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Bei N26 tue man alles, um die Verfahren sicherer zu machen.

Online-Bank

Kontenmissbrauch bei N26

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Kriminelle nutzten die junge Online-Bank und naive Verbraucher für illegale Machenschaften. Das Institut reagierte darauf offenbar zu spät.

Valentin Stalf galt lange Zeit als der Wunderknabe in der neuen digitalen Finanzwelt. Der gebürtige Wiener mit Wirtschaftsabschluss der Universität St. Gallen hatte 2013 nach einer Zeit bei der Berliner Start-up-Fabrik die Bank N26 gegründet. Es war bundesweit das erste Fintech-Unternehmen, das eine eigene Banklizenz erhielt. Eine Bank ohne Filialen, bei der sich ein Konto binnen weniger Minuten allein per Handy eröffnen lässt. „Die erste Bank, die du lieben wirst“, heißt es auf der Website. Mittlerweile hat das Unternehmen 2,5 Millionen Kunden. Doch häufen sich Probleme.

Bereits vor zwei Wochen geriet die Bank wegen laxen Umgangs mit Anfragen besorgter Kunden in die Kritik. Nun sollen Konten bei N26 sogar zur Geldwäsche im Zusammenhang mit Onlinebetrug benutzt worden sein.

Nach Recherchen von NDR und „Süddeutscher Zeitung“ seien knapp 400 N26-Konten unter anderem für Fakeshops im Internet eingesetzt worden. Bei einigen dieser Kontoverbindungen habe es mehrere Tage, teils mehrere Wochen gedauert, bis die Bank sie sperrte. Konkret wird über einen Fall berichtet, in dem ein angebliches Marktforschungsunternehmen via Internet „Produkttester“ anwarb, die den Videochat von N26 überprüfen und dafür „zum Test“ ein Konto eröffnen sollten. War das geschehen, übernahmen die Täter das Konto und nutzten es für fingierte Onlineshops. Als der Kunde bemerkte, dass etwas faul war, versuchte er zwei Wochen lang vergeblich, von der Bank dazu Auskunft zu bekommen. Ob und in welcher Höhe dem Kontoinhaber ein Schaden entstanden sein könnte, weiß er dem Bericht zufolge bis heute nicht.

Bei N26 könnte es laut den Recherchen möglicherweise vor allem bei der Überwachung von verdächtigen Transaktionen haken. Kriminelle konnten die Konten jeweils einige Tage bis einige Wochen für ihre Zwecke nutzen, um Geld aus ihren Geschäften zu waschen. Teilweise werden solche Konten im Netz wie eine Ware gehandelt und wechseln für wenige Hundert Euro den Besitzer. Den getäuschten Kontoinhabern selbst drohen andererseits Zivilklagen von betrogenen Kunden der Online-Fakeshops.

Bei N26 wird der Fall bestätigt. Zugleich verweist Bankchef Valentin Stalf auf die hohen Standards seines Instituts. „Ich glaube auch, dass wir in vielen Bereichen deutlich sicherer sind als der Marktdurchschnitt“, so Stalf. „Es gibt einfach Bedrohungsszenarien, da müssen wir uns ständig weiterentwickeln.“ Seine Bank tue alles, um ihre Verfahren noch sicherer zu machen. Auf neue Betrugsmaschen reagiere man sofort.

Wie auf Anfrage zu erfahren war, möchte die Bank darauf hinweisen, dass sie keine Kooperationen mit Job- und Wohnungsagenturen, Marktforschungsinstituten und Kreditvermittlern auf externen Websites eingehe, in denen dazu aufgefordert wird, die Identität per Videoanruf bei N26 zu bestätigen.

Und der Kundenservice? „Leider haben wir in einigen Fällen festgestellt, dass Kunden nicht sofort zurückgerufen wurden und wollen uns hierfür entschuldigen“, sagte der N26-Chef und -Gründer am Mittwoch. Inzwischen beschäftige man im Kundenservice 600 Mitarbeiter. Wöchentlich würden mehr als 50 000 Anfragen bearbeitet. „Bei Betrugsverdacht oder Sicherheitsbedenken können Kunden unsere Mitarbeiter im Chat um einen Rückruf bitten und wir rufen sie innerhalb einer Stunde zurück, um das Anliegen zu klären“, heißt es. „Wir werden unsere Erreichbarkeit in naher Zukunft auf 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche ausbauen.“ Telefonisch ist N26 aber nach wie vor nicht zu erreichen, und dies ist auch nicht vorgesehen. Die durchschnittliche Wartezeit im Chat liege bei weniger als 30 Sekunden.

Unter dem Strich spricht einiges dafür, dass hier ein Unternehmen zu schnell gewachsen ist. Allein in den zurückliegenden zwölf Monaten wurden über 1,6 Millionen Konten eröffnet, die Mitarbeiterzahl stieg von knapp 400 auf über 1000. Stalfs Selbstbewusstsein blieb dabei unversehrt: „Unser Anspruch ist es, für alle Kunden die sicherste und verlässlichste Bank zu sein“, sagte er vor einer Wochen. „Vielen Dank für euer Vertrauen.“

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