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Die niederländische Königin Máxima mit Bundesbankchef Jens Weidmann (li.) und Finanzminister Wolfgang Schäuble.
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Die niederländische Königin Máxima mit Bundesbankchef Jens Weidmann (li.) und Finanzminister Wolfgang Schäuble.

Finanzdienstleistungen

Ein Konto als Entwicklungshilfe

Die niederländische Königin Maxíma wirbt in Wiesbaden auf einer Konferenz für finanzielle Bildung. Die studierte Ökonomin gibt dabei wichtige Impulse für die Debatte.

Von Rolf Obertreis

Dass eine Königin bei einer Finanzkonferenz von Bundesbank und Bundesfinanzministerium spricht, ist ungewöhnlich. Dass sie wichtige Impulse für die Debatte gibt, dürfte zunächst ebenso überraschend sein. Wer die niederländische Königin Máxima kennt, wird am Mittwoch im Schloss Biebrich in Wiesbaden nicht gestaunt haben.

Die 45-jährige gebürtige Argentinierin ist studierte Ökonomin, hat unter anderem bei der Deutschen Bank gearbeitet, fungiert seit 2009 als Beraterin des UN-Programms für finanzielle Beteiligung („Inclusive Finance – UNSGSA), setzt sich entschieden für finanzielle Bildung in den ärmeren Ländern und Zugang der Menschen dort zu grundlegenden Finanzdienstleistungen ein, damit auch so die Armut bekämpft werden kann. „Wir haben einiges erreicht. Aber immer noch fehlt zwei Milliarden Menschen, vor allem in Afrika, dieser Zugang“, sagt Königin Maxima in Wiesbaden und weist damit auf ein Thema hin, dass im Mittelpunkt der G 20-Präsidentschaft Deutschlands in diesem Jahr steht.

Internationale Experten zu Gast

Bundesregierung und Bundesbank wollen Anstöße geben. Deshalb haben sie die Königin, Minister, Notenbanker und Manager aus Singapur, Australien, aus der Schweiz, Mexiko, Hongkong und Großbritannien nach Wiesbaden geladen. Digitalisierung, finanzielle Beteiligung und finanzielle Bildung lauten die Themen der zweitägigen Konferenz.

Seit 2011 hätten 700 Millionen Menschen vor allem in den ärmeren Ländern Zugang zu Finanzdienstleistungen gefunden. „Aber immer noch haben 40 Prozent aller kleinen und mittelgroßen Firmen, Händler und Handwerker in diesen Ländern kein Bankkonto“, umschreibt die Königin die weiter notwendigen Anstrengungen. Dabei müssten viel stärker als bisher Mobiltelefone und mobile Zugangswege genutzt werden.

Entscheidend sei auch Bildung. „Viele der ärmeren Menschen haben keine Erfahrung mit Banken, mit Smartphones und mit Computern“, sagt die Königin. Und weil das so ist, müssten mobile Bankdienstleistungen sehr einfach gestaltet und entsprechende Apps leicht zu bedienen sein.

Die Digitalisierung von Finanzdienstleistungen bietet auch nach Ansicht von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) neue Chance, mehr Menschen den Zugang zu Banken zu ermöglichen. „In Kenia etwa“, sagt Weidmann, „ist der Anteil der Menschen mit einem Bankkonto von 42 Prozent im Jahr 2011 auf 75 Prozent im Jahr 2014 gestiegen“. In einigen Ländern südlich der Sahara gebe es mittlerweile mehr Menschen mit einem mobilen Bankkonto als einem Konto in einer Filiale. Das dürfte auch das Wachstum in diesen Ländern befördern und die Ungleichheit mildern, so der Bundesbank-Präsident.

Weidmann sieht Risiken

Weidmann warnt aber auch vor Risiken, etwa vor einer Überschuldung dadurch, dass der Zugang zu Finanzdienstleistungen zu schnell und unkontrolliert erfolgen könnte. Dadurch könnten zu viele Kredite an eine Person vergeben werden. Weidmann erinnert an die Mikro-Kreditkrise 2010 in Indien. Entscheidend sei die finanzielle Bildung. In einigen Entwicklungsländern verfügten weniger als ein Fünftel der Menschen über grundlegende Finanzkenntnisse. Freilich: Auch in reicheren Staaten gelten nur etwas mehr als die Hälfte der Erwachsenen Studien zufolge als finanziell geschult. Als Notenbanker hat Weidmann auch die Risiken von Digitalisierung und mobilem Banking sowie mögliche Gefahren für die Finanzstabilität im Auge. Er warnt vor einer zu laschen Überwachung von FinTechs, neuen, digitalen Finanzdienstleistungen.

Trotzdem: Der Blick auf die Chancen von Digitalisierung und mobilen Geräten für die weitere Verbreitung von Finanzdienstleistungen überwiegt bei der Konferenz. „Ohne finanzielle Beteiligung gibt es keine soziale Beteiligung“, sagt Tharman Shanmugaratnam, stellvertretender Premierminister von Singapur im Schloss Biebrich. Wer über ein Smartphone Zugang zu einem Bankkonto habe, sei auch zum guten Teil in die Gesellschaft integriert. Der Minister aus dem reichen Stadtstaat lobt die FinTechs. Er verweist auf eine kleine Bank in Thailand, die ein Tool entwickelt hat, mit dem Blinde über ein Smartphone mit Tönen und Vibrationen Zugang zu Bankdiensten haben.

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