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Berufsunfähigkeitsversicherungen: Kritik an Urteil der Warentester

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Mit der Note „Sehr gut“ haben viele Angebote für Berufsunfähigkeitsversicherungen abgeschnitten. Ein Experte hält das für problematisch.

Die Stiftung Warentest ist überzeugt: Verbraucher, die sich vor den finanziellen Folgen einer Berufsunfähigkeit (BU) absichern wollen, können auf eine große Auswahl geeigneter Tarife zurückgreifen. Von 59 untersuchten Angeboten schneiden in einer am Dienstag veröffentlichten Untersuchung 35 mit der Note „sehr gut“ ab. Dieses Urteil hält Experte Claus-Dieter Gorr vom auf Gesundheitswirtschaft und Versicherungen spezialisierten Informationsdienstleister Premium-Circle für problematisch.

„Jeder, der eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, muss wissen, dass man in vielen Fällen nur eine Streitoption für den Leistungsfall kauft“, so Gorr. Die Verträge seien schwammig formuliert und somit ein Nährboden für Rechtsstreitigkeiten. Das belege auch eine aktuelle Erhebung von Premium Circle. Die Firma hat in den Top-Tarifen von 61 Versicherern 130 unverbindliche Formulierungen und unbestimmte Begriffe identifiziert.

Schwammige Bedingungen

„Das beginnt bei der Beschreibung des versicherten Risikos und hört bei den im Leistungsfall zu erbringenden Nachweisen auf“, so Gorr. „Kein einziges Unternehmen formuliert verständlich, wann eine Berufsunfähigkeit im Sinne der Vertragsbedingungen vorliegt, welche Ärzte mit welcher Befundtiefe die körperlichen oder seelischen Erkrankungen nachweisen müssen und welche Tätigkeits- und sonstigen Nachweise im Leistungsfall in welcher Detailtiefe vom Versicherten konkret zu erbringen sind.“ Diese juristischen Lücken könnten die Versicherer nutzen, um im Leistungsfall mit langwierigen und teuren Rechtsstreitigkeiten die Zahlungen hinauszuzögern oder gar ganz zu vermeiden.

Daher sollten Versicherte einkalkulieren, dass sie im Falle der Berufsunfähigkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit eine professionelle Leistungsfallbegleitung in Anspruch nehmen müssen, die unter Umständen nochmals zwischen 4000 und 8000 Euro kosten könne. „Ein absurdes Geschäftsmodell bei so einer wichtigen Absicherung“, so Gorr.

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