Hilfe für Verbraucher

Der Kredit wird eingefroren

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Kunden können ihre Zins- und Tilgungszahlungen einfach aussetzen, wenn sie in Not sind.

Der Bundestag hat am Mittwoch weitreichende Erleichterungen für Menschen beschlossen, die wegen der Corona-Krise ihre Kredite nicht mehr bedienen können. Der Bundesrat muss am heutigen Freitag noch zustimmen, doch das gilt als reine Formsache. Die FR erklärt den Inhalt des Beschlusses.

Um welche Art von Kreditverträgen geht es?

Im Gesetz ist von Verbraucherdarlehensverträgen die Rede. Das sind sowohl Ratenkredite, die ein Kunde zum Beispiel im Einzelhandel für den Kauf einer Waschmaschine aufgenommen hat, als auch Hypothekenkredite für die Finanzierung des Eigenheims oder ein Kredit für den Kauf eines Autos. Es geht allerdings nur um Darlehen, die man als Privatperson aufgenommen hat - Unternehmenskredite fallen nicht unter die Regelung. Im Gesetz hat sich die Bundesregierung allerdings das Recht einräumen lassen, die Stundung auch auf Kleinstunternehmer auszuweiten. Das wären Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern und einem Umsatz von maximal zwei Millionen Euro im Jahr. So weit ist es aber noch nicht.

Welche Erleichterungen gibt es?

Wer vor dem 15. März 2020 einen Kredit aufgenommen hat und diesen wegen Corona nicht mehr bedienen kann, der darf seine Zins-, Tilgungs-, oder Rückzahlungsleistungen ab dem 1. April bis zum 30. Juni aussetzen.

Was müssen betroffene Verbraucher jetzt tun?

Die Banken und Sparkassen haben betroffene Kunden in einer gemeinsamen Mitteilung ihrer Interessenvertretung „Deutsche Kreditwirtschaft“ am Donnerstag aufgefordert, „so bald wie möglich Kontakt zu ihrer Bank oder Sparkasse aufzunehmen, um ihre durch die Pandemie eingetretenen Einnahmeausfälle gegenüber der Bank nachzuweisen.“ Das kann etwa eine Bescheinigung des Arbeitgebers sein, dass der Kunde in Kurzarbeit ist, oder schlichtweg ein Kontoauszug, der zeigt, dass keine Einnahmen mehr fließen. Der Kunde muss nicht persönlich bei der Bank vorsprechen, eine Email, ein Fax oder ein Anruf reichen aus. Die Bank ist dann verpflichtet, ein Beratungsgespräch anzubieten. Wer danach immer noch seine Zahlungen aussetzen möchte, kann das durch das Gesetz automatisch: Der Kunde muss mit der Bank keinen Vertrag schließen oder formelle Anträge ausfüllen, die Zinszahlungs- und Tilgungspflicht entfällt schlichtweg.

Müssen die Kunden die gestundeten Zahlungen nachholen?

Ja, die Zahlungen müssen nachgeholt werden. Damit aber in einer Übergangszeit die laufenden und die gestundeten Raten nicht doppelt bezahlt werden müssen, wird der Vertrag insgesamt um drei Monate verlängert.

Kann man seine Zins- und Tilgungszahlungen auch weiterführen, aber reduzieren?

Das Gesetz sieht nur eine komplette Aussetzung der Zahlungen vor. Natürlich kann ein Kunde mit seiner Bank bilateral aushandeln, reduzierte Raten zu zahlen - aber dann bedarf es neuer Verträge.

Müssen alle Banken mitmachen?

Ja. Die Banken müssen die Stundung laut Gesetz auf jeden Fall gewähren, wenn der Kunde seine Notlage nachweisen kann.

Wie werden die Banken für die Ausfälle entschädigt?

Gar nicht. Den Banken werden durch das Moratorium schlichtweg Zinserträge für dieses Jahr entgehen. Im besten Fall verschieben sich diese Einnahmen einfach in die Zukunft.

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