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Kreuzfahrt wird sauberer

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Von: Hanna Gersmann

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Die Reiseanbieter arbeiten an klimafreundlicheren Ozean-Hotels. Das Hauptproblem ist, dass viele Schiffe weiterhin mit Schweröl betrieben werden.

Zahlreiche Besucher verfolgen zum Auftakt des Cruise Days-Festivals in Hamburg, wie das Kreuzfahrtschiff Queen Mary 2 durch den Hamburger Hafen fährt.
Das Kreuzfahrtschiff Queen Mary 2 im Hamburger Hafen. © Bodo Marks/dpa

Es ist nicht lange her, da lauteten die Schlagzeilen „Kreuzfahrtbranche in Not“ oder „Corona verursacht Flaute für Kreuzfahrtschiffe“. Doch egal ob in Hamburg, Warnemünde, Kiel oder Bremerhaven – überall legen die schwimmenden Riesenhotels in diesen Tagen wieder an und ab. Die Branche kommt zurück, bestellt auch neue Schiffe. Etwas aber ist anders: Die Kreuzfahrt wird grüner, zumindest perspektivisch.

Die Reedereien „tun einiges, die einen machen allerdings mehr als die anderen“, sagt Sönke Diesener, Experte für Schifffahrt beim Umweltverband Nabu. Diesener und seine Kolleg:innen haben sich die Branche nun zum zehnten Mal vorgenommen. Einmal im Jahr analysieren sie die Schiffe, die unterwegs und bei Werften bestellt sind – nach Treibstoffart, Abgastechnik und sonstigen Maßnahmen, um Schadstoffe zu mindern. Sie gucken nur darauf, was aus dem Schornstein rauskommt. Dafür befragen sie die Reedereien. 2022 waren das 19. Davon haben 17 geantwortet. Das war nicht immer so. Anfangs hätten die Reedereien noch versucht, sie auszubremsen, erzählt Malte Siegert, Vorsitzender des Nabu Hamburg. Mittlerweile aber kooperierten diese „ganz gut“.

In der Branche bleibt vor allem ein Problem: Das Gros der Flotte der großen Kreuzfahrtunternehmen wie etwa Tui Cruises mit Sitz in Hamburg, Aida Cruises aus Rostock oder MSC Cruises mit Hauptstandort im schweizerischen Genf ist noch mit billigem Schweröl unterwegs, einer Art Pampe vom Boden der Raffinerien. Verboten ist das nicht. Doch laut Nabu ist es der „dreckigste aller Kraftstoffe“.

Hurtigruten weit vorne

Und doch gibt es Fortschritte: Die Mehrzahl der Unternehmen habe immerhin eine Klimastrategie, sagt Diesener. Und: Erste Reedereien probierten neue Techniken aus. So experimentiere Aida Cruises mit Batterien und Brennstoffzellen, die zukünftig einen klimaneutralen Betrieb gewährleisten könnten. Tui Cruises lasse auf der Meyer Werft im finnischen Turku ein Schiff bauen, das eines Tages mit klimaneutral erzeugtem Methanol betrieben werden soll. Die Zukunft hat begonnen, mehr allerdings nicht.

Im Kreuzfahrtranking erreicht keiner die möglichen 17 Punkte. Der Beste holt gerade mal die Hälfte: die Hurtigruten Norway. Die norwegische Postschifflinie kreuzt entlang der Küste mit etwas kleineren Schiffen, die zum großen Teil mit klimafreundlicher Technik ausgerüstet sind. Auch wenn Windantriebe fehlten, es noch besser gehe, sei das schon gut, meint Diesener – und hat eine Erklärung dafür: Norwegen macht strikte Vorgaben. Ab 2027 dürfen in bestimmte Fjorde nur noch „Null-Emissions-Schiffe“. Diesener fordert striktere Vorgaben überall.

Die Aida Cruises folgt auf Platz zwei, das Hamburger Unternehmen Hapag-Lloyd Cruises, das komplett auf Schweröl verzichtet, auf Platz drei. Tui Cruises liegt auf Platz fünf. Schlusslichter sind die italienische Costa Cruises, Phönix Reisen aus Bonn und die britische Marella Cruises.

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