Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Banken prüfen streng die Finanzen, doch die Lebensverhältnisse können sich unerwartet ändern. Was zu tun ist, wenn die Kreditlast zu hoch wird.
+
Die Banken prüfen streng die Finanzen, doch die Lebensverhältnisse können sich unerwartet ändern. Was zu tun ist, wenn die Kreditlast zu hoch wird.

Schulden

Kreditlast zu hoch: Wie sie trotz Schulden eine Insolvenz verhindern

  • vonMechthild Hennecke
    schließen

Wer einen Kredit nicht bedienen kann, sollte nicht warten, sondern schnell gegensteuern. Insolvenzberatungsstellen bieten Hilfe und weisen Wege aus der Verschuldung.

Wohnungskauf, Geschäftsgründung oder Autofinanzierung – die Gründe, einen Kredit aufzunehmen sind vielfältig. Die Banken prüfen streng die Finanzen, doch die Lebensverhältnisse können sich unerwartet ändern. Die Pandemie hat die Einkommensverhältnisse vieler Menschen dramatisch verschlechtert.

Jeder achte Berliner sei überschuldet, berichtet die Landesarbeitsgemeinschaft Schuldner- und Insolvenzberatung Berlin – insgesamt rund 366 000 Menschen. Wir erklären, welche Schritte zu unternehmen sind, wenn die Kreditlast zu hoch wird.

Kredit: Was tun, wenn die Kreditlast überhandnimmt – Kontakt zur Bank aufnehmen

Die Bank kontaktieren: Bei drohender Zahlungsunfähigkeit kommt es vor allem auf eine frühzeitige Reaktion an: „Wichtig ist, schnell das Gespräch mit der Bank zu suchen und nicht den Kopf in den Sand zu stecken“, sagt Susanne Fairlie-Schade von der Schuldner- und Insolvenzberatung für Kleinstselbstständige bei der Berliner Stadtmission.

Wer die Kreditraten nicht zahlen kann, sollte unverzüglich Kontakt mit seiner Bank aufnehmen, um mit dem Kreditberater zu sprechen. „Dann kann man häufig noch viel vereinbaren – anders als wenn man gar nicht zahlt und die Bank einen Titel erwirkt“, erklärt Fairlie-Schade, die zugleich Vorstandsmitglied der Landesarbeitsgemeinschaft Schuldner- und Insolvenzberatung Berlin ist. Eine einheitliche Vorgabe, wie Banken in so einem Fall vorgehen, gibt es nicht und die Banken seien unterschiedlich gnädig. „Es kommt zum Beispiel darauf an, wie lange man Kunde ist“, sagt Fairlie-Schade, die Selbstständige und Kleinstunternehmen bei Überschuldung und drohender Insolvenz berät.

Kreditlast zu hoch: Kreditraten gemeinsam anpassen

Reduzierung der Kreditraten: Das gängigste Verfahren ist es, die Tilgung der Schuld zu reduzieren, die Zinsen jedoch weiterzuzahlen. „Dafür hat man in der Corona-Zeit gute Argumente, aber es gibt darauf leider keinen Rechtsanspruch“, sagt Fairlie-Schade. „Es gibt auch die Möglichkeit, dass man die Tilgung ganz aussetzt, aber das machen die Banken nicht so gern.“ Man könne auch versuchen, die ganze Monatsrate zu stunden. Im vergangenen Jahr hatte der Gesetzgeber Kreditnehmern bei Immobilienkrediten einen dreimonatigen Anspruch auf komplette Stundung eingeräumt, dieser wurde aber nicht verlängert.

Deshalb müsse man jetzt versuchen, so eine Regelung mit der Bank auszuhandeln. Eine andere Variante sei es, einen neuen Kredit auszuhandeln – mit einer längeren Laufzeit oder einem niedrigeren Zinssatz. „Man muss versuchen, dass die Bank sich darauf einlässt“, so die Beraterin. Verwandte werden nicht zur Tilgung der Schulden herangezogen, es sei denn, sie haben für den Kredit gebürgt.

Kommt es zu keiner Einigung mit der Bank, erhält der Kreditnehmende drei Mahnungen. „Danach kann der gesamte Kredit fällig gestellt werden“, sagt Fairlie-Schade. Das könne schnell gehen. Dem Mahnverfahren folgt ein Vollstreckungsbescheid und die Pfändung. Sobald Gläubiger:innen einen Pfändungs- und Überweisungsbeschluss besitzen, können sie das Geld auf den Konten der Schuldner:innen sowie ihre Privatvermögen beschlagnahmen.

