Talanx ist Deutschlands drittgrößter Versicherer.
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Talanx ist Deutschlands drittgrößter Versicherer.

Versicherer Talanx in der Kritik

Ein Konto bei der Bundesbank

Deutschlands drittgrößter Versicherer will sein Geld nicht mehr Geschäftsbanken anvertrauen. Es sei im Falle ihrer Insolvenz zu schlecht abgesichert. Lieber hätte Talanx ein Konto bei der Bundesbank - doch die rückt keins raus. Von Antje Schüddemage

Von Antje Schüddemage

Es ist ein Misstrauensvotum der besonderen Art. Die Klage von Talanx, der Nummer drei der deutschen Versicherungsbranche, gegen die Deutsche Bundesbank richtet sich indirekt gegen die private Geldwirtschaft. Der Hannoveraner Konzern, der sein Kapitalanlagerisiko vermindern und deshalb ein Girokonto bei der Deutschen Bundesbank eröffnen will, findet den Einlagensicherungsfonds der deutschen Privatbanken "unzureichend".

Der Bundesverband Deutscher Banken (BdB) bezeichnete gestern die Kritik als "nicht nachvollziehbar". Der Einlagensicherungsfonds der privaten Banken bestehe seit 1976. "Seitdem sind im Fall der Insolvenz eines Mitgliedinstituts alle Einleger vollumfänglich entschädigt worden", erklärte ein Sprecher des BdB.

Schützenhilfe erhielt der BdB vom Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB). In Deutschland, das häufig als overbanked bezeichnet werde, sei es "ein leichtes, eine Bankverbindung zu finden, die auch den Erfordernissen einer Talanx genügt", sagte Sprecher Stephan Rabe der FR.

"Die Bundesbank bietet als einzige Bank ein insolvenzgeschütztes Konto", begründet Talanx-Sprecher Thomas von Mallinckrodt das von der Bundesbank abgelehnte Ansinnen. Er verweist auf die Lehman-Pleite, bei der der Soffin mit rund sechs Milliarden Euro einspringen musste, weil die Mittel aus dem Sicherungsfonds schnell erschöpft waren.

Das ist auch der Grund, warum innerhalb des Bankenverbands und der schwarz-gelben Regierung über die Reform des Sicherungssystems nachgedacht wird. Als eine mögliche Lösung gilt, die Haftungsgrenzen pro Kunde zu senken und auf Privatanleger zu beschränken. Derzeit sind bis zu 30 Prozent des Eigenkapitals einer Bank pro Einlage geschützt, also bis rund sieben Milliarden Euro im Falle von Einlagen bei der Deutschen Bank.

Der ehemalige Generalsekretär der Europäischen Bankenvereinigung (FBE) Nikolaus Bömcke findet das "völlig abstrus". "Auf der ganzen Welt werden Einlagen zwischen 50000 und 200000 Euro geschützt, nur wir Deutschen denken, wir könnten es besser", sagte der Jurist der FR. Er plädiert dafür, die Grenze auf ein vergleichbares Niveau zu senken. "Sonst schützen wir nicht den kleinen Mann, sondern weiter die Großen."

Für Talanx wäre das eine schlechte Nachricht. Dort schaut man jetzt aber auf den 11. Februar, dann wird die Klage gegen die Bundesbank vor dem Frankfurter Verwaltungsgericht verhandelt.

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