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Ein Arbeiter trägt ein Solarmodul auf das Dach eines Wohnhauses. Die Nachfrage nach Solaranlagen zieht zurzeit wieder an.
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Ein Arbeiter trägt ein Solarmodul auf das Dach eines Wohnhauses. Die Nachfrage nach Solaranlagen zieht zurzeit wieder an.

Energiewende

Konzerne setzen auf Öko-Energie

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Im Gegenzug sinkt der Anteil von Privatleuten am Neubau von Anlagen - wie eine Studie steigt. Dabei braucht es die Beteiligung von Bürger:innen, um die Ausbauziele zu erreichen.

Bis zum Jahr 2000 war die Stromproduktion fast alleine die Domäne der Elektrizitätskonzerne und Stadtwerke. Das änderte sich mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, das damals eingeführt wurde. Solar-, Windkraft- und Biogasanlagen wurden häufig von Privatleuten, Landwirten und Genossenschaften gebaut. Doch nun läuft der Rollback: Die „Bürger:innen-Energie“ verliert wieder an Boden, während Stromkonzerne, Fonds und Banken zulegen.

Vor zehn Jahren wurde die Eigentümerstruktur bei den Öko- Energien von der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) erstmals detailliert untersucht. Damals lag mehr als die Hälfte der installierten Leistung in der Hand von Privatleuten und Landwirt:innen. Heute beträgt der Anteil nur noch rund 40 Prozent, wie aus einer Studie des Instituts trend:research für die AEE hervorgeht.

Ein Blick auf den Neubau von Anlagen zeigt, wie sehr sich die Struktur der Eigentümer:innen zugunsten größerer Investoren verschiebt. Privatleute bildeten 2019 zum ersten Mal nicht mehr die Spitzengruppe, sie erreichten nur noch 18 Prozent. Fonds und Banken übernahmen sie mit 21 Prozent. Zählt man die Landwirt:innen zur Bürgerenergie hinzu, beträgt ihr Anteil zusammen rund ein Viertel, also etwa 15 Prozentpunkte weniger als beim Anlagenbestand.

Stromversorger, insbesondere die großen deutschen Konzerne EnBW, RWE und Vattenfall sowie multinationale Unternehmen, engagieren sich deutlich stärker. Zusammen waren sie 2019 für knapp ein Drittel des Zubaus verantwortlich. 2016 waren es erst 22 Prozent gewesen. Dabei macht sich laut AEE bemerkbar, dass der Anteil der sehr investitionsintensiven Offshore-Windkraft steigt, während der Ausbau der Windenergie an Land fast zum Erliegen gekommen ist. Onshore-Wind war lange eine Domäne der Bürger:innen-Energie. Die Nachfrage nach Solaranlagen zieht derweil wieder an. Sie ist für Privatleute, Landwirt:innen und fürs Gewerbe besonders interessant.

Viele renommierte Umwelt-und Energieexperten hatten den Boom der Bürger:innen-Energie sehr begrüßt. Der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) zum Beispiel sagte 2015: „Für mich ist einer der großen Vorteile der Energiewende, dass wir einen Demokratisierungsprozess unter den Investoren bekommen haben.“ Die Finanzierung der Energiewende sei seit EEG-Einführung vornehmlich eine Aufgabe der Sparkassen und Volksbanken gewesen. „Es gibt eine völlig andere Investorenstruktur, und eine Demokratie wie die unsere braucht dringlich solche Bereiche, wo die Menschen mitmachen können.“

AEE-Geschäftsführer Robert Brandt betonte bei Vorlage der aktuellen Untersuchung: „Die Investitions- und Beteiligungsmöglichkeiten der Bürger:innen ist für die Akzeptanz des weiteren Ausbaus der erneuerbaren Energien unverzichtbar.“ Zu Beginn der Energiewende seien es vor allem sie gewesen, die die wirtschaftlichen Chancen der Öko-Energien erkannten. Dass sich nun auch finanzkräftige Investoren mehr für eine klimaschonende Energieerzeugung engagierten, sei erfreulich. Die Bürgerenergie müsse aber „unbedingt weiter ihren Platz beim Fortgang der Energiewende finden“, betonte Brandt.

Wegen des steigenden Ökostrombedarfs wird erwartet, dass die Groko im Frühjahr die Erneuerbaren-Ausbauziele für 2030 anhebt. Um sie erreichen zu können, braucht es mehr Zubau von Anlagen in allen Größenklassen – von kleinen Solar-Dachanlagen über Windräder an Land bis zum Offshore-Windpark. Brandt dazu: „Dafür braucht es Beteiligungsmöglichkeiten für alle.“

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