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Der Lufthansa ging es ausgesprochen gut. Doch dann kam die Corona-Pandemie.

Rettungspaket

Der Kranich ist gerettet

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Der Bund rettet die Lufthansa mit neun Milliarden Euro. Die Fluggesellschaft muss nun zeigen, wie wertvoll sie für unsere Volkswirtschaft ist.

Das Rettungspaket für die Lufthansa steht. Details müssen aber noch ausgehandelt werden. Mit einem Volumen von rund neun Milliarden Euro ist es die bislang größte staatliche Hilfsaktion in der Corona-Krise. Sie besteht aus vier Komponenten. Es handelt sich um einen Kompromiss, der den Einfluss der Bundesregierung auf die Geschäfte von Deutschlands größter Airline beschränken soll.

Die Lufthansa teilte in einer Ad-hoc-Meldung in der Nacht zum Donnerstag mit, zu den „Stabilisierungsmaßnahmen“ gehöre ein Kredit über drei Milliarden Euro durch die staatliche Förderbank KFW. Zweitens will der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) eine „stille Einlage“ leisten, deren Höhe nicht genannt wird – der WSF wurde für staatliche Beteiligungen an Unternehmen gegründet. Bei stillen Einlagen wird einem Unternehmen Geld zur Verfügung gestellt, der Finanzier hält sich aus der geschäftlichen Tätigkeit heraus, er wird aber als Gegenleistung in der Regel am Gewinn beteiligt.

Der Fonds wird drittens dem Unternehmen über den Kauf neuer Aktien Eigenkapital zur Verfügung stellen. So würde der Staat einen Anteil von 20 Prozent an den Dividendenpapieren erhalten. Und es ist viertens geplant, dass der WSF der Lufthansa eine Anleihe abkauft, die in Aktien umgewandelt werden kann, womit sein Anteil auf 25 Prozent steigen würde. Damit hätte der Staat eine Sperrminorität und müsste bei allen wichtigen strategischen Schritten gefragt werden. Dieser Mechanismus soll aber nur aktiviert werden, wenn eine feindliche Übernahme droht.

Zwei Sitze im Aufsichtsrat der Lufthansa

Die Bedingungen für den Einstieg des Bundes: Zwei Sitze im Aufsichtsrat sollen „in Abstimmung mit der Bundesregierung“ besetzt werden, so die Lufthansa. Bis auf weiteres darf das Unternehmen keine Dividenden zahlen und es gibt „Beschränkungen der Managementvergütung“.

Das Paket muss von einer außerordentlichen Hauptversammlung abgesegnet werden. Da dürfte es heftige Diskussionen geben. Denn mit der Kapitalerhöhung schrumpft der Wert der Anteilscheine, die die bisherigen Aktionäre halten. Die Hilfen müssen auch von der EU-Kommission genehmigt werden. Hier droht Ärger. Michael O’Leary, Chef des Rivalen Ryanair, hat Klagen gegen staatliche Rettungspakete angekündigt. Beim Kranich geht es auch um Geld der Regierungen von Österreich, Belgien und der Schweiz für die Töchter AUA, Brussels und Swiss.

Klar ist: die Lufthansa braucht Hilfe. Laut Konzernchef Carsten Spohr schwinden die liquiden Mittel monatlich um 800 Millionen Euro. Zwar hat das Unternehmen noch Reserven von etwa vier Milliarden Euro. Aber davon müssen 1,2 Milliarden Euro abgezogen werden, das sind ausstehende Rückerstattungen für nicht durchgeführte Flüge.

Seit Wochen wird über die Modalitäten des Staatseinstiegs gerungen. Spohr hat vielfach betont, dass sein Unternehmen unverschuldet in eine existenzielle Krise geraten sei. Der Luftverkehr ist durch die Corona-Beschränkungen fast vollständig zum Erliegen gekommen. Spohr hat daraus einen Anspruch auf staatliche Hilfe abgeleitet. Er hat sich aber gegen einen direkten Einfluss der Regierung gewehrt. So soll er einen Staatsanteil in Höhe der Sperrminorität (also 25 Prozent) abgelehnt haben, den Finanz- und Wirtschaftsministerium nach Angaben von Insidern durchsetzen wollten. Doch die 25 Prozent waren auch innerhalb der Union umstritten. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte vor einer „Halbverstaatlichung“ gewarnt.

Börsenwert der Lufthansa im Keller

Am nun gefundenen Kompromiss dürfte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) größeren Anteil haben. Er hatte darauf hingewiesen, dass Deutschland „eine im Weltmaßstab wettbewerbsfähige Airline“ brauche und dass die Lufthansa deshalb gegen feindliche Übernahmen aus China, den USA und durch Staaten am Persischen Golf geschützt werden müsse.

Tatsächlich ist die Fluggesellschaft angreifbar, ihr Börsenwert beträgt noch knapp vier Milliarden Euro. Allerdings stellt sich die Frage, ob es derzeit überhaupt Airline-Manager gibt, die an solche Deals denken. Denn alle Fluglinien haben schwer zu kämpfen.

Spohr will die Lufthansa-Flotte dauerhaft deutlich schrumpfen und zwar um etwa 100 Maschinen, derzeit hat die Lufthansa noch gut 760 Jets. Nach aktuellen Planungen sollen aber auch im nächsten Jahr 300 Jets am Boden bleiben. 200 sollen 2022 noch außer Dienst sein. Das eingeschränkte Flugprogramm hat erhebliche Auswirkungen auf die Beschäftigten. Spohr hat betont, dass mit 100 Fliegern weniger rechnerisch etwa 10 000 Arbeitsplätze zur Disposition stehen. Schwierige Verhandlungen stehen bevor. Wobei die Arbeitnehmerseite sich im Aufsichtsrat künftig mit den Abgesandten der Bundesregierung verbünden könnte, um in dem Kontrollgremium eine Mehrheit zu bilden.

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