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Der Konzernschreck aus den USA

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Von: Stefan Sauer

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Staranwalt Michael Hausfeld.
Staranwalt Michael Hausfeld. © REUTERS

Der US-amerikanische Staranwalt Hausfeld hat nach Volkswagen nun auch die deutsche Bankenbranche im Visier.

„Unser leitendes Prinzip ist es, Gerechtigkeit für Menschen zu erstreiten, denen Unrecht widerfahren ist.“ Ein wenig klingt Michael Hausfeld wie Robin Hood. Und ein wenig handelt er tatsächlich so. Die Kanzlei des prominenten US-Anwalts aus Brooklyn hat sich in den vergangenen Jahren mit einigen der mächtigsten Konzerne der Welt angelegt, um millionen- und sogar milliardenschwere Schadensersatzforderungen für geschädigte Kunden durchzusetzen.

Seit Jahreswechsel hat Hausfeld zwei weitere Verfahren in die Wege geleitet, bei denen es um Milliarden geht: Mit einer Musterklage will der 72-Jährige im Zusammenhang mit dem VW-Abgasskandal Schadensersatzansprüche europäischer Kunden durchsetzen. Darüber hinaus hat Hausfeld die Bankenbranche im Visier. Volksbanken, Sparkassen und private Kreditinstitute, darunter die Deutsche Bank, sollen widerrechtlich Absprachen über die Höhe von EC-Karten-Gebühren getroffen haben. Kläger sind große Einzelhandels- und Mineralölunternehmen, die bis 2014 eine festgelegte Provision von 0,3 Prozent des Rechnungsbetrags an die Banken abführten, wenn der Kunde mit EC-Karte zahlte. Bereits vor fünf Jahren hatte Hausfeld mehr als 20 international tätige Banken im Zusammenhang mit dem Libor-Skandal auf Schadensersatz verklagt.

Dass Hausfeld, dessen Kanzlei mittlerweile Dutzende Top-Anwälte an vier Standorten in Washington, San Francisco, New York und London beschäftigt, wie im aktuellen EC-Gebühren-Fall Großunternehmen vertritt, ist eher die Ausnahme.

Bekannt wurde der Anwalt mit polnisch-jüdischen Wurzeln – den Eltern gelang 1944 die Flucht vor den Nazis in die USA – mit Verfahren zugunsten kleiner Leute. Er erstritt Schadensersatz für Fischer aus Alaska, die ihrer Lebensgrundlage durch die Tankerkatastrophe der Exxon Valdez 1989 beraubt worden waren. Er verhalf Texaco-Angestellten afrikanischer Abstammung in den 90er Jahren mit einer Anti-Diskriminierungs-Klage zu 176 Millionen Dollar.

Hausfeld ging auch gegen die Bundesrepublik Deutschland vor. Gemeinsam mit anderen Anwälten erreichte er die Einrichtung eines Entschädigungsfonds über 5 Milliarden Euro für jüdische Zwangsarbeiter unter der Naziherrschaft. Überdies gelang es ihm, im Rahmen eines Vergleichs den Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse 1,25 Milliarden Dollar abzutrotzen. Sie hatten in der Nazizeit jüdische Vermögen unterschlagen.

Gewissen oder Gier?

Ob Hausfeld sich selbst tatsächlich als eine Art Rächer der Enterbten betrachtet? Oder ob er vor allem an der Mehrung des eigenen Vermögens Interesse hat? Seine politische Sozialisierung spricht eher für Ersteres: Hausfeld wuchs in den 60er Jahren auf, im linksliberalen New York, in einer Zeit der Sozialstaatsprogramme und Studentenproteste, zwischen Woodstock und Rassenunruhen.

Es wird kolportiert, dass Hausfeld von Bewerbern fordere, sie sollten „sich zumindest darüber bewusst sein, dass sie ein soziales Gewissen haben sollten.“

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