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Kaufrausch in den USA.
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Kaufrausch in den USA.

US-Konsum

Aus der Krise shoppen

Am heutigen Black Friday, dem Brückentag nach Thanksgiving, locken die Geschäfte in den USA mit Schnäppchen, teils nur für wenige Stunden. Die Welt hofft auf die Konsumfreude der Amerikaner. Von Frank Wadewitz

Von Frank Wadewitz

New York. Schlafsack, Notverpflegung, Verbandskasten - bestens vorbereitet haben viele Amerikaner heute noch vor dem Morgengrauen ihr Haus verlassen. Sie nehmen aber nicht etwa an einem Nato-Manöver teil, sondern gehen einkaufen.

Trotzdem ist es ein Großkampftag, besonders für die Beschäftigten der US-Einzelhandelsketten. 134 Millionen Kunden sollen in den kommenden Tagen in die Geschäfte stürmen, sagen Marktforscher voraus.

Am heutigen Black Friday, dem Brückentag nach Thanksgiving, locken die Geschäfte mit Schnäppchen, die teils nur für wenige Stunden zu haben sind. Viele Ketten haben ihre Filialen bereits um vier Uhr geöffnet, um die langen Warteschlangen und den Ansturm auf Flachbildfernseher, Videospiele und andere Schnäppchen zu bewältigen.

Es ist aber nicht nur für den US-Einzelhandel einer der wichtigsten Tage des Jahres. Rund um den Globus verfolgen Ökonomen und Analysten, ob die Amerikaner ihre Kauflust wieder entdecken. Die Shoppingweltmeister geben sich in jüngster Zeit nämlich vergleichsweise sparsam. Vor allem die Rekordarbeitslosigkeit drückt die Konsumstimmung.

Zudem schiebt jeder Amerikaner im Schnitt einen Schuldenberg von mehr als 5600 Dollar vor sich her - wegen unbezahlter Kreditkartenrechnungen vergangener Shoppingausflüge. Da liegt es eigentlich nahe, erstmal keinen neuen Fernseher zu kaufen. Das würde ganz nebenbei auch helfen, das Ungleichgewicht im Handel zwischen den USA, Europa und Asien etwas abzubauen.

Kurzfristig aber wünscht sich die ganze Welt das Gegenteil und hofft auf ein Comeback der amerikanischen Kaufwut. Denn halten sich die Amerikaner weiter zurück, erschwert das die Erholung der globalen Ökonomie. Rund 70 Prozent der US-Wirtschaft hängt vom Konsum ab.

Die Amerikaner importieren zudem so viele Konsumgüter aus aller Welt wie kein anderes Volk. Die plötzliche Sparsamkeit ist deshalb überall auf dem Globus zu spüren: Wenn kalifornische Familien auf den Kauf eines neuen Fernsehappartes verzichten, fallen im Norden Malaysias Jobs weg. Vom Weihnachtsgeschäft zwischen New York und Los Angeles hängt also viel ab.

Die Prognosen ergeben bislang kein klares Bild: Laut Umfragen wollen viele Amerikaner bis Weihnachten weniger Geld für Geschenke ausgeben als im Krisenjahr 2008. Studien verschiedener Institute rechnen dennoch mit einem leichten Umsatzplus. Abgerechnet wird erst am Schluss.

"Viele Einzelhändler haben in diesem Jahr die Nachfrage sogar unterschätzt und zu wenig auf Lager. Deshalb wird die Rabattschlacht vom Black Friday kaum im Dezember fortgesetzt werden wie im vorigen Jahr", glaubt Anthony L. Liuzzo von der Wilkes University.

Er schätzt, dass die Umsätze im Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr um immerhin 1,8 Prozent steigen werden, nachdem sie 2008 geschrumpft waren. Spätestens Mitte kommenden Jahres werde der Konsum wieder der gewohnte Motor für die US-Wirtschaft sein, glaubt der Professor.

An mangelnder Werbung liegt es nicht, wenn der heutige Black Friday dem Einzelhandel weniger Umsatz bescheren sollte als erhofft. J.C. Penny, Wal-Mart & Co bombardieren seit Tagen die potenziellen Kunden mit Anzeigen, TV-Spots und sogar Telefonanrufen.

Auch Twitter und Facebook kommen zum Einsatz, um auf die Schnäppchen aufmerksam zu machen. Hunderte Webseiten widmen sich den günstigen Angeboten. TV-Geräte, Spielzeuge, Klamotten verdrängen Themen wie Afghanistankrieg und Gesundheitsreform aus den Schlagzeilen - in dieser Woche scheint es nichts Wichtigeres in Amerika zu geben.

"Der Hype verführt auch Sparfüchse zum Shopping", sagt Nikki Baird vom Forschungsinstitut Forrester. "Alle haben Angst, einen guten Deal zu verpassen."

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