FR-Telefonaktion

Krankheit und Pflege absichern

FR-Telefonaktion Versicherungsexpertinnen haben Fragen unserer Leserinnen und Leser rund um das Thema Gesundheit beantwortet.

Ich habe sehr wenig Geld. Aber falls ich gepflegt werden muss, kommt doch die Pflegeversicherung für alles auf, nicht?

Nein. Sind Sie gesetzlich versichert, zahlt die Pflegekasse zwar. Das reicht aber meist nicht aus, um alle Kosten zu decken. Wenn Sie nichts zurückgelegt haben, springt das Sozialamt für Sie ein, holt sich aber das Geld von Ihren Kindern zurück: Künftig allerdings erst, wenn ein Jahresbruttoeinkommen ab 100 000 Euro je unterhaltsverpflichteter Person bezogen wird.

Erhalte ich als Beamter im Pflegefall Beihilfe?

Die Beihilfe deckt zusammen mit den Leistungen Ihrer Pflegepflichtversicherung nur so viel ab, wie die gesetzliche Pflegekasse zum Beispiel einem Arbeitnehmer zahlen würde. Die tatsächlichen Kosten sind jedoch oft deutlich höher. Nur wenn die Kosten für Unterkunft und Verpflegung und die Investitionskosten im Pflegeheim einen bestimmten Prozentsatz ihres Einkommens übersteigen, erhalten Sie zusätzliches Geld von der Beihilfe.

Was bedeutet eine Wartezeit von fünf Jahren beim geförderten Pflege-Bahr?

Sie erhalten dann in den ersten fünf Vertragsjahren keine Leistungen. Erst danach zahlt die Versicherung. In ungeförderten Tarifen verzichten die Versicherer dagegen oft auf Wartezeiten.

Wie werden Pflegebedürftige begutachtet?

Die Begutachtung schließt neben körperlichen auch psychische und geistige Beeinträchtigungen ein. Ein Gutachter prüft anhand von 64 Kriterien in sechs Lebensbereichen wie viel Selbständigkeit noch vorliegt. Die Bereiche umfassen: Mobilität, geistige und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen sowie die Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte.

Wann kann ich mit einer Entscheidung über unseren Pflegeantrag rechnen?

Es muss eine Entscheidung innerhalb von fünf Wochen getroffen werden. Diese Frist ist wegen Corona bis zum 30. September 2020 ausgesetzt. Gutachten erfolgen bereits seit etwa März ohne Personenkontakt nach Aktenlage und gegebenenfalls ergänzendem Telefonkontakt.

Unser Pflegeantrag wurde abgelehnt. Was können wir unternehmen?

Wenden Sie sich am besten an Ihre Pflegekasse und fordern Sie das Gutachten des Medizinischen Dienstes an. Schauen Sie darin nach, welcher Bedarf an Hilfe festgestellt wurde. Vergleichen Sie diesen mit dem tatsächlichen Bedarf in Ihrem Pflegealltag. Wenn Sie feststellen sollten, dass es Unterschiede gibt, legen Sie Widerspruch ein. Bei der Einschätzung des Pflegebedarfs kann ein Pflegegradrechner einer seriösen Internetseite hilfreich sein.

Wie hoch ist der momentane Beitrag zur gesetzlichen Pflegeversicherung?

Dieser liegt momentan bei 3,05 Prozent, für Kinderlose bei 3,30 Prozent.

Worauf sollte ich beim Abschluss der Pflegetagegeldversicherung achten?

Die Versicherung sollte in ausreichender Höhe bei allen Pflegegraden zahlen. Eine richtig gute Versicherung hätten Sie, wenn Sie im Pflegefall keinen Beitrag mehr zahlen müssen, und das bei steigenden Leistungen.

Was unterscheidet die Pflegetagegeldversicherung von der Pflegekosten- und der Pflegerentenversicherung?

Bei einer Pflegetagegeldversicherung kann der Versicherte wählen, wofür er im Pflegefall das Geld ausgibt. Ob zum Beispiel für eine Bekannte, die ihn unterstützt oder für den professionellen Pflegedienst. Bei einer Pflegekostenversicherung verlangt der Versicherer in manchen Tarifen die Vorlage von Rechnungen und helfende Verwandte oder Freunde werden deutlich geringer bezahlt als die professionelle Pflege. Bei der Pflegerentenversicherung zahlt der Versicherer im Pflegefall eine monatliche Rente in der vereinbarten Höhe. Die Höhe der Leistung richtet sich nach dem Ausmaß der Pflegebedürftigkeit. Die Pflegerentenversicherung ist teuer, aber Kunden bekommen einen Teil ihrer eingezahlten Beiträge zurück, falls sie kündigen müssen.

Lohnt sich für mich mit 70 Jahren eine Pflegezusatzversicherung?