Insolvenz nach Kredit: Beratungen nehmen in Corona-Zeiten zu

Insolvenz: Kommt es zur Zahlungsunfähigkeit, bietet das Gesetz die Möglichkeit der Insolvenz als letzten Ausweg, sich von dem Schuldenberg zu befreien. „Wir rechnen wegen Corona mit einem erhöhten Anstieg zusätzlicher Insolvenzen“, sagt Fairlie-Schade. Hiervon seien vor allem Menschen, die in Kurzarbeit sind, oder Kleinstselbstständige betroffen, die nicht arbeiten dürfen und bei denen die Corona-Hilfen nicht ausreichen. „Da wird es eine Riesenwelle geben.“ Schon jetzt kämen unter anderem viele Gastronominnen, Künstler sowie Mitarbeiterinnen der Event-, Fitness- oder Kulturbranche zur Beratung.

Insolvenzen in Deutschland nach JahrenAnzahl der Insolvenzen
202075.044
2019104.069
2018109.584
2017115.632\t
2016122.514
2015127.438
Quelle. Statistisches Bundesamt

Insolvenzverfahren: Welches Verfahren das richtige ist

Verfahren: Rechtlich gibt es zwei Verfahren für natürliche Personen – die sogenannte Privatinsolvenz: Die Regelinsolvenz ist für Personen mit Einkünften aus selbständiger Tätigkeit, also Freiberufler:innen, Gewerbetreibende und Unternehmer:innen sowie für ehemalige Selbständige mit mehr als 20 Gläubiger:innen oder Forderungen von ehemaligen Arbeitnehmer:innen wie Lohn oder Sozialversicherungsbeiträgen.

Für alle anderen ist die Verbraucherinsolvenz das richtige Verfahren. Dabei ist zusätzlich ein außergerichtliches Vergleichsverfahren vorgeschaltet. „Dieser Schritt soll die Verbraucher schützen, damit diese nicht blauäugig in so ein Verfahren gehen“, sagt Fairlie-Schade. Die Kreditnehmenden müssen zunächst mit Unterstützung einer staatlich anerkannten Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle oder eine Anwältin versuchen, sich mit den Gläubiger:innen zu einigen.

Schulden: Wo gibt es anerkannte Beratungsstellen?

Beratung: Um eine staatlich anerkannte Schuldner- und Beratungsstelle zu finden, lohne sich ein Blick in das Verzeichnis unter meine-schulden.de/beratung, erläutert Volker Haug, Mitarbeiter der Geschäftsstelle der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung sowie der Caritas Wiesbaden-Rheingau-Taunus.

Mit Hilfe der Schuldner-Beratungsstelle wird der Bank und allen anderen Gläubiger:innen ein Schuldenbereinigungsplan vorgelegt, um zu versuchen, eine außergerichtliche Lösung mit allen Gläubiger:innen zu finden. Fairlie-Schade erklärt: „Erst wenn dieser Versuch scheitert, kann ein Verbraucherinsolvenzverfahren eingeleitet werden.“ Das Insolvenzgericht prüft diesen zunächst auf seine Zulässigkeit und ist diese gegeben, eröffnet es das Insolvenzverfahren.

Insolvenz: Wann die Restschuldbefreiung erklärt wird

Restschuldbefreiung: Das Insolvenzverfahren dauert nach der Eröffnung durch das Gericht im Regelfall drei Jahre. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens setzt das Gericht eine Insolvenzverwalterin ein, die das Vermögen des Schuldners verwertet. Außerdem muss der Schuldner seinen pfändbaren Anteil des Einkommens für die Dauer von drei Jahren an die Insolvenzverwalterin abführen. Ferner hat der Schuldner bestimmte Mitwirkungs- und Auskunftspflichten und Obliegenheiten. Fairlie-Schade betont: „Hält er diese ein, wird am Ende per Gerichtsbeschluss die Restschuldbefreiung erklärt.“

Ist die Restschuldbefreiung rechtskräftig, ist der Mensch schuldenfrei – egal, wie hoch die Restschuld war. Ausnahmen bestehen nur für Schulden aus vorsätzlichen Straftaten und Ähnlichem. Fairlie-Schade ergänzt: „Der Schufa-Eintrag bleibt jedoch noch drei weitere Jahre bestehen.“ (Mechthild Hennecke)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare