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Kredite werden teurer

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Von: Markus Sievers

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Die EZB beginnt den Einstieg in den Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik.
Die EZB beginnt den Einstieg in den Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik. © imago

Die Zinswende nimmt Gestalt an. Fallen nun die Strafgebühren für Banken?

An die goldenen Zeiten von Wolfgang Schäuble (CDU) als Finanzminister werden sich seine Nachfolger bald wehmütig erinnern. Wenn Schäuble sich Milliarden an den Kapitalmärkten ausleihen musste, bekam er öfter mal noch Geld von den Gläubigern geschenkt. Sie nahmen die negative Rendite bei Bundesanleihen in Kauf, um ihre Euro sicher bei der Bundesrepublik Deutschland zu parken.

Von diesen absurden Zuständen haben sich die Finanzmärkte inzwischen entfernt. Zuletzt steuerten die Rentenmärkte, an denen Anleihen gehandelt werden, mit solchem Tempo auf eine Normalisierung zu, dass Branchengrößen wie der legendäre US-Investor Bill Gross nach Jahrzehnten sinkender Zinsen die Trendwende ausriefen. Vergangene Woche verkaufte der Bund zum ersten Mal in 2018 neue Anleihen. Fünf Milliarden Euro bot er an mit einer Laufzeit von zehn Jahren und einem Zinskupon von 0,50 Prozent. Doch diese Rendite reichte den Anlegern nicht. Nicht genügend Investoren griffen zu. Also musste Bund den Verkaufspreis leicht senken, um mit einer Rendite von 0,54 Prozent genügend Investoren zu finden. Noch vier Wochen zuvor hatte er seine Schuldpapiere für 0,30 Prozent untergebracht.

Dieser Zinssprung steht im Trend. Auch in anderen Euro-Ländern werden Kredite wieder teurer. In den USA bringen zweijährige Staatspapiere sogar so viel wie seit einer Dekade nicht. Für Papiere mit einer längeren Laufzeit von zehn Jahren musste die Regierung in Washington erstmals seit dem Sommer 2011 wieder über zweieinhalb Prozent berappen. Keine guten Nachrichten für US-Präsident Donald Trump, der mit einer ehrgeizigen Steuerreform das Loch im Haushalt deutlich vergrößern dürfte.

Hauptgrund für den Stimmungsumschwung ist die unerwartet starke Konjunktur. Diese wiederum beeinflusst die Geldpolitik auf beiden Seiten des Atlantiks. Die US-Notenbank Fed dürfte in diesem Jahr die Zinsen weiter erhöhen – und das möglicherweise stärker als noch vor kurzem gedacht.

Für zusätzliche Unruhe an den Märkten sorgten Spekulationen, China könne den Kauf amerikanischer Kreditpapiere zurückfahren. Darüber denke die Führung in Peking nach, hieß es in den Handelsräumen. Denn die Volksrepublik wappne sich für den Fall, dass US-Präsident Donald Trump einen Handelskrieg auslösen könnte. Die Chinesen sind längst zum wichtigsten Gläubiger der Vereinigten Staaten aufgestiegen. Sollten sie ihr Kapital woanders hinlenken, müsste die US-Regierung den verbleibenden Investoren noch höhere Renditen bieten, um ihren Kapitalbedarf zu decken.

Von Zinserhöhungen ist die EZB noch weit entfernt

In der Währungsunion verdichten sich zugleich die Hinweise, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ebenfalls über eine Korrektur ihrer Ausrichtung nachdenken könnte. Erstmals bereiten sich die Währungshüter auf eine Änderung ihrer Kommunikation vor, wie die jüngst veröffentlichten Protokolle ihrer Dezember-Sitzung zeigen. Dies gilt als erster Schritt, dem bald Taten folgen könnten. Bislang kauft die EZB jeden Monat für 30 Milliarden Euro Anleihen der Euro-Staaten, um die Renditen an den Märkten zu drücken. Damit hat sie das Volumen bereits um die Hälfte reduziert. Im Oktober beschloss sie, den Umfang weiter zu senken. Bisher ist gesichert, dass die Anleihekäufe bis Ende September 2018 weitergehen.

Von Zinserhöhungen wie in den USA ist die EZB damit noch weit entfernt. Aber sie beginnt den Einstieg in den Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik. Möglicherweise könnte sie demnächst die Strafzinsen für Banken, die Geld bei ihr parken, bald senken. Die Aussicht auf allmählich steigenden Zinsen in der Währungsunion ließen zuletzt auch den Euro zulegen, der auf rund 1,20 Dollar aufwertete. Selbst die Tarifverhandlungen in der Metallindustrie könnten ein Argument sein, um auf eine Zinswende zu wetten. Ein solider Lohnzuwachs in der wichtigsten Branche Deutschlands könnte die EZB zu einem früheren Ende ihre Anleihekäufe bewegen, glaubt Michael Rottmann von der Bank Unicredit. Denn wenn die Löhne steigen, nehmen auch die Inflationserwartungen zu.

Kleinsparer bekommen von all dem wenig zu spüren. Sie werden weiter mit Minirenditen abgespeist. Bauherren dagegen zahlen schon etwas mehr. Für zehnjährige Baudarlehen verlangen Banken etwa 1,3 Prozent. Das ist immer noch sehr wenig, aber spürbar mehr als die rund ein Prozent von Herbst 2016. Dennoch müssen sich Immobilienkäufer wenig Sorgen machen, dass die alten Zeiten mit Hypothekenzinsen von fünf Prozent und mehr anbrechen könnten. Wenn dann zeichnet sich eine vorsichtige Trendwende ab.

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