Zupackend: Lufthansa-Investor Heinz Herrmann Thiele.
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Zupackend: Lufthansa-Investor Heinz Herrmann Thiele.

Airline

Krisentreffen zur Zukunft der Lufthansa

Noch ist nicht sicher, ob die Aktionäre den Staatshilfen zustimmen / Scholz berät mit Großaktionär Thiele

Wegen des Streits über eine mögliche Beteiligung des Bundes an der Lufthansa hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) einem Medienbericht zufolge in Berlin zu einem Krisentreffen eingeladen: Scholz will am Montagmorgen Lufthansa-Chef Carsten Spohr und den Großaktionär Heinz Hermann Thiele zu einem gemeinsamen Gespräch im Finanzministerium treffen, wie die „Bild am Sonntag“ berichtet.

Thiele hält 15 Prozent der Lufthansa-Aktien und ist damit größter Einzelaktionär. Er hatte damit gedroht, bei der Aktionärsversammlung am 25. Juni sein Veto gegen eine Staatsbeteiligung einzulegen, die den wegen der Corona-Krise in wirtschaftliche Schieflage geratenen Konzern retten soll.

Der Aktionär hatte jüngst seinen Anteil an der Lufthansa von zehn auf 15,52 Prozent aufgestockt. Er stößt sich vor allem an der vorgesehenen Beteiligung des Bundes von 20 Prozent und will den Plan nachverhandeln.

Mit der Corona-Pandemie ist der Luftverkehr weltweit eingebrochen, nur ein kleiner Teil der Lufthansa-Flotte hebt derzeit zu Reisezielen ab. Schnell schwinden daher die Barreserven der größten deutschen Airline. Um den Konzern mit seinen 138 000 Beschäftigten zu retten, hat der Bund ein neun Milliarden Euro schweres Rettungspaket beschlossen. Dem müssen die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung an diesem Donnerstag noch zustimmen. Aber der 79-jährige Großaktionär Thiele könnte sich querstellen.

Das Rettungspaket für Lufthansa sieht vor, dass der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds im Zuge einer Kapitalerhöhung Aktien zeichnet, um eine Beteiligung von 20 Prozent am Grundkapital der Airline aufzubauen. Zudem sind stille Einlagen von bis zu 5,7 Milliarden sowie ein Kredit von bis zu drei Milliarden Euro geplant. Im Gegenzug muss Lufthansa 24 Start- und Landerechte an ihren wichtigen Flughäfen in Frankfurt und München an die Konkurrenz abgeben.

Das Ja der Aktionäre zur Rettung durch den Staat ist aber nicht sicher. Die Lufthansa sowie Gewerkschaften fürchten, dass die üblicherweise schwache Präsenz der Anteilseigner bei der Hauptversammlung unter 50 Prozent liegen könnte. Dann wäre eine Zweidrittelmehrheit für das Rettungspaket des Bundes nötig. Bei mehr als 50 Prozent genügt eine einfache Mehrheit.

Großaktionär Thiele ließ sein Stimmverhalten auf der Hauptversammlung offen. „Ich werde aber sicherlich hier nicht blockieren oder ausbremsen“, sagte der Unternehmer, der Hauptaktionär beim Bremsen-Spezialist Knorr-Bremse ist. Er hoffe vielmehr, dass noch zuvor etwas bewirkt und in Bewegung gebracht werden könne.

Sollten die Anteilseigner am Donnerstag nicht zustimmen, würde dies bedeuten, „dass die Deutsche Lufthansa AG möglicherweise zeitnah zur Hauptversammlung ein insolvenzrechtliches Schutzschirmverfahren beantragen müsste, wenn es dann nicht unverzüglich zu einer anderen Lösung kommt“, warnte die Fluggesellschaft. Auch eine Insolvenz in Eigenverwaltung schloss sie nicht aus. afp/dpa

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