Länder Hilfe im Falle von Klimaschäden bekommen können, die bereits heute nicht mehr zu verhindern sind. Doch die Industrieländer als historische Hauptverursacher der Klimakrise blockieren eine grundsätzliche Regelung, sie befürchten, dereinst auf milliardenschweren Schadensersatz verklagt zu werden.

Der Druck, diese Verhandlungen doch noch zum Erfolg zu führen, darf nicht nachlassen, zumal die Klimaschäden zunehmen werden. Überfällig ist aber auch eine Entschuldungsinitiative für die betroffenen Länder, wie Misereor und „erlassjahr.de“ sie jetzt gefordert haben: Direkt nach einer Naturkatastrophe sollen automatisch ein Stopp der laufenden Schuldenzahlungen und danach umfassende Verhandlungen über die Forderungen möglichst aller Gläubiger einsetzen – mit dem Ziel, die Verschuldung auf ein tragfähiges Maß zu senken. Bei den UN gibt es einen „Financing for Development“-Prozess. Das wäre der richtige Rahmen, in dem etwa die Bundesregierung sich für eine solche Option einsetzen sollte.

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