Weihnachtsgeschenke

Wer kriegt was?

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Geschenke verfestigen Geschlechter-Klischees.

Werden Sie heute ein Parfüm oder After-Shave kaufen? Die meisten Menschen in Deutschland besorgen ihre Weihnachtsgeschenke in der ersten Dezemberhälfte. Der heutige zweite Adventssamstag ist also für viele ein Einkaufstag. Aber wer sucht für wen welches Geschenk aus?

Was im eigenen Umfeld beobachtet werden kann, lässt sich auch in den Statistiken finden: Frauen bekommen mehr Schmuck und Parfüme, Männer Technik und After Shaves. Sehr beliebtes Geschenk in Deutschland: Bücher (26 Prozent). Aber bekommen Frauen dann (Frauen-)Romane und Männer Sachbücher? Auch bei der Geschenkauswahl für andere schenken Frauen laut Umfragen musischer und kreativer (mehr Musik und mehr Selbstgemachtes), Männer pragmatischer und nüchterner (mehr der Werbung folgend, mehr Technik).

Wir bekräftigen mit Geschenken also Geschlechter-Klischees. Das ist deshalb problematisch, weil diese Zuschreibungen die Möglichkeiten einzelner Menschen, sich unabhängig von einer Geschlechterrolle zu entfalten, begrenzen. Wie andere Konsumgüter reproduzieren Geschenke damit nicht nur „weibliche“ und „männliche“ Vorlieben, sondern untermauern gleichzeitig die Vorstellung von Zweigeschlechtlichkeit. Zudem sind Geschlechterzuschreibungen mit unterschiedlichen Privilegien verbunden. Männer haben nach wie vor mehr Geld und Macht und Frauen sind durch Sorge- und Lohnarbeit doppelt belastet. In Deutschland verdienen Frauen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer. Dafür gibt es diverse Gründe, die mit Herrschaftsverhältnissen und klassischer Rollenteilung zusammenhängen: Frauen wählen Berufe weniger nach Gehalt aus, sondern nach Vereinbarkeit mit der Familie; sind in Teilzeitjobs, um Sorgearbeit leisten zu können; rücken nicht in Chefetagen auf wegen anderer Prioritäten und gläserner Decken; und sie verhandeln Löhne schlechter, weil sie ihre Arbeit für weniger wertvoll halten.

Sich für gleiche Rechte einzusetzen heißt auch, darüber nachzudenken, wo wir im privaten Bereich – nicht nur, aber auch bei den Weihnachtsgeschenken – Geschlechter-Klischees verfestigen. Es könnte sich lohnen, das selbst zu hinterfragen, nachzufragen und dieses Jahr anders vorzugehen. Oder gleich auf materielle Geschenke zu verzichten, und statt dessen einen gemeinsamen Ausflug zu schenken.

Die Autorin arbeitet beim
Konzeptwerk Neue Ökonomie und ist Teil der Webredaktion von www.degrowth.de

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