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ARCHIV - Blauer Himmel spannt sich am 24.05.2012 über einem Windrad auf einem Feld bei Hohenhameln (Landkreis Peine). Mit voller Wucht bekamen Eon und RWE vor einem Jahr die Auswirkungen der Energiewende zu spüren. Mit Sparprogrammen und Konzernumbau halten sie dagegen. Ein Jahr später ist das tiefe Loch überwunden, aber eine Menge Arbeit ist noch zu tun. Foto: Julian Stratenschulte dpa/lnw (zu dpa-Korr:"Licht bei Eon - Schatten bei RWE" vom 10.08.2012)  +++(c) dpa - Bildfunk+++
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ARCHIV - Blauer Himmel spannt sich am 24.05.2012 über einem Windrad auf einem Feld bei Hohenhameln (Landkreis Peine). Mit voller Wucht bekamen Eon und RWE vor einem Jahr die Auswirkungen der Energiewende zu spüren. Mit Sparprogrammen und Konzernumbau halten sie dagegen. Ein Jahr später ist das tiefe Loch überwunden, aber eine Menge Arbeit ist noch zu tun. Foto: Julian Stratenschulte dpa/lnw (zu dpa-Korr:«Licht bei Eon - Schatten bei RWE» vom 10.08.2012) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Erneuerbare Energien

Kraftakt der Konzerne

  • Frank-Thomas Wenzel
    VonFrank-Thomas Wenzel
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Wie sich die deutschen Energieriesen retten wollen. Das Projekt RWE International startet am 1. April. Damit will sich RWE Geld beschaffen, um neue Geschäfte mit Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen aufzubauen.

Es ist das waghalsigste Vorhaben in der Geschichte der deutschen Energiewirtschaft. Heute startet das Projekt RWE International. Zum 1. April wechseln 40 000 der 60 000 Beschäftigten in die neue Tochter des Energieriesen aus NRW. Schon Ende des Jahres soll das Unternehmen an die Börse gebracht werden. Damit will sich RWE Geld beschaffen, um neue Geschäfte mit Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen aufzubauen. Der Konzern steht auf der Kippe. Das ist symptomatisch für die gesamte Branche. Umweltschützer werfen vielen Energieriesen Ignoranz und Blindheit vor. Eine Studie im Auftrag von Greenpeace weist nach, wie in den vergangenen zehn Jahren in Europa „Überinvestitionen in überflüssige fossile Kraftwerke“ getätigt wurden. RWE war ganz vorne dabei, obwohl die Energiewende längst Fahrt aufgenommen hatte. Gigantische Überkapazitäten sind entstanden, wodurch die Preise an den Strombörsen abstürzten. Wer sich heute Stromlieferungen für 2017 und 2018 sichern will, kann das schon für rund 20 Euro pro Megawattstunde tun – ein Preis, bei dem kaum ein Großkraftwerk noch Geld verdienen kann. Die Folge: Anlagen werden abgeschrieben. Die Bank UBS hat ausgerechnet, dass in Europa Großkraftwerke mit der Leistung von mehr als 40 AKW dichtgemacht werden müssten, um die Notierungen an den Strombörsen zu stabilisieren. Wir erläutern, was die vier großen deutschen Energiekonzerne tun wollen.

ENBW: Sanfter Umbau

Die Marschrichtung ist klar und sie wird angesichts der Verwerfungen in der Energiebranche mit erstaunlicher Konsequenz betrieben: EnBW-Chef Frank Mastiaux hat als Überlebenskonzept für seinen Konzern die Parole ausgegeben, dass bis 2020 rund 85 Prozent des Gewinns aus den Geschäftsfeldern erneuerbare Energien, Netze und dem Vertrieb an Endkunden kommen soll. Entscheidend dabei ist, Anlagen, die Ökostrom erzeugen, ans Netz zu bringen. EnBW ist da im Vergleich zu den anderen deutschen Energieriesen schon relativ weit. Im vorigen Jahr hat der Konzern den Anteil der Erneuerbaren an der gesamten Erzeugungskapazität des Konzerns von 19 auf knapp 24 Prozent gesteigert. Gleichwohl rechnet Mastiaux damit, dass EnBW auch in diesem Jahr Einbußen vor allem bei den konventionellen Energien hinnehmen muss. Dass es neue Stellenstreichungen gibt, steht fest. Eine Aufspaltung des Konzerns lehnt Mastiaux aber ab.

