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Auch die Meyer-Werft in Papenburg hat sich auf Kreuzfahrtschiffe spezialisiert. Hier die „Spectrum of the Seas“.

Meyer-Werft

Der Krise trotzen

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Die Überlebenden des großen Werftensterbens haben sich spezialisiert und behaupten sich auf diese Weise am Weltmarkt.

Nicht nur die Werften in Mecklenburg-Vorpommern, die deutschen Werften insgesamt haben schwerste Zeiten hinter sich. Zehntausende Menschen verloren beim Werftensterben in den 80er und 90er Jahren ihre Arbeit, große Namen verschwanden. Bremer Vulkan, AG Weser, Schichau in Bremerhaven, Flender in Lübeck: Sie alle gingen unter.

Schuld war vor allem die Konkurrenz in Fernost – beziehungsweise die Unfähigkeit der Deutschen, mit ihr mitzuhalten. Gefragt waren nun vor allem Containerschiffe, schiffbautechnische Massenware, die die Werften etwa in Südkorea billiger produzierten als die europäischen.

Die Überlebenden retteten sich in die Spezialisierung – und hatten damit große Erfolge. Die Meyer-Werft in Papenburg gehört zu den weltweit führenden Unternehmen beim Bau von Kreuzfahrtschiffen, Thyssenkrupp Marine Systems in Kiel, früher Howaldtswerke-Deutsche Werft, hat eine führende Stellung bei U-Booten und Marineschiffen, die Lürssen-Werft aus Bremen baut spektakuläre Jachten.

Auftragslage angespannt

Die Wirtschaftskrise von 2008 erfasste den Schiffbau. Für die vielen und immer gigantischeren Schiffe, die in Erwartung steten Wachstums gebaut oder in Auftrag gegeben waren, gab es nicht mehr genug zu transportieren. Neue Schiffe wollte kaum jemand. Seit 2009 haben weltweit 62 Prozent der Werften dichtgemacht.

In Deutschland sank die Zahl der Beschäftigten von 20 000 auf 15 000 im Jahr 2014. Die Emder Nordseewerke etwa mussten in den vergangenen sechs Jahren viermal Insolvenz anmelden, nun will sie der norwegische Schiffbauer Fosen komplett übernehmen.

Insgesamt behaupten sich die rund 40 verbliebenen deutschen Werften nach Angaben des Verbands für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) relativ gut. Den Auftragsbestand konnten sie 2018 laut VSM auf Rekordniveau steigern, bei den Auftragseingängen legten sie zu. 2017 lieferten sie 22 Schiffe ab, neun mehr als im Jahr zuvor. Deutscher Schiffbau ist gefragt in der Welt.

Aber: „Die Auftragslage im Weltschiffbau bleibt angespannt“, sagt VSM-Hauptgeschäftsführer Reinhard Lüken. Der Druck, sauberere Schiffe zu bauen, dazu der digitale Wandel, alles das macht den Werften zu schaffen. Für die deutschen und europäischen Werften kommt die größte Bedrohung jedoch weiter aus Fernost. China hat sich vorgenommen, bis 2025 einen Marktanteil von 40 Prozent zu erreichen. Die MV Werften halten mit neuem Selbstbewusstsein dagegen. Deutsches Technikniveau zu erreichen, sagte MV-Werften-Chef Peter Fetten vor kurzem, werde vielleicht einer chinesischen Werft gelingen – „aber nicht zehn“.

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