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Aldi greift in den USa an.

US-Lebensmittelhandel

Krieg der Discounter

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Aldi und Lidl greifen Konkurrenz in den USA an. Der US-Riese Walmart spioniert offenbar Aldi aus.

Marktforscher sprechen bereits von einem Discounter-Krieg in den USA. Lidl will jetzt in einer Hauruck-Aktion jenseits des Atlantiks ins Geschäft mit Lebensmitteln einsteigen, während Aldi dort mit Milliarden-Investitionen die Zahl der Filialen erhöhen und Geschäfte aufhübschen will. Doch die US-Konzerne Walmart und Amazon wollen dagegenhalten.

Dass in den US-Lebensmittelhandel plötzlich Bewegung kommt, hat zwei Gründe: erstens die Digitalisierung mit neuen Konzepten beim Einkaufen. Hier ist Amazon ein starker Treiber. Zweitens: Für die beiden deutschen Discount-Könige Lidl und Aldi wird der US-Markt künftig von enormer Bedeutung sein.

Die USA sind für sie deshalb so interessant, weil sich dort das Discountprinzip noch nicht in dem Maß durchgesetzt hat wie hierzulande. Das Preisniveau bei Lebensmitteln ist deutlich höher – auch wegen der dominierenden Position des weltgrößten Einzelhändlers Walmart. Das heißt, für Lidl und Aldi gibt es Potenziale auf dem weltgrößten Lebensmittelmarkt, wo jedes Jahr 700 Milliarden Dollar umgesetzt werden. Wachstum hierzulande ist hingegen nur noch mit großen Anstrengungen zu schaffen, da hier der Wettbewerb extrem hart ist. Norma, Penny und Netto haben das Billigkonzept ebenso kopiert wie die sogenannten Vollsortimenter Rewe und Edeka, die in ihren Märkten neben Feinkost auch Milch, Butter oder Konserven auf Discounterniveau anbieten.

Lidl hinkt noch hinterher

Das Lidl-Management hat den Einstieg in den US-Markt verschlafen. Das soll nun in Zeitraffer nachgeholt werden. Lidl will schon in diesem Sommer – ein Jahr früher als ursprünglich geplant – mit zunächst 20 Geschäften an der Ostküste loslegen. 2022 sollen es dann laut Handelsblatt 220 Märkte sein, die einen Umsatz von 5,2 Milliarden Dollar bringen sollen. Investitionen in Milliardenhöhe sind geplant. Es sollen allein in diesem Jahr mehr als 4000 Jobs geschaffen werden.

Die Experten des US-Marktforschungsfirma Kantar Retail jedenfalls bezeichnen den Lidl-Vorstoß als eines der „wichtigsten Ereignisse im US-Einzelhandel in den nächsten Jahren“. Sie rechnen dabei die Entwicklungen auf dem britischen Markt für die USA hoch. Der Einstieg der beiden deutschen Discounter vor einigen Jahren hat den gesamten Einzelhandel dort massiv verändert. Aldi und Lidl ringen seither gegeneinander und gegen die britische Konkurrenz um Marktanteile. Der Kampf wird über die Preise ausgefochten. Das hat auch dortige Ketten wie Tesco gezwungen, viele Waren billiger anzubieten.

Das Erfolgsgeheimnis der deutschen Discounter liegt in der Kombination aus Volumen und Geschwindigkeit. Lebensmittel werden in rauen Mengen bei den Herstellern extrem günstig eingekauft und dann sehr schnell in den Läden losgeschlagen. Das bringt den Händlern finanziellen Spielraum, denn sie müssen ihre Ware erst bezahlen, wenn sie längst verkauft ist – Hersteller geben dem Discounter also permanent zinslose Kredite. Aldi und Lidl haben hier einen großen Know-how-Vorsprung, da sie dieses Prinzip seit den 1960er Jahren immer weiter optimieren.

Aldi ist bereits seit rund vier Jahrzehnten in den USA aktiv. Zu Aldi Nord gehören 500 Geschäfte der Marke Trader’s Joe. Aldi Süd betreibt dort 1600 Läden. Diese sollen nun renoviert werden, um mit einem edleren Look bei der Kundschaft zu punkten. Auch soll mehr Platz für frische Waren geschaffen werden. Zudem sollen bis Ende 2018 rund 400 neue Läden hinzu kommen. Das alles wirkt wie eine Präventiv-Reaktion auf die Lidl-Offensive.

Walmart wappne sich für den Preiskampf gegen Aldi in den USA und wolle seine Preislücke zu dem deutschen Angreifer schließen, meldete Reuters unter Berufung auf Insider. Zu diesem Zweck würden Walmart-Angestellte in 1200 US-Läden der Konkurrenz bei einer Reihe von Produkten den besten Preis ermitteln, hieß es. Analysten schätzen, dass Walmart bis zu 20 Prozent teurer ist als Aldi. Das US-Unternehmen, das in seinen riesigen heimischen Filialen auch Autoreifen und Elektrogeräte verkauft, will sich demnach stärker auf das Lebensmittelsortiment mit frischen Waren konzentrieren, also genau auf die Waren, die die Discounter offerieren.

Auch der weltgrößte Onlinehändler Amazon zielt mit seiner Marke Amazon Go auf das Lebensmittelgeschäft. Voriges Jahr wurde der erste Markt in Seattle eröffnet, der keine Bezahlkassen mehr hat. Eine Smartphone-App merkt sich, was der Kunde in den Einkaufskorb legt. Die Rechnung wird automatisch über die Kreditkarte abgebucht. Die Aufregung in der Branche ist extrem groß. Denn was Amazon anpackt, könnte den Lebensmittelhandel umkrempeln – nicht nur mit dem automatischen Bezahlen, das die Kosten der Supermarktbetreiber erheblich senken kann, sondern auch mit einer Verknüpfung von Online- und stationärem Handel sowie Bringdiensten für frische Ware. Letztere betreibt der Konzern bereits in mehreren Regionen in den USA. Walmart hat darauf mit einem massiven Ausbau der Onlinesparte reagiert. Experten erwarten, dass Amazon auch in Deutschland einen Einstieg ins Lebensmittelgeschäft anstrebt.

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