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Paketzustellung: Knochenjob unter Zeitdruck.

Online-Handel

Krankenkassen-Report: Paketboten unter Stress

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Zusteller sind deutlich länger krank als der Durchschnitt der Bevölkerung, das zeigt ein Report der Techniker-Krankenkasse.

Der Online-Handel in Deutschland brummt – besonders in der Vorweihnachtszeit. Für die Zusteller hat das negative Folgen, wie ein Report der Techniker Krankenkasse zeigt. Die Kasse richtet einen Appell nicht nur an die Arbeitgeber, sondern auch an die Kunden.

Der boomende Online-Handel in Deutschland, der gerade in der Vorweihnachtszeit neue Rekorde erreicht, hat seine Schattenseiten: Paket- und Postzusteller, die bei Wind und Wetter ihre Kunden beliefern müssen, sind deutlich länger krank als der Durchschnitt aller Beschäftigten. Das zeigt eine Sonderauswertung des aktuellen Gesundheitsreports der Techniker Krankenkasse (TK), die dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Statistisch gesehen waren sie mit 25,2 Fehltagen pro Kopf rund zehn Tage länger krankgeschrieben als Berufstätige insgesamt mit 15,5 Tagen.

„Besonders die körperliche Belastung und das Verletzungsrisiko sind in den Zustellberufen hoch“, so Albrecht Wehner, bei der TK verantwortlich für die Gesundheitsberichterstattung. Hinzu komme eine hohe psychische Belastung. „Zeitdruck, hohes Verkehrsaufkommen auf den Straßen und teilweise auch unzufriedene Kunden sind alles Faktoren, die für ein hohes Stresslevel sorgen und die Psyche angreifen können“, sagte er dem RND.

Das bestätigen auch die Zahlen aus dem Gesundheitsreport: Post- und Paketzusteller mussten aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen mit rund sieben Tagen mehr als doppelt so lange zu Hause bleiben wie der Durchschnitt der Beschäftigten mit dieser Diagnose (2,7 Tage). 3,8 Tage entfielen auf Verletzungen und Vergiftungen (Durchschnitt 1,6) und 3,5 Tage auf psychische Erkrankungen wie Depressionen und Belastungsstörungen (Durchschnitt 2,8).

Die TK forderte die Arbeitgeber in der Zustellbranche auf, mehr in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu investieren. „Das können strukturelle Veränderungen zur Stressreduktion sein, wie zum Beispiel ausreichend Zeit für Lieferungen einzuplanen oder durch Tracking Transparenz für Kunden zu schaffen“, forderte Wehner. Aber auch gezielte Angebote wie zum Beispiel Rückentrainings für den körperlichen Ausgleich oder Maßnahmen zur Stressprävention seien sinnvoll. Er appellierte aber auch an die Kunden, die schwierigen Arbeitsbedingungen der Zusteller zu berücksichtigen: „Manchmal reicht schon ein einfaches Dankeschön an der Haustür für das pünktlich gelieferte Paket, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu motivieren, weiterhin ihr Bestes zu geben.“

Für den Gesundheitsreport 2019 hat die TK die Krankschreibungen und Arzneimittelverordnungen der rund 10,3 Millionen bei der TK versicherten Beschäftigten ausgewertet. Die TK ist die größte gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland.

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