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Tesla-Chef Elon Musk Anfang April vor dem Manhattan Federal Courthouse in New York. Damals ordnete das Gericht an, Musk und die SEC sollten sich außergerichtlich einigen.

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Kräfteringen zwischen Elon Musk und US-Börsenaufsicht

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Die Tweets von Tesla-Chef Elon Musk sind berühmt-berüchtigt und der US-Börsenaufsicht ein Dorn im Auge. Nun müssen sich die Parteien auf Geheiß eines Gerichts einigen.

Tesla-Chef Elon Musk liebt Twitter - und Twitter liebt ihn. Mit seinen 25,8 Millionen Followern gehört er zu den einflussreichsten Nutzern des Kurznachrichten-Dienstes. Was der Chef des Elektroautobauers posted, ist dabei nicht immer sinnhaltig. Vergangene Woche etwa ließ sich Musk zum Thema Schafe aus und teilte dann selbst mit: „Ich twittere inzwischen völligen Unsinn.“

In dem Fall interessiert das die US-Börsenaufsicht SEC sicherlich nicht. Sehr wohl aber bemängelte die Behörde in den vergangenen Monaten einige Kurznachrichten, die Musk zu seinem Unternehmen verbreitete und die Anleger nach Ansicht der SEC in die Irre führten. Am Gründonnerstag nun lief eine Frist ab, bis zu der die SEC und Musk sich zum Thema Twitternachrichten einigen sollten. Ohne Resultat: Die Deadline wurde von einem Gericht nun bis Mittwoch verlängert. Zudem sorgten Ende vergangener Woche Neuigkeiten aus dem Tesla-Aufsichtsrat für Aufregung.

Elon Musk stiftet Verwirrung über Twitter

Aber einen Schritt zurück: Was genau stört die SEC an Musks Gebaren? Der exzentrische Tesla-Chef, der auch schon mal während eines Interviews an einem Joint zog und offen über seine Schlaflosigkeit und seinen Dauerkonsum von umstrittenen Schlaftabletten redete, hat über Twitter schon Produktionsziele von Tesla verbreitet, die über den offiziell genannten des Unternehmens lagen. Er stiftete einige Verwirrung, als er Teslas vermeintlichen Rückzug von der Börse ankündigte. Er behauptete sogar, die Finanzierung des dafür nötigen Aktienrückkaufs sei gesichert – was sie aber keineswegs war.

Teslas Aktienkurs bewegte sich auch wegen der Twitter-Nachrichten heftig, er stieg und rutschte ab, Investoren fühlten sich verschaukelt. Nicht zuletzt wegen Musks unberechenbarer Äußerungen schwankte der Tesla-Kurs allein in den vergangenen sechs Monaten zwischen rund 250 und rund 370 Dollar. Mit gut 270 Dollar liegt er derzeit eher am unteren Ende.

Die SEC verpasste dem südafrikanischen Multi-Unternehmer daher einen Maulkorb: Seine Tweets über Tesla müssen vorher im Unternehmen überprüft und freigegeben werden. Musk hält diese Auflage allerdings für eine Einschränkung seiner persönlichen Freiheit und ignorierte sie. Man traf sich vor einem New Yorker Gericht und bekam die Frist zur friedlichen Einigung – mit der Auflage, mindestens eine Stunde miteinander zu reden. Für ein Ergebnis hat das offenbar nicht gereicht, darauf deutet die Verlängerung der Frist hin.

Tesla versucht, Elon Musk besser unter Kontrolle zu bringen

Doch offenbar versucht Tesla auf Druck von Anlegern und der Börsenaufsicht, den Chef besser unter Kontrolle zu bringen. Am Freitag teilte das Unternehmen mit, dass vier Mitglieder den bisher elfköpfigen Aufsichtsrat verlassen werden. Das deutet auf eine deutliche Machtverschiebung hin, denn es scheiden enge Musk-Vertraute aus, dagegen bleiben unabhängige Direktoren, die bereits auf Druck der SEC platziert worden waren.

Auch Antonio Gracias, ein enger Weggefährte Musks, der bisher für die Aufsicht über den Chef zuständig war, soll gehen – allerdings erst in einem Jahr. Das Gremium soll kleiner und effizienter werden und mehr Kompetenz von außen bekommen, heißt es in der Mitteilung zur Hauptversammlung am 11. Juni. Das dürfte auch ein Friedensangebot an die SEC sein, um bis Mittwoch eine Einigung über die Twitter-Gewohnheiten von Musk zu erzielen.

Für den 47-Jährigen wird es auch sonst eine bewegte Woche. Tesla will Neues zum autonomen Fahren vorstellen, und ebenfalls am Mittwoch steht die Zwischenbilanz für das erste Quartal an. Die Erwartungen sind niedrig, es wird mit einem Verlust gerechnet. Immer noch gibt es Probleme mit Fertigung und Vertrieb des neuen Model 3, so dass der Absatz im ersten Quartal enttäuschte. Die Produktion sank auf 77 100 Fahrzeuge. Insgesamt will Tesla in diesem Jahr knapp 400 000 Autos verkaufen, das wäre dank des neuen Model 3 rund die Hälfte mehr als im vergangenen Jahr. Musk hatte sogar einmal 500 000 Autos angekündigt – löschte den Tweet aber schnell wieder.

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