EON: Bad-Bank-Prinzip

Eon liefert als Branchenriese die Blaupause für den Umbau der Energiekonzerne. Das Konzept ist wiederum dem Prinzip Bad Bank nachempfunden, mit dem in der Finanzkrise Geldhäuser gerettet wurden, die mit voller Wucht an die Wand zu fahren drohten. Die faulen oder nicht mehr lebensfähigen Sparten werden dafür in einer Gesellschaft gebündelt. Das macht es möglich, mit den gesunden und zukunftsträchtigen Geschäften einen Neustart zu wagen. Deshalb wurden vor allem die Gas- und Kohlekraftwerke von Eon in die neue Tochter Uniper ausgelagert. Die Zukunft soll den Erneuerbaren, dem Netzgeschäft und dem Vertrieb gehören. Das ist ein Konstrukt, das für Anleger attraktiv sein soll. Für Eon ist das von großer Relevanz, weil der Konzern stark von Fonds, Pensionskassen und anderen Akteuren am Kapitalmarkt abhängig ist. Eon hat einigermaßen gute Startchancen. Der Düsseldorfer Konzern hat es immerhin geschafft, dass mittlerweile 14 Prozent des erzeugten Stroms aus regenerativen Quellen kommen. Enorm viel verspricht sich das Management vom Netzgeschäft, das in der öffentlichen Debatte meist nur eine stiefmütterliche Rolle fristet. Doch durch die Energiewende mit vielen kleinen und kleinsten Kraftwerken werden die Anforderungen an die Stromnetze immer anspruchsvoller. Eon kann hier viel Know-how bieten.

Vattenfall: Rückzug

Einst war die deutsche Tochter für den schwedischen Staatskonzern Vattenfall eine wichtige Einnahmequelle. Kernkraft und die Braunkohle-Verstromung brachten hohe Renditen. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Die beiden Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel wurden schon im August 2011 stillgelegt. Seither kämpfen die Vattenfall-Manager vor Gerichten und in Verhandlungen mit den Politikern vor allem darum, mit möglichst geringen Belastungen aus dem Kernkraftgeschäft auszusteigen. Es geht um die Kosten für den Abriss der Anlagen und die Endlagerung des Atommülls. Vom Betrieb der Braunkohlekraftwerke in der Lausitz nebst Tagebau will sich Vattenfall ebenfalls verabschieden. Derzeit wird nach Investoren gesucht, die die gigantischen Anlagen, in denen mehr als 30 000 Menschen arbeiten, übernehmen. Ein Bieterverfahren endete vor wenigen Tagen, nun werden die Offerten geprüft. Überragend sind die Angebote nicht.

RWE: Spätstarter

RWE ist der Konzern unter den großen Vier, der den Umbau am längsten herausgezögert hat. Dabei spielt eine große Rolle, dass Kommunen aus Nordrhein-Westfalen die einflussreichste Aktionärsgruppe sind. Dividenden des Energieriesen waren bislang fest in die kommunalen Haushalte eingeplant. Deshalb galt jahrzehntelang das strategische Grundprinzip: keine Experimente. Es wurde konsequent auf Atomkraft und fossile Energieträger gesetzt – Braun- und Steinkohle machen noch immer 60 Prozent der Stromerzeugung aus. Die Erneuerbaren tragen gerade mal fünf Prozent zum Strommix von RWE bei. Ende 2015 kam dann die längst überfällige Wende. Konzernchef Peter Terium startete die Aufspaltung. Es wird eine vorläufig RWE International genannte Tochter geschaffen, die sich um Wind- und Sonnenstrom sowie um Netze und Vertrieb kümmert – analog zu Eon. Zweifel gibt es an den Marktchancen des Spätstarters. Viele Konkurrenten haben bei den Erneuerbaren einen großen Erfahrungsvorsprung, und die Zeiten riesiger Renditen durch großzügige staatliche Förderung sind vorbei. Zugleich kämpfen die Manager der RWE-Mutter darum, die Kosten für den Atomausstieg einzudämmen. Und daneben wird mit der Politik verhandelt, wie es mit der Braunkohle weitergeht, auch hier wird ein Ausstieg irgendwann kommen.

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