Die Analyse

Der Kopf des chinesischen Drachen in Europa

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China investiert viel Geld in Griechenland. Der Grund sind Handelsinteressen. Hellas soll als Drehscheibe für die neue Seidenstraße dienen.

Für die Bewohner der griechischen Hafenstadt Piräus sind sie längst ein alltäglicher Anblick: die großen Containerschiffe, die an der Insel Salamis vorbei zu den Piers von Perama fahren. An manchen Tagen laufen zwei oder drei dieser Riesen, von denen manche mehr als 20 000 Container transportieren können, das Terminal an. Chinas Staatschef Xi Jinping wird am Montagnachmittag die Anlagen besichtigen. Denn Piräus ist „sein“ Hafen.

2016 übernahm der staatliche chinesische Logistikkonzern Cosco die Mehrheit der bis dahin staatlichen Hafengesellschaft Piräus Port Authority. Zielstrebig bauen die Chinesen den Hafen zu ihrem Tor nach Europa aus. Hier werden die aus Asien kommenden Container von den großen Mutterschiffen zur Verteilung auf andere Mittelmeerhäfen umgeladen oder per Eisenbahn nach Mittel- und Osteuropa transportiert. Piräus ist eine der wichtigsten Drehscheiben des „One Belt, One Road“-Projekts, der neuen Seidenstraße, mit der Xi Jinping in Europa neue Märkte erobern und politisch Einfluss gewinnen will.

Chinesische Analysten sprechen von Piräus als dem „Kopf des chinesischen Drachen in Europa“. In diesem Jahr stieg Piräus zum größten Containerhafen im Mittelmeer auf. Jetzt investiert Cosco rund 800 Millionen Euro, um die Kapazitäten von jährlich 7,5 Millionen Containereinheiten auf zehn Millionen zu steigern. Das Ziel: Piräus soll beim Containerumschlag Hamburg und Bremerhaven überholen und zur Nummer drei in Europa werden.

Beim Besuch der Containerterminals wird Xi Jinping vom griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis begleitet. Die beiden Männer haben sich erst Anfang dieser Woche in Shanghai getroffen, wo Mitsotakis mit einer 60-köpfigen Unternehmerdelegation die Handelsmesse Expo besuchte. Mitsotakis warb in Shanghai um chinesische Investitionen. „Griechenland ist offen für Geschäfte“, erklärte der Premier in einem Interview mit dem chinesischen Staatsfernsehen CGTN.

Den Chinesen braucht er das nicht zweimal zu sagen. Der Ausbau von Piräus ist die bisher größte, aber nicht die einige chinesische Investition in Griechenland. Ende 2016 übernahm die chinesische State Grid Corporation, der weltgrößte Stromversorger, 24 Prozent des griechischen Netzbetreibers Admie. Die staatliche Shenhua Group erwarb vor zwei Jahren 75 Prozent an drei Windparks der griechischen Copelouzos Group. Beide Firmen wollen jetzt gemeinsam rund drei Milliarden Euro im Energiesektor investieren. Auch chinesische Stromkonzerne wie Sky Solar Holdings, Yangtze Power Investment und Hanergy investieren in erneuerbare Energieproduktion in Griechenland.

Im Telekom-Sektor fassen die Chinesen ebenfalls Fuß. Der Elektronik-Hersteller ZTE ist ein wichtiger Lieferant für Hellenic Telecom und plant den Aufbau eines Technologieparks in Griechenland. Auch Huawei ist gut im Geschäft. Das Unternehmen liefert nicht nur Technik, es kooperiert auch in der Forschung mit griechischen Universitäten und vergibt Stipendien.

Rechtzeitig zum Besuch von Staatschef Xi Jinping eröffnete jetzt die Bank of China eine Niederlassung in Hellas. Die chinesischen Banker residieren standesgemäß in einer der besten Adressen, im Athens Tower, dem höchsten Gebäude der Hauptstadt. Das unterstreicht die Ambitionen der Chinesen.

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