Die Expertinnen

Doris Wernz ist Versicherungsfachfrau und zudem Steuerfachangestellte. Seit 2002 berät sie HUK-Kunden in der Geschäftsstelle Frankfurt bei Versicherungsfragen zur Gesundheitsvorsorge sowie zur privaten Einkommenssicherung bei Krankheit, Pflege und im Rentenalter.

Daniela Hubloher ist Medizinerin und berät seit knapp 20 Jahren in der Patientenberatung der Verbraucherzentrale Hessen zu Themen im Gesundheitsbereich, wie zur gesetzlichen und privaten Krankenversicherung und Pflegeversicherung.

Monika Steinbring ist Volljuristin und Bezirksgeschäftsführerin beim Sozialverbandes VDK Hessen-Thüringen in Fulda. Sie berät und vertritt die Mitglieder des Verbandes außergerichtlich und gerichtlich auf allen Gebieten des Sozialrechts, wie zum Beispiel Pflege- und Schwerbehindertenrecht.

In Ihrem Fall dürfte es schwierig werden, überhaupt eine Versicherung zu finden, die einen Vertrag abzuschließen bereit ist.

In welchem Alter sollte man eine Zusatzversicherung abschließen?

Je jünger jemand ist, desto günstiger ist der Beitrag, weil noch länger eingezahlt wird. Andererseits sollte sich jeder erst einmal um eine Berufsunfähigkeitsversicherung und seine Altersvorsorge kümmern. Dies ist auch eine Frage des persönlichen Einkommens, auf lange Sicht.

Ich kann nicht in die private Krankenkasse wechseln. Ist eine private Krankenzusatzversicherung für mich sinnvoll?

Eine Krankenzusatzversicherung erweitert den Versicherungsschutz der gesetzlichen Krankenversicherung entsprechend Ihrer persönlichen Wünsche und Bedürfnisse, zum Beispiel mit folgenden Leistungen: Brillen und Kontaktlinsen, Behandlungen durch einen Heilpraktiker, Zahnersatz, Chefarztbehandlung im Krankenhaus und die Unterbringung im Ein- beziehungsweise Zweibettzimmer, Krankentagegeld für Arbeitnehmer und Selbständige sowie Krankenhaustagegeld.

Trägt eine private Zusatzversicherung auch die Kosten für eine Kur?

Ja, eine Kur kann ein gesonderter Baustein in der Zusatzkrankenversicherung sein. In diesem Fall werden auch die Zuzahlungen, die bei einer Kur erbracht werden müssen, von der Versicherung gemäß den Vereinbarungen erstattet.

Zahlt eine Krankenzusatzversicherung für alle Therapiephasen infolge eines Unfalls?

Bei einer privaten Zusatzversicherung richten sich die Leistungen ausschließlich nach dem abgeschlossenen Vertrag und dem Tarif, den der Versicherte gewählt hat. Achten Sie vor Vertragsabschluss auf die Details in den Versicherungskonditionen.

Wie viel kostet eine private Krankenzusatzversicherung?

Die jeweiligen Beiträge richten sich nach dem vereinbarten Leistungspaket, dem Eintrittsalter und dem Gesundheitszustand des Versicherten.

Ich bin 63 Jahre alt. Ist es für mich sinnvoll, bestehende Krankenzusatzversicherungen nochmal zu wechseln?

Da Sie bereits seit über 15 Jahren versichert sind, ist dies nicht empfehlenswert. Sie würden bei einem neuen Vertragsabschluss nach Ihrem jetzigen Alter bewertet und müssten sich vermutlich einer erneuten Gesundheitsprüfung unterziehen.

Ich erwäge, mich in Sachen Zähne zusätzlich abzusichern. Welche Leistungen sind bei Zahnzusatzversicherungen möglich?

In der Regel können Sie Zahnersatz, Implantate und Inlays versichern lassen. Aber auch Maßnahmen aus dem Bereich Zahnbehandlung, wie zum Beispiel professionelle Zahnreinigung und besondere Zahnfüllungen, können Inhalt von Zahnzusatztarifen sein. Die Leistungen des Versicherers sind allerdings begrenzt. Wählen Sie einen Tarif, der zu Ihrem Einkommen und zu Ihrem Gesundheitszustand passt.

Mit welchen Beiträgen muss ich bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung rechnen?

Wie viel Sie für eine Berufsunfähigkeitsversicherung zahlen müssen, hängt ab von persönlichen Merkmalen wie Ihrem Alter, Ihrem Beruf und Ihrer Gesundheit. Je geringer das Risiko einer Berufsunfähigkeit, desto niedriger sind die von Ihnen zu zahlenden Beiträge.

Wer gilt versicherungsrechtlich als berufsunfähig?

Als berufsunfähig, laut Versicherungsbedingungen, gilt eine Person, die infolge von Krankheit, Unfall oder dem Verfall von geistigen oder körperlichen Kräften ihren Beruf nicht mehr oder nur noch zum Teil ausführen kann. Die meisten Versicherungsgesellschaften unterscheiden zwischen 50 und 100 prozentiger Berufsfähigkeit.

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