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In kleinen Krankenhäusern gibt es immer wieder unnnötige Verzögerungen bei der Behandlung von Herzinfarkten, Schlaganfällen und anderen akuten Krankheiten.

Gesundheitsversorgung

Im Notfall in eine kleine Klinik? Das kann gefährlich sein

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Für Notfälle wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle brauchen wir größere Krankenhauszentren. Diese Erkenntnis ignoriert Gesundheitsminister Jens Spahn.

Hartnäckig hält sich in vielen Köpfen die Auffassung, das deutsche sei eins der besten, wenn nicht das beste Gesundheitssystem der Welt. Dieser Glaube belegt nicht nur mangelndes Wissen über andere Länder, sondern auch den fehlenden Abstand wichtiger Akteure des deutschen Gesundheitswesens zum eigenen Wirkungsbereich.

Die ambulante Versorgungslandschaft ist durch eine Vielzahl von Privatunternehmen gekennzeichnet, die extrem ungleich zwischen Stadt und Land, aber auch zwischen wohlhabenderen und ärmeren Bezirken verteilt sind. Vernachlässigte Prävention, fehlende Vernetzung zwischen konkurrierenden Arztpraxen sowie zwischen Praxen und Krankenhäusern, aber auch unübersehbare Unterschiede in Engagement und fachlichem Wissen beeinflussen die Behandlungsqualität und lassen die ambulante Versorgung für Patienten vielfach zu einem Vabanquespiel werden.

Gastwirtschaft

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Jens Holst, Facharzt für Innere Medizin, gesundheitspolitischer Berater und hat eine Professur für Global Health an der Hochschule Fulda.

Nun hat eine Studie des Iges-Instituts im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung den Finger in die Wunden der Krankenhausversorgung gelegt. Es folgte ein großer Aufschrei der üblichen Verdächtigen. Der kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch in der stationären Versorgung große Unterschiede bestehen. Besondere Herausforderungen für eine gute stationäre Versorgung in Deutschland ergeben sich aus der Vielzahl kleinerer Häuser: Rund zwei Drittel der über 2000 Krankenhäuser in Deutschland haben weniger als 300, jedes dritte Haus sogar weniger als 100 Betten.

Kleine Krankenhäuser erfüllen oft nicht die vorgegebenen Mindestmengen, eine wichtige Voraussetzung für gute Qualität. Zudem sind kleine Hospitäler kaum in der Lage, alle erforderlichen diagnostischen Einrichtungen vorzuhalten. Sie tragen zum Pflegenotstand bei, haben aber keine rund um die Uhr verfügbaren Fachärzte, die schnelle Therapieentscheidungen treffen können. Das führt zu unnötigen Verzögerungen bei der Behandlung von Herzinfarkten, Schlaganfällen und anderen akuten Krankheiten.

Jens Holst

Anders als noch vor 20 Jahren sind die Überlebenschancen bei solchen Notfällen in Deutschland schlechter als beispielsweise in Dänemark, das auf größere Krankenhauszentren mit umfassender Versorgung setzt. Solche Erkenntnisse ignoriert der sonst so übereifrige Gesundheitsminister Jens Spahn bisher.